Ferenc Gyurcsány Vom Jungfunktionär zum Millionär

Ferenc Gyurcsány, Jahrgang 1961, stieg in den Wendejahren vom kommunistischen Jungfunktionär zum kapitalistischen Multimillionär auf. Bis 1988 hatte er diverse Führungspositionen in kommunistischen Jugendorganisationen Ungarns inne. Doch Anfang der 1990er Jahre machte der Proletariersohn Gyurcsány in den Turbulenzen der ungarischen Privatisierung ein Vermögen. So war er in nicht immer durchsichtige Geschäfte und den Verkauf diverser Staatsbetriebe verwickelt.

Der studierte Lehrer erwarb 1990 noch schnell einen Uniabschluss in Wirtschaftswissenschaft und arbeitete noch im gleichen Jahr beim Finanzdienstleister "Creditum". Nur ein Jahr später stieg er überraschend zum Direktor der Internationalen Finanzaktiengesellschaft "Eurocorp" auf.

1992 gründete Gyurcsány seine eigene Firma, die "Altus AG". Diese Investmentfirma hat einen derzeitigen Marktwert von 14,5 Millionen Euro. Gyurcsány gehört somit zu den reichsten und mächtigsten Unternehmern Ungarns. Er kontrolliert außerdem noch das Bauxit-Aufbereitungwerk MOTIM und ist Eigentümer mehrerer Liegenschaften, darunter des Budapester Klubs der Parlamentsabgeordneten und eines früheren Regierungserholungsheims am Balaton. Gyurcsány wohnt in einer Industriellenvilla, die während der Rákosi-Ära enteignet und dem damaligen Parteifunktionär Antall Apró zugewiesen wurde. Apró ist nicht zufällig der Großvater von Gyurcsánys dritter Ehefrau.

2002 zog es den Großunternehmer zurück in die Politik, dafür gab er den Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der "Altus AG" auf. Zunächst war er strategischer Berater von Regierungschef Peter Medgyessy , dann Jugend- und Sportminister. Nachdem Medgyessy 2004 wegen anhaltender Erfolglosigkeit sein Amt aufgab, wählte Ungarn den charistatischen Selfmade-Mann zum neuen Premierminister. Er versprach ein umfangreiches Reformpaket.

2006 gab Ferenc Gyurcsány zu, gelogen zu haben. "Wir haben morgens gelogen, wir haben abends gelogen", sagte er während einer Ansprache vor Parteikollegen. Am 14. April 2009 trat er vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. 2011 wurde gegen ihn wegen ermittelt. Gyurcsány wurde in der sogenannten Sukoró-Affäre vorgeworfen, einer ausländischen Investorengruppe Top-Immobilien zu Spottpreisen uugeschanzt zu haben.