Völkermord von Srebrenica UN-Tribunal: Lebenslang für Ex-Serbenführer Karadžić

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadžić muss lebenslang hinter Gitter. Das hat das UN-Tribunal in einem Berufungsprozess in Den Haag entschieden. Schon 2016 war Karadžić in erster Instanz unter anderem für den Völkermord in Srebrenica zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Dieses Urteil wurde nun verschärft.

Berufungsverfahren über Radovan Karadzic startet vor UN-Tribunal, 2018
Der Ex-Serbenführer Radovan Karadžić auf der Anklagebank. Bildrechte: dpa

Gut 25 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica ist der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadžić zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das entschieden die Richter des UN-Tribunals im Berufungsverfahren in Den Haag. In erster Instanz war Karadžić 2016 noch zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Er bestritt alle Vorwürfe, warf den Richtern einen "politischen Prozess" vor und legte Berufung ein. Das heutige Urteil ist nun endgültig.

Völkermord, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Die Richter verurteilten den früheren Psychiater wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Balkan-Krieges in den 1990er-Jahren. Karadžić habe sich des Mordes, der Verfolgung und Zwangsvertreibung bosnischer Muslime schuldig gemacht. Außerdem habe er die 44 Monate dauernde Belagerung der bosnischen Stadt Sarajevo sowie den Völkermord von Srebrenica zu verantworten.

Politischer Drahtzieher des Massakers von Srebrenica

1995 hatten serbische Einheiten unter dem serbischen General Ratko Mladić die damalige UN-Schutzzone überrannt und dann rund 8.000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Nach dem Krieg war Karadžić in Serbien untergetaucht und hatte 13 Jahre als alternativer Heiler praktiziert. Erst 2008 machte man ihn ausfindig und lieferte ihn an das Gericht aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. März 2019 | 16:00 Uhr