Rauchverbot in Kneipen Aus für den blauen Dunst

Nun ist es also tatsächlich so weit. Passend zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai darf in allen tschechischen Lokalen nicht mehr gequalmt werden. Europas letzte Raucherbastion fällt - nach mehreren Anläufen.

Am 31. Mai - dem Weltnichtrauchertag - tritt in Tschechien ein neues Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten in Kraft. Es gilt auch für Kinos und Theater. Wer sich künftig in den Innenräumen von Lokalen eine Zigarette oder Zigarre anzündet, muss mit einem Bußgeld von umgerechnet bis zu 200 Euro rechnen. Betreiber haben noch eine Schonfrist von 90 Tagen, bevor auch sie bei Verstößen gegen das Rauchverbot zur Kasse gebeten werden können. Dann könnten bis 1.900 Euro fällig werden.

Es gibt Ausnahmen

Viele Kneipen und Restaurants haben sich aber schon auf das Rauchverbot eingestellt und sind bereits Nichtraucherzonen. Und es gibt Ausnahmen vom Rauchverbot. E-Zigaretten und Wasserpfeifen dürfen weiter benutzt werden und auch in den Freisitzen der Lokale bleibt Rauchen erlaubt. So gesehen könnte die Einführung des verschärften Nichtraucherschutzes durch die warme Jahreszeit abgefedert werden, weil sie den Rauchern Zeit zur Gewöhnung an die Neuregelung gibt. Eine andere Maßnahme hat sich Prag für den beliebten ersten Stadtbezirk einfallen lassen. Dort sollen spezielle Anti-Konflikt-Teams Runden drehen.

Helana Sulcova in Prag 1 min
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Ab 31. Mai darf in Tschechien in Lokalen nicht mehr geraucht werden. Ostbloggerin Helena Sulcova findet das gut.

Mi 31.05.2017 06:00Uhr 00:42 min

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Das Raucherparadies schließt

Das neue Rauchverbot in Tschechien hat eine lange Vorgeschichte. Nicht umsonst galt Tschechien als das letzte Paradies für Raucher in Europa. Mehr als zehn Jahre wurde darum gerungen, ob auch im Gastgewerbe nicht mehr geraucht werden darf. Für die Gegner des erweiterten Rauchverbots gehört die Zigarette zum böhmischen Bier zur Kneipentradition des Ländes. Tschechiens Gesundheitsminister Miloslav Ludvik verteidigte aber kurz vor dem Inkrafttreten der Neuregelung das Gesetz und hofft auf den "gesunden Menschenverstand der schweigenden Mehrheit". Entspannt zeigte sich auch Tomas Mraz, Vertriebsdirektor der Brauerei Pilsner Urquell. Wer vorbereitet sein wollte, der sei vorbereitet. Der Branchenkenner geht in seiner Einschätzung sogar noch weiter:

In den nächsten Jahren werden wir sicherlich mehr Frauen in den Restaurants und Kneipen sehen und feststellen, dass die Gäste weniger, aber besser trinken.

Tomas Mraz, Vertriebsdirektor der Brauerei Pilsner Urquell Zeitung "Lidove noviny" vom 29. Mai 2017, zitiert nach dpa

Ist nach dem Verbot vor dem Verbot?

Das tschechische Oberhaus und auch Präsident Milos Zeman, bekennender Raucher, haben zwar im Januar bzw. Februar dem Gesetzentwurf zugestimmt. Das letzte Wort ist in der Angelegenheit aber möglicherweise noch nicht gesprochen. 20 Senatoren haben vor dem Verfassungsgericht gegen die Novelle des Nichtrauchergesetzes geklagt. Sie sei ein inakzeptabler Eingriff in die Freiheit der Bürger. Das Urteil der Richter steht noch aus.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: MDR Aktuell | 31.05.2017 | 17:45 und 19:30 Uhr
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