Sa 03.11. 2018 01:55Uhr 28:22 min

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Ihre Wohnung verlässt sie nicht mehr. Bildrechte: MDR/Erik Lemke
MDR FERNSEHEN Sa, 03.11.2018 01:55 02:23

Dok-Woche im MDR Mich vermisst keiner!

Mich vermisst keiner!

Kurz-Dokumentarfilm 2016

  • Stereo
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1990 hat die DDR aufgehört zu existieren, doch nicht alle schafften es, im neuen System Fuß zu fassen, wie meine Tante Evelin. Bildrechte: MDR/Erik Lemke
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1990 hat die DDR aufgehört zu existieren, doch nicht alle schafften es, im neuen System Fuß zu fassen, wie meine Tante Evelin. Bildrechte: MDR/Erik Lemke
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Seit Evelin die Beime amputiert wurden, ließen sich ihre Freunde nicht mehr blicken. Ihr Leben findet in ihrer Wohnung statt, zwischen Küche, Computer, Fernseher und Bett. Bildrechte: MDR/Erik Lemke
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"In Rhetorik war ich früher immer gut", sagt sie. Und das ist sie auch heute noch. Im Alltag unscheinbar, entfaltet sie auf der Leinwand eine erstaunliche Wirkung. Bildrechte: MDR/Erik Lemke
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Seit Evelin die Beine amputiert wurden, lassen sich ihre Freunde nicht mehr blicken. Jahrelang sitzt sie nun schon in ihrer Wohnung fest und bewegt sich nur noch zwischen Küche, Computer, Fernseher und Bett. Alte Videoaufnahmen zeigen ihr Leben als Mann vor 25 Jahren: die DDR hat aufgehört zu existieren, doch nicht alle schaffen es, Fuß zu fassen im neuen System.

Ohne den konkreten Plan, einen Porträtfilm über meine Großtante zu machen, lief die Kamera während unserer Treffen einfach mit. Viel zu spät durfte ich Evi kennenlernen. Ich hatte das Gefühl, viel nachholen zu müssen. Es gibt Menschen, die im Alltag eher unscheinbar daherkommen, auf der Leinwand aber eine erstaunliche Wirkung entfalten. Evi gehört dazu. "In Rhetorik war ich früher immer gut", sagt sie im Film. Sie ist es auch heute noch! Wer sich von den von Evi angesprochenen Themen Einsamkeit, körperliche Behinderung, Suchtproblematik und leidvoll erlebte Geschlechtsinkongruenz nicht überwältigen lässt, wird sie als humorvollen, abgeklärten Menschen erleben. Trotzdem jedes dieser Themen den Schwerpunkt von "Mich vermisst keiner!" bilden könnte, war der Schlüsselmoment, in dem ich begriff, welcher Film gerade entsteht, für mich ein anderer: Vor laufender Kamera outet sich Evi ebenfalls als Chronistin des eigenen Lebens und zaubert eine 25 Jahre alte VHS-Kassette hervor!

Während andere Amateurfilmer nach der Öffnung der Mauer London, Rom oder Disneyland filmten, dokumentierte Evi ihre letzte Arbeitsstelle im sich auflösenden Robotron-Betrieb und die feucht-fröhlichen Nachmittage im Hinterhof mit den Nachbarn. Weder meine Aufnahmen von Evi heute, noch ihre Aufnahmen von damals, wären für sich genommen gesellschaftlich relevant. Zusammen ergeben sie aber eine aufschlussreiche Langzeitbeobachtung mit Evi als Vertreterin eines Teils der Bevölkerung, der den Systemwechsel nach dem Ende der DDR als harten Bruch erleben musste. "Jeder kocht sein eigenes Süppchen", so bringt Evi die von ihr wahrgenommene Abkehr des Individuums von der Gemeinschaft im Kapitalismus auf den Punkt. "Die Entwicklung vom kollektiven Teilhaben am Leben der Freunde und Kollegen untereinander hin zur Abkapselung von allem vollzieht sich schmerzhaft über die Auflösung bestehender sozialer Strukturen bis hin zur schrittweisen Amputation ganzer Gliedmaßen und findet seinen Abschluss in einem Lebensgefühl, welches – von Evi wiederum in wenigen Worten zusammengefasst – schließlich titelgebend für den Film wurde.“ (Erik Lemke)

"Mich vermisst keiner!" gewann beim "Filmfest Dresden" 2017 den Publikumspreis der Mitteldeutschen Filmnacht und beim Kurzfilmfestival "Kurzsuechtig" 2018 in Leipzig den Publikumspreis in der Kategorie Dokumentation.

Hinweis

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Der Kurzfilm ist aus rechtlichen Gründen nicht in der MDR Mediathek abrufbar.

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