Männer an einem ungfertigen Skoda in der Fabrik im tschechischen Hradec Kralove.
Fachkräfte für die Automobilbranche sind in Tschechien extrem gefragt. Dafür müssen die Unternehmen tief in die Tasche greifen. Bildrechte: dpa

Wirtschaftsboom in Tschechien Škoda muss extreme Gehaltserhöhungen zahlen

Zwölf Prozent mehr Lohn bekommen die Angestellten des Autoherstellers Škoda demnächst. Das ist kein Einzelfall. Denn der Wirtschaftsboom in Tschechien zwingt Unternehmen zu großen Zugeständnissen.

Männer an einem ungfertigen Skoda in der Fabrik im tschechischen Hradec Kralove.
Fachkräfte für die Automobilbranche sind in Tschechien extrem gefragt. Dafür müssen die Unternehmen tief in die Tasche greifen. Bildrechte: dpa

Nicht einmal streiken mussten die rund 25.000 Tarifangestellten der Volkswagen-Tochter in Tschechien. Schon die Androhung eines Streiks reichte aus, um die Konzernführung zu massiven Zugeständnissen zu bewegen. Neben der satten Gehaltssteigerung verpflichtete sie sich auch zu einer Einmalzahlung von 2.600 Euro pro Angestelltem.

Vom Niedriglohn-Europa zur boomenden Wirtschaftsregion

Eine Alternative hatte Škoda auch nicht. Denn die gute Konjunktur in Europa erhöht die Nachfrage nach Produkten wie Autos massiv, deren Zulieferer sich besonders in osteuropäischen Ländern wie Polen, Tschechien, und der Slowakei  konzentrieren. Nach deren EU-Beitritt im Jahr 2004 hatten viele Autokonzerne – besonders aus Deutschland – große Teile der Produktion dorthin verlagert.

Durch die wegfallenden Grenzen waren die Wege kurz und das niedrige Lohnniveau ein massiver Wettbewerbsvorteil. Doch seitdem sinkt die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern Osteuropas, trotz der Finanzkrise 2008, rasant. In Tschechien herrscht quasi Vollbeschäftigung. Firmen wie Škoda haben es dadurch zunehmend schwerer, Fachkräfte zu finden.

Firmen müssen mit massiven Zugeständnissen locken

 Um die wenigen verfügbaren Fachkräfte müssen sie dann mit anderen Unternehmen konkurrieren. So werben einige Firmen, wie der Klimaanlagenhersteller "Denso Manufacturing Czech" in Liberec, mit weit überdurchschnittlichen Einstiegsgehältern und mehreren hundert Euro Willkommensbonus um neue Arbeitskräfte.

Entsprechend steigt das Selbstbewusstsein der Arbeitnehmer, wie das Beispiel Škoda zeigt. Neben den Aufschlägen konnten die Gewerkschaften auch durchsetzen, dass die Arbeitszeiten der Angestellten nicht auf das Wochenende ausgeweitet werden. Das hatte die Konzernführung zuvor geplant, musste die Idee aber aufgeben. Ähnliche große Zugeständnisse müssen auch Firmen in der benachbarten Slowakei machen.

Trotz starker Gehaltszuwächse unter europäischem Niveau

Doch die Unternehmen können den zunehmenden Druck der Arbeitnehmer finanziell immer noch gut verkraften. So setzte Škoda im vergangenen Jahr eine Rekordzahl von 1,2 Millionen Autos ab. Auch der Gewinn fiel mit zehn Prozent ausgesprochen hoch aus. Ein Grund dafür ist, dass selbst die gestiegenen Löhne in Tschechien noch weit unter dem Niveau westeuropäischer Staaten liegen.

Mit jetzt durchschnittlich 1.900 Euro brutto verdient ein Škoda-Angestellter im Stammwerk in Mladá Boleslav nicht einmal halb so viel wie sein deutscher Kollege im zweihundert Kilometer entfernten Dresden. Dort, beim Mutterkonzern Volkswagen, liegt das Durchschnittsgehalt bei 4.200 Euro. Und das, obwohl die Lebenshaltungskosten in Tschechien mittlerweile fast deutsches Niveau erreicht haben.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 13.04.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2018, 22:01 Uhr