Slowakischer Unternehmer soll Mord an Journalisten beauftragt haben

Die slowakische Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Multimillionär Kocner die Ermordung des Journalisten Jan Kuciak angeordnet hat. Wie die Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität in Bratislava am Donnerstag mitteilte, war der Mord durch die Recherchen des Investigativ-Journalisten motiviert. Es gebe dafür einen objektiven Beweis, der derzeit aber nicht öffentlich gemacht werden dürfe. Gegen den Mann sei eine formelle Anschuldigung erhoben worden. Das ist im slowakischen Strafrecht eine Vorstufe zur Anklage vor Gericht.

Der 27-jährige Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Velka Maca erschossen worden. Der Reporter hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und slowakischen Politikern recherchiert. Sein unvollendeter Artikel wurde nach seinem Tod veröffentlicht.

Proteste nach Mord führen zum Rücktritt des Regierungschefs

Der Mord an dem Journalisten und die postume Veröffentlichung seines Artikels hatten Massendemonstrationen gegen die Regierung ausgelöst und schließlich zum Rücktritt von Ministerpräsident Robert Fico geführt. Seine Nachfolge trat im März 2018 Peter Pellegrini an.

 Am Telefon bedroht

Im September 2018 hatte die Polizei vier Tatverdächtige festgenommen, unter ihnen Kocners ehemalige Dolmetscherin. Kocner saß zu dieser Zeit bereits seit Juni 2018 wegen Betrugs im Gefängnis. Er hatte Kuciak überwachen lassen und bedrohte den Journalisten am Telefon, wie dessen ehemaliger Chefredakteur Peter Bardy im September 2017 erklärte. Kuciak meldete den Drohanruf bei den Behörden, es geschah jedoch nichts.

Medienberichten zufolge unterhielt Kocner Verbindungen zu Mitgliedern der sozialdemokratischen Regierungspartei Smer-SD, deren Vorsitzender weiterhin Fico ist.

(AFP/dpa/voq)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch in der Reportage "Alle für Jan - Die Slowakei nach dem Journalistenmord": 10.11.2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 12:04 Uhr