Osteuropa

Turkmenbaschi Der verrückte Herrscher, der sogar die Sterne umbenannte

Saparmurat Niyasow
Saparmurat Nijasow, der sich selbst "Turkmenbaschi", Herr aller Turkmenen, nannte, ist einer der schrillsten Diktatoren Osteuropas gewesen. Er ließ eine Stadt aus Gold und Marmor in der Wüste errichten, schrieb ein Buch, dass alle Turkmenen auswendig lernen mussten, gab den Sternen neue Namen und ließ sich am Ende seines Lebens zum Propheten ausrufen. Bildrechte: IMAGO
Saparmurat Niyasow
Saparmurat Nijasow, der sich selbst "Turkmenbaschi", Herr aller Turkmenen, nannte, ist einer der schrillsten Diktatoren Osteuropas gewesen. Er ließ eine Stadt aus Gold und Marmor in der Wüste errichten, schrieb ein Buch, dass alle Turkmenen auswendig lernen mussten, gab den Sternen neue Namen und ließ sich am Ende seines Lebens zum Propheten ausrufen. Bildrechte: IMAGO
Turkmenbaschi Nijasow
Saparmurat Nijasow, 1940 geboren, war in den 1980er-Jahren Moskaus Statthalter in der Sozialistischen Sowjetrepublik Turkmenistan. 1990 war er sogar Mitglied des Politbüros der KPdSU geworden. Nach dem Zerfall der UdSSR führte Nijasow die Republik in die Unabhängigkeit. Aus der Kommunistischen Partei machte Nijasow die Demokratische Partei Turkmenistans. Er ließ sich zum Parteichef und Staatspräsidenten wählen. Mitte der 1990er-Jahre ließ sich der Turkmenbaschi zum "Präsidenten auf Lebenszeit" ausrufen. Bildrechte: IMAGO
Präsident Saparmurat Niyazov (TKM) anlässlich einer Parade in Aschgabat
Eine Opposition gab es in Turkmenistan nicht, eine freie Presse ebensowenig. Kritiker des Regimes waren geflohen oder saßen im Gefängnis. Die Herrschaft des Turkmenbaschi war vollkommen. (Im Bild: Der Diktator auf einer Parade in der Hauptstadt Aschgabad.) Bildrechte: IMAGO
Saparmurat Niyazo
Der Turkmenbaschi, der sich gern auch "Diamantenkranz des Volkes" nannte, war allgegenwärtig: Sein Konterfei war auf den Geldscheinen abgedruckt und diente auch als Logo des Staatsfernsehens. (Im Bild: Der Turkmenbaschi während eines Urlaubs am Kaspischen Meer.) Bildrechte: IMAGO
Turkmenbaschi Nijasow
Aber nicht nur gewöhnliche Dinge regelte der Turkmenbaschi selbst. Auch den Kalender bearbeitete er kreativ: Dem Monat April gab er den Namen seiner Mutter, der September wurde von ihm umgetauft auf "Ruchnama". Die Namen April und September wurden aus dem Wortschatz komplett gestrichen. (Im Bild: Der Turkmenbaschi bei einer Teepause.) Bildrechte: IMAGO
Turkmenbaschi Nijasow und Wladimir Putin
Turkmenistan ist ein steinreiches Land - es verfügt über unermessliche Vorkommen an Erdöl und Erdgas. Die Vorkommen an Erdgas sollen die größten der Welt sein. So nahm es nicht Wunder, dass Staatschefs aller Länder gute Beziehungen zu Turkmenistan und seinem allmächtigen Herrscher anstrebten. (Im Bild: Der Turkmenbaschi mit Russlands Präsident Wladimir Putin.) Bildrechte: IMAGO
Palast mit Kuppel in Aschgabat, Turkmenistan
Des Turkmenbaschi kühnstes Projekt war die Errichtung einer neuen Hauptstadt, einer Stadt aus Gold und Marmor: Ashgabad. Bildrechte: IMAGO
Passanten an einer Bushaltestelle in Ashgabad
Nachdem sich der Turkmenbaschi das Rauchen abgewöhnt hatte, verfügte er, dass Rauchen in der Öffentlichkeit strengstens verboten sei. Und alles müsse sauber sein - die Straßen, Bushaltestellen und selbst private Autos müssten stets blitzblank sein. Bildrechte: IMAGO
Ruhnama Buch des Turkmenbaschi
Für seine Untertanen verfasste der Turkmenbaschi ein Buch, "Ruhnama", das Buch der Seele. Im "Ruhnama" steht etwa, dass die Turkmenen das Rad erfunden haben und das Tiere und Bäume sprechen können. Jeden Samstag mussten die Turkmenen das Buch studieren, es war Pflichtlektüre in den Schulen und sogar zur Führerscheinprüfung mussten Passagen daraus zitiert werden. (Im Bild: Die riesige "Ruhnama"-Statue in Ashgabad.) Bildrechte: IMAGO
Blick auf die Ashgabad Medical University
Der Turkmenbaschi äußerte in seinem Buch auch die Ansicht, dass die Turkmenen ein gesundes Volk seien und demzufolge keine Ärzte und Spitäler bräuchten. Im ganzen Land wurden daraufhin Krankenhäuser und Arztpraxen geschlossen. In einem gesonderten Erlass ließ der Turkmenbaschi Goldzähne verbieten. Sie würden einfach nicht zu den Turkmenen passen, erklärte er. (Im Bild: die Medizinische Akademie in Ashgabad.) Bildrechte: IMAGO
Ashgabad Kulturzentrum
Im "Buch der Seele" stehe alles drin, was die Turkmenen wissen müssten, befand der Turkmenbaschi und ließ kurzerhand sämtliche Bibliotheken, Buchläden und Verlage schließen. (Im Bild: Das Kulturzentrun in Ashgabad, zu Lebzeiten des Turkmenbaschi geschlossen.) Bildrechte: IMAGO
Straßenreiniger in einem Park
Obwohl Turkmenistan so reich war, lebte die Mehrzahl der Untertanen des Turkmenbaschi in Armut. Erschwerend kam hinzu, dass es eine gesundheitliche Betreuung nicht gab. Als der Turkmenbaschi seine Stadt aus Gold und Marmor errichten ließ, wurden Hunderte Menschen zwangsweise umgesiedelt. (Im Bild: Straßenfegerinnen in Ashgabad.) Bildrechte: IMAGO
Ashgabad Präsidentenpalast
Ein Palast aus Marmor und Gold: der Präsidentenpalast, errichtet zwischen 1994 und 1997 von einer französischen Firma. 80 Millionen Dollar soll die präsidiale Unterkunft gekostet haben. Bildrechte: IMAGO
Nyazow-Statue in Ashgabad
Immer der Sonne zugewandt: Damit kein Schatten auf das Gesicht des Turkmenbaschi fallen kann, dreht sich die zwölf Meter hohe Statue des "Herrschers aller Turkmenen" jeden Tag einmal um sich selbst. Bewacht wird die goldene Statue von Adlern, den Wappentieren Turkmenistans. In Auftrag gegeben hat die monumentale Plastik der Turkmenbaschi höchstselbst. Bildrechte: IMAGO
Turkmenbaschi Nijasow
Der Turkmenbaschi besaß auch ein eigenes Museum in der Hauptstadt Ashgabad. In ihm versammelte er vor allem Geschenke von Staatsoberhäutern, die Turkmenistan besucht hatten. Bildrechte: IMAGO
Turkmenbaschi Saparmurat Nijasow
In den späten Jahren seiner Regentschaft ließ sich der "Herr aller Turkmenen" auch noch zum Propheten ausrufen. (Im Bild: Wandgemälde mit dem Turkmenbaschi als Prophet in Ashgabad.) Bildrechte: IMAGO
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