Wird Prag der UNESCO-Welterbetitel aberkannt?

Ein Wolkenkratzer könnte Prag den UNESCO-Welterbetitel kosten. So wie im Jahr 2009 Dresden. Die Stadt hatte am Bau der umstrittenen Waldschlößchenbrücke festgehalten und deshalb den Welterbe-Status verloren.

Luxuriös über den Dächern von Prag wohnen - das ist beim V-Tower die Devise. Das Hochhaus im Prager Stadtteil Pankrac soll nach dem Willen des Bauherrn alles in den Schatten stellen, was die tschechische Metropole in Sachen Wohnkultur bislang kannte. Von der Dachterrasse, die höher liegt als die Spitze des Wenzeldoms, soll sich den Bewohnern ein einzigartiges Panorama mit den 100 Kilometer weit entfernten Gipfeln des Erz- und des Riesengebirges bieten.

Luxus auf 30 Etagen

Wer das nötige Kleingeld hat, um eine der 130 Wohnungen zu kaufen, dem steht u.a. eine exklusive SPA-Etage mit einem Fitnessstudio, einem Schwimmbecken und einer Sauna zur Verfügung. Eine Dienstleistungsabteilung sorgt dafür, dass kein Wunsch unerfüllt bleibt. Dazu gehören eine Wäscherei, Putzservice, Catering, Friseur, Massage. Sogar ein Hundebabysitter und ein privater Kinosaal für elf Personen werden vorhanden sein. Das luxuriöseste Penthouse in der obersten, der 30. Etage soll angeblich 100 Millionen Kronen kosten (umgerechnet rund 3,8 Millionen Euro).

Doch das ambitionierte Projekt ruft das Welterbekomitee auf den Plan. Der 104 Meter hohe Wolkenkratzer steht nämlich nur fünf Kilometer von der Prager Burg entfernt und beeinträchtigt nach Ansicht der Denkmalschützer das historische Panorama der Stadt, das Teil des UNESCO-Welterbes ist. Das Welterbekomitee hat sich deshalb Ende Mai 2017 an das tschechische Kulturministerium gewandt und um Erklärungen gebeten. Die Denkmalschützer der UNESCO sind nicht nur von dem V-Tower alarmiert, sondern auch von weiteren Hochhäusern, die in dieser Gegend geplant sind.

Streit um zulässige Gebäudehöhe

Einen ersten Streit um Prager Hochhäuser gab es mit der UNESCO bereits im Jahr 2008. Damals hatte die Organisation gedroht, der tschechischen Hauptstadt den Welterbetitel, den sie seit 1992 innehat, abzuerkennen. Für Hochhäuser in Prag wurde damals die Obergrenze von 70 Metern Höhe vereinbart, die im offiziellen Bebauungsplan der Stadt Prag festgehalten werden sollte. Doch der steht bis heute noch nicht und wird frühestens 2022 verabschiedet. So konnte der Investor des V-Towers in die Höhe bauen.

Ob der tschechischen Hauptstadt der Welterbe-Status aberkannt wird, steht bisher nicht fest. Möglicherweise will das Welterbekomitee nur den Bau weiterer Hochhäuser verhindern und hat der Stadtverwaltung Auflagen erteilt. Dabei geht es um Bebauungspläne, Nutzungskonzepte und Denkmalschutzgesetze.

Der Prager Stadtteil Pankrac, in dem der V-Tower steht und in dem weitere Bauten entstehen sollen, gilt als das Prager Manhattan. Die ersten Hochhäuser wurden hier noch in den 1980er-Jahren errichtet.

Braucht Prag den UNESCO-Titel?

In Prag wird bereis seit Jahren diskutiert, ob die Stadt Wolkenkratzer braucht oder nicht. Befürworter sagen, die Stadt sei kein Freilichtmuseum für Touristen und müsse sich entwickeln. Dabei solle man ruhig auch den Verlust des UNESCO-Titels in Kauf nehmen. Dies würde der Stadt keinen großen Schaden zufügen. Dabei wird auch das Dresdner Elbtal als Beispiel angeführt, wo sich die Titelaberkennung nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums "weder wirtschaftlich noch touristisch bemerkbar gemacht" hat.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 22.05.2017 | 17:30 Uhr