Ungläubige müssen draußen bleiben

Der polnische Jungunternehmer Andrzej Sobczyk baut nahe Krakau eine Wohnsiedlung für besonders gläubige Katholiken. Sein Vorhaben klingt göttlich, doch manche vermuten dahinter schlicht ein cleveres Marketing-Konzept.

Webseite eines polnischen Wohnsiedlungsprojektes
Diese Haustypen sind in der Wohnsiedlung "Fatima" geplant. Bildrechte: osiedlefatimskie.pl/MDR

Um zu verstehen, was Andrzej Sobczyk im Leben erreichen möchte, genügt ein Blick auf seine Homepage. "Wovon ich träume? Vom Himmel, keine Frage. Ich möchte ewig leben an der Seite des Königs der Könige. Zusammen mit allen mir nahestehenden Personen. Wir fahren als Gruppe in den Himmel. So Gott will." Diese Gruppe sucht sich Sobczyk nun schon einmal auf Erden zusammen und baut eine Wohnsiedlung nur für Katholiken. 

Mit seinem Vorhaben von der "Siedlung Fatima", benannt nach einem Wallfahrtsort in Portugal,  beherrscht Sobczyk seit Wochen die Medien. Dabei handelt es sich eigentlich um ein schlichtes Wohnprojekt, wie es sie zu hunderten in Polen gibt. 33 Häuser sollen rund elf Kilometer südlich von Krakau im Dorf Krzywaczka entstehen. 33 - die Zahl ist nicht zufällig gewählt, schließlich wurde Jesus in diesem Jahr gekreuzigt.

Webseite eines polnischen Wohnsiedlungsprojektes
Webseite des Unternehmers Andrzej Sobczyk Bildrechte: andrzejsobczyk.pl/MDR

Die Häuser stehen so nah beieinander, dass man sich von Fenster zu Fenster die Hand reichen kann. Um die Siedlung will Sobczyk eine Mauer bauen, mit einem Tor, das nur Bewohner passieren dürfen. Auch das nicht ungewöhnlich in einem Land, das den Europarekord in Sachen Einzäunung hält. Allein in Warschau gibt es mehr als 400 so genannte "gated communities", Wohnkomplexe mit Mauern, Kamera und Wachmann. 

Bekannte Vorbilder weltweit

Doch die "Siedlung Fatima" soll eine ganz besondere werden. "Ich habe gefühlt, dass es schön wäre, neben Menschen zu wohnen, die alle eines verbindet. Die sich gegenseitig unterstützen und dann in die Welt hinausgehen und sie verändern", sagte Sobczyk etwa der "Gazeta Wyborcza". Für ein Interview mit dem MDR stand der 27-Jährige nicht zur Verfügung. Sobczyk dachte dabei an Siedlungen wie etwa orthodoxe Juden in Israel sie bauen oder die Stadt "Ave Maria" in Florida. Die katholische Vorzeigeunistadt ist im Jahr 2005 auf Initiative des Millionärs Tom Monaghan entstanden. 

In Polen sind viele verwundert über das Vorhaben. Schließlich bekennen sich über 90 Prozent der Polen zum katholischen Glauben, die Kirche ist so einflussreich wie in kaum einem anderen europäischen Land. Und so regt sich auch in Krzywaczka Unmut über die zukünftigen Nachbarn. Alteingesessene fühlen sich angegriffen, wenn sie den Werbeslogan hören: "Eine Siedlung mit Werten."

Webseite eines polnischen Wohnsiedlungsprojektes
Webseite des polnischen Wohnsiedlungsprojektes "Fatima" Bildrechte: osiedlefatimskie.pl/MDR

"Das hat doch nichts mit Glauben zu tun. Das ist reine Werbung. Wieviel hätten sie denn sonst dafür ausgeben müssen? Einen Haufen Geld. Aber so nennt man die Siedlung einfach 'Fatima', sagt, man baut sie nur für Gläubige und das ganze Land redet darüber", schimpft ein Alteingesessener gegenüber einem polnischen Reporter. Viele fragen sich, wie der Glaube der Bewohner geprüft werden soll. Getauft ist in Polen schließlich fast jeder.  

Jungunternehmer mit ungewöhnlichen Ideen

Öffentlich hat Sobczyk sich dazu noch nicht geäußert, aber er wird wohl eine Idee haben, denn daran mangelt es ihm generell nicht. Vor acht Jahren gründete er die Internetbuchhandlung "Gloria24", heute die größte Buchhandlung, die sich ausschließlich mit religiösen Themen beschäftigt, auf dem polnischen Markt. Zudem verschickt er im Monat 180.000 Mails an Menschen weltweit, in denen er sie auffordert, Gutes zu tun. Auf diese Weise hat er nach eigenen Angaben mehr als 2.5 Millionen Zloty (rund 580.000 Euro) gesammelt und in wohltätige Projekte investiert.  Er ist überzeugt, dass auch von seiner neusten Idee, der "Siedlung Fatima", viel Gutes für die Welt ausgehen wird. 

Doch bevor die Bewohner damit loslegen können, müssen sie sich erst einmal mit ganz alltäglichen Problemen auseinandersetzen. Während eines virtuellen Treffens zwischen Sobczyk und potentiellen Interessen stellen diese Fragen wie "Sind die Häuser unterkellert?", "Welche Heizung wird  eingebaut?" oder "Wieviel kostet die Unterhaltung eines Hauses in der göttlichen Siedlung?" Ganz weltliche Fragen also, die wohl jeden Häuslebauer in Polen beschäftigen. 

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im TV: 09.07.2015 | 17:45 Uhr