Mazedonischer Politiker Zoran Zaev, spricht zu den Anhängern seiner Partei SDSM in Skopje.
Zoran Zaev will Einigung mit Griechenland noch 2018. Bildrechte: IMAGO

UN vermittelt Mazedonien und Griechenland wollen Namensstreit beenden

Jetzt soll sich was bewegen! Im Namensstreit zwischen Mazedonien und Griechenland gibt es versöhnliche Töne von Regierungschef Zaev aus Skopje. Heute treffen sich beide Länder in New York. Die UN vermittelt.

Mazedonischer Politiker Zoran Zaev, spricht zu den Anhängern seiner Partei SDSM in Skopje.
Zoran Zaev will Einigung mit Griechenland noch 2018. Bildrechte: IMAGO

Sie versuchen nicht weniger, als einen fast drei Jahrzehnte schwelenden Streit beizulegen. Griechenland und Mazedonien treffen sich heute bei der UN in New York, um über den Namen der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien zu diskutieren. Aus Sicht Griechenlands ist der Name Mazedonien Teil des griechischen Nationalerbes und suggeriert einen Anspruch auf die nordgriechische Provinz mit dem gleichen Namen. Deshalb verlangt Athen, dass Mazedonien seinen Namen ändert.

Streit seit Anfang der 90er-Jahre

Der Streit zwischen Athen und Skopje reicht bis ins Jahr 1991 zurück. Damals erklärte die jugoslawische Ex-Republik ihre Unabhängigkeit und wählte den Namen Mazedonien für sich. Zwar verzichtete Skopje schon ein Jahr darauf auf jegliche Ansprüche, doch der Streit war damit nicht beigelegt.

Seit 1993 wird das Land bei der UNO nicht unter Mazedonien, sondern unter der sperrigen Bezeichnung "Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien" geführt (auf Englisch abgekürzt FYROM). Zudem blockiert Athen seit 2005 den Beginn von EU-Beitrittsgesprächen ebenso wie die Nato-Mitgliedschaft des Nachbarlands.

Zeichen auf Neubeginn

Unter Mazedoniens neuem Regierungschef, dem Sozialdemokraten Zoran Zaev, soll sich das nun ändern. Er signalisierte Zugeständnisse und ging vor wenigen Wochen einen ersten Schritt auf Athen zu: "Die Geschichte gehört nicht nur uns, sondern auch Griechenland und vielen anderen Ländern", sagte Zaev in einem Interview mit dem TV-Sender Telma. Damit rückte Mazedonien von der Position ab, Alleinerbe des kulturellen Nachlasses von Alexander des Großen zu sein.

Hintergrund ist, dass Makedonien, die Heimat Alexanders des Großen, eine historische Region war, die ab 1913 unter Albanien, Bulgarien, Jugoslawien und Griechenland aufgeteilt wurde. So ist der Namensstreit, neben der Angst Athens, Gebiete zu verlieren, eine Frage der nationalen Identität beider Länder.

Ex-Chef Gruevski und das Nationalgefühl

Ein Rückblick: Um das Selbstwertgefühl der Mazedonier zu stärken und ihre Abstammung zum antiken Makedonien Alexanders des Großen darzustellen, rief die konservative Vorgängerregierung Zaevs das Projekt "Skopje 2014" aus. Im Ergebnis entstanden antike Prunkbauten und Heldendenkmäler. Die Haupt-Autobahn und der Flughafen der Hauptstadt Skopje wurden nach Alexander dem Großen benannt und eine fast 30 Meter hohe Statue errichtet. Das wurde von Griechenland als Provokation aufgenommen und soll nach den Vorstellungen Zaevs nun revidiert werden.

"Skopje 2014" - Heldendenkmäler, Triumphbögen und Kitschfassaden

Um das "nationale Gefühl" der Mazedonier zu stärken, ließ Staatschef Nikola Gruevski von 2010 an die Hauptstadt Skopje umbauen. Triumphbögen, Heldendenkmäler und kitschige Staatspaläste wurden errichtet.

Skopje
Der Triumphbogen Porta Makedonia kann als Mahnmal des Cäsarenwahns von VMRO-DPMNE-Chef Nikola Gruevski gelten. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje
Der Triumphbogen Porta Makedonia kann als Mahnmal des Cäsarenwahns von VMRO-DPMNE-Chef Nikola Gruevski gelten. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje in Mazedonien
Neoklassizistische Prunkbauten verstellen den Blick auf die Festung Skopsko Kale hoch über dem Vardar-Fluss. Bildrechte: Frank Stier/MDR
Skopje
Kitsch und Sentimentalität kannten in Nikola Gruevskis Prestigeprojekt "Skopje 2014" kein Maß. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje in Mazedonien
Die Staatsanwaltschaft hat die Rechtmäßigkeit des Projekts "Skopje 2014" zu überprüfen. Auch sie residiert in einem hübschen neoklassizistischen Rundbau am Vardar. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje
Roher Beton. Der Campus der Universität "St. Kyrill und Method" in Skopje beschränkt sich auf das Wesentliche. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje
Kaiser Justinian thront an der Steinernen Brücke. Sie ist eines der wenigen verbliebenen authentisch historischen Bauwerke der Stadt. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje
"Reiter auf Pferd" heißt dieses den Makedonia-Platz dominierende Denkmal offiziell. Doch jeder in Skopje weiß, dass es sich um Alexander den Großen handeln soll. Dies nun verstimmt Griechenland, die den antiken Herrscher ausschließlich für ihre Geschichte reklamieren. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje
Der aus Stein gehauene "Antifaschistische Rat der Volksbefreiung Mazedoniens" (ASNOM) debattiert gegenüber dem Parlament die Zukunft des Landes. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje
Helden stehen Spalier auf der Schmuckbrücke über dem Vardar-Fluss zum "Archäologischen Museums Mazedoniens". Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje
Philipp II. von Makedonien hebt die Hand zum Gruß im Albaner-Viertel. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje
Das Postamt ist eines der wenigen noch sichtbaren Bauwerke aus Skopjes brutalistischer Epoche. Bildrechte: MDR/Frank Stier
Skopje in Mazedonien
Wohnhäuser am Ufer des Vardar-Flusses.
(Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Aktuell", 26. 05. 2017, 17.45 Uhr)
Bildrechte: MDR/Frank Stier
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Lösung schon in diesem Jahr?

Wie genau das vor sich gehen soll und ob die Bauwerke unbenannt werden sollen, sagte Zaev allerdings nicht. Zudem warnte er davor, dass ein Abriss der monumentalen Denkmäler und neuen Fassaden kostspielig sei. Im Namensstreit mit Griechenland gibt er sich da schon entschlossener. So glaube er, bis Ende des ersten Halbjahres 2018 eine Lösung mit Athen zu finden.

(afp/dpa/me)

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im: TV | 26.05.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2018, 16:12 Uhr