Polen Ostervideo erregt Gemüter

Ein Video von einer Ostermesse in Südostpolen ist zur Osterzeit 2017 ein Hit in den sozialen Netzwerken gewesen. Eine bizarre Tradition erregte die Gemüter vieler, die mit der katholischen Kirche hadern.

Bizarrer Osterbrauch im Karpatenvorland
Bildrechte: Facebook / OSP Miejsce Piastowe

Ob Frauen mit Wasser bespritzen oder Wurstkörbe segnen: Polen haben einige außergewöhnliche Osterbräuche, die von Region zu Region variieren. Doch ein sehr spezieller schaffte es zur Osterzeit 2017 zum viel diskutierten viralen Hit in den sozialen Netzwerken.

Das 46-sekündige Video zeigt eine Ostermesse im Karpatenvorland, dem südöstlichsten Zipfel Polens. Zu sehen sind zwei Feuerwehrmänner in traditioneller Kluft und einer "Hellebarde" in der Hand, einer Mischung aus Speer und Axt, die zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert als Waffe genutzt wurde.

Fliegende Mittelalter-Waffen

Plötzlich ertönt die Stimme des Priesters und wie von einem Blitz getroffen werfen sich die beiden Männer zu Boden und bleiben mit dem Gesicht auf der Erde regungslos liegen. Dabei fliegt die Hellebarde des einen in die erste Zuschauerreihe und landet mit der Spitze knapp neben dem Kopf eines Jungen.

Der Rest der Zuschauerraums scheint vollkommen unbeindruckt von dem bizarren Schauspiel. Anders als Tausende Internetnutzer: "Was zur Hölle war das? Ich habe es schon fünfmal geguckt und verstehe immer noch nicht, worum es geht", schreibt eine Nutzerin unter das Facebook-Video.

Biblische Überlieferung als Vorbild

Für Aufklärung sorgt die Gemeinde Miejsce Piastowe, in der sich das Ganze abgespielt hat, wenig später auf ihrer Facebook-Seite. Den Brauch zelebriere die örtliche Feuerwehr seit mindestens 60 Jahren. Er gehe auf die biblische Überlieferung zurück, wonach sich die Wachen vor der Grabkammer Jesu Christi diesem vor die Füße warfen, als er nach seiner Kreuzigung wieder auferstand. Den Jesus verkörpert in der Karpaten-Version der örtliche Priester.

Metapher für Regierungsstil

Tausende Male wurde das Video am Osterwochenende geteilt und heiß diskutiert. Als wundervolle Tradition preisen die einen den lokalen Brauch, während sich andere Nutzer darüber echauffieren, welche Gefahr dieser für Zuschauer wie den Jungen in der ersten Reihe darstelle.

Auch unter politischen Aspekten wird das Video diskutiert. Die nationalkonservative Regierung in Warschau steht der katholischen Kirche sehr nahe und diese ist in vielen Lebensbereichen wieder auf dem Vormarsch. In der Unterwürfigkeitsgeste sehen viele Kommentatoren daher eine Metapher für den Regierungsstil der PiS.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR um 4 | 22.03.2016 | 16:00 Uhr