Streik bei VW in Bratislava beendet Beschäftigte erkämpfen sattes Lohnplus

Der Streik in slowakischen Volkswagenwerk in Bratislava ist beendet. Die Arbeitnehmer konnten ihre Forderungen nach deutlich mehr Lohn weitgehend durchsetzen.

VW-Mitarbeiter in Bratislava streiken vor den Toren des Volkswagenwerkes in der slowakischen Hauptstadt. Sie schwnken Transparente und machen mit Trillerpfeifen auf sich aufmerksam.
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Wie die Gewerkschaft mitteilte, werden die Beschäftigten in drei Schritten bis November 2018 eine Lohnerhöhung von insgesamt 13,5 Prozent erhalten. Außerdem bekommen sie einen zusätzlichen Urlaubstag und eine Einmalzahlung von 500 Euro.

Gewerkschaftschef Zoroslav Slovinský zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: "Alle Punkte, die haben wollten, konnten wir im Wesentlichen abschließen." In der Tat liegt der am Sonntag ausgehandelte Tarifvertrag näher an den Vorstellungen der Arbeitnehmer. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich ein Lohnplus von 16 Prozent verlangt und ihre Forderung danach auf 13,9 Prozent korrigiert. Die Werksleitung hatte anfangs nur 9 Prozent angeboten.

Akuter Arbeitskräftemangel

Zu dem guten Tarifabschluss hat den Arbeitnehmern die äußerst günstige Lage auf dem Arbeitsmarkt verholfen. Die Arbeitslosenquote liegt mit 7,35 Prozent so niedrig wie noch nie seit der Wende und speziell in der Automobilindustrie herrscht akuter Fachkräftemangel. Vier verschiedene Konzerne kämpfen in der kleinen Slowakei um jede Hand. Volkswagen investiert gerade größere Summen, um das Werk in Bratislava zu erweitern. In der benachbarten Stadt Nitra, nur eine Stunde Fahrt entfernt, macht Jaguar gerade eine Fabrik auf, und außerdem lassen PSA und Kia Motors im Land verschiede Automodelle bauen. Volkswagen hatte sich zuletzt damit beholfen, dass 550 Mitarbeiter aus dem ungarischen Werk des Konzerns in die Slowakei entsandt wurden. Doch das brachte nur eine Linderung, aber keine Lösung des Problems.

Wirtschaftsmotor Automobilindustrie

Fertigungshalle von VW in der Slowakei
Blick in eine Fertigungshalle in Bratislava Bildrechte: IMAGO

Die Löhne im Bratislaver VW-Werk zählten bereits vor dem Streik zu den höchsten im ganzen Land. Im Schnitt bekamen die Mitarbeiter bei VW bislang - die oberste Chefetage nicht mitgerechnet - 1.804 Euro im Monat. Das entspricht in etwa zwei durchschnittlichen Monatslöhnen im Land. Nicht einmal Bankangestellte und die traditionell gut bezahlten Mitarbeiter des Energiesektors werden so gut entlohnt.

Der sechstägige Streik, der am Montagmorgen zu Ende ging, war der erste in der Geschichte des Werkes, das 1991 gegründet wurde. Mit 12.301 Mitarbeitern ist Volkswagen der größte private Arbeitgeber des Landes. 2016 liefen dort 388.687 Autos vom Band - Modelle wie Skoda Citigo, Seat Mii und Volkswagen up! Die Automobilindustrie gilt als ein Motor der slowakischen Wirtschaft.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell auch im Fernsehen: MDR | 23.06.2017 | 17:45 Uhr