Slowakei: Bestätigung für den eigenen Weg

Bratislava, Hauptstadt der Slowakei Pressburg.
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Die Slowaken betrachteten den Prozess des Zusammengehens der beiden deutschen Staaten ausgesprochen interessiert: Sie schlugen in diesen Jahren nämlich den genau entgegengesetzten Weg ein, den der Loslösung nämlich. Am 1. Januar 1993 erlangte die Slowakei nach der Trennung von Tschechien die staatliche Souveränität. Und der Blick hinüber nach Deutschland bestärkte sie in dem Streben nach Eigenständigkeit. Die Ostdeutschen, so die Sicht der Slowaken, seien nicht zu einer eigenständigen und kreativen Politik herausgefordert gewesen, da sie sich den Westdeutschen lediglich angeschlossen und sich deren Regeln blindlings unterworfen hätten.

Ängste freilich oder Vorbehalte gegen das neue große Deutschlang gab es in Bratislava kaum. Ganz im Gegenteil: Deutschland wurde von vielen Slowaken als bedeutende und sich vermutlich noch weiter ausdehnende Wirtschaftsnation angesehen, an dessen Erfolgen man partizipieren könnte. In den 1990er Jahren lernten mehr junge Leute Deutsch als Englisch. Ein weltweit ziemlich einmaliger Vorgang. Ab 2005 änderte sich das allerdings – seither ist Englisch die Lieblingssprache der Slowaken, Deutsch belegt aber immerhin noch den zweiten Platz.     

Heute kümmert die Wiedervereinigung Deutschlands kaum noch jemanden in der Slowakei. Sie ist kein Thema mehr. Deutschland wird als Stabilisator in Europa und ganz besonders als Wirtschaftsmacht betrachtet (immerhin ist Deutschland wichtigster Handelspartner der Slowakei), weniger als ein Land, von dem sich politisch etwas lernen ließe beziehungsweise als eines, das den Slowaken besonders nahe stünde. Immerhin gilt die Tatsache, dass es in Deutschland auch 25 Jahre nach der Einheit noch ein beachtliches West-Ost-Gefälle gibt, den Slowaken als Beleg dafür, wie richtig es doch gewesen war, sich damals auf den Weg in die Eigenstaatlichkeit begeben zu haben.   

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2015, 16:58 Uhr