Pflegerin kämmt bettlägrigen Senior.
Bildrechte: IMAGO

exakt | 14.03.2018 Dringend benötigte Pflegekräfte sollen abgeschoben werden

Pflegerin kämmt bettlägrigen Senior.
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Dass unsere Gesellschaft älter und der Pflegebedarf immer größer wird, ist eine Binse. Nach einer Prognose, des Landesamtes für Statistik aus dem Jahr 2015, steigt der Bedarf an Pflegekräften in Sachsen bis 2020 um 25 Prozent, bis 2030 gar um 35 Prozent. Das bedeutet, bis zum Jahr 2030 braucht der Freistaat 16.000 neue Pfleger. Dabei ist die Lage auf dem Pflegemarkt schon jetzt mehr als angespannt. Die neue Bundesregierung plant zwar 8.000 neue Stellen zu schaffen, doch schon heute geht die Bundesagentur für Arbeit von 24.000 unbesetzten Stellen in dem Bereich aus.

Die Albanerin Silvana Bulla arbeitet seit eineinhalb Jahren in einem Leipziger Altenpflegeheim. Im September 2016 absolvierte sie ein sechswöchiges Praktikum, danach stellte das Heim sie sofort als Pflegehilfskraft ein. Die 37-Jährige hat sich in ihr Team problemlos eingefügt und sich den Respekt und die Sympathie ihrer Kolleginnen erarbeitet.

Die Heimleitung will Silvana Bulla zur Pflegekraft ausbilden lassen. Im September könnte die Ausbildung beginnen, wenn nicht der Freistaat Sachsen dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung macht. Denn Silvana Bulla soll abgeschoben werden.

Ich habe sehr viel geweint, sehr viel gebetet: Bitte, bitte, ich kann nicht nach Albanien zurückgehen.

Sylvana Bulla

Gutes Personal ist Mangelware

Für ihre Kolleginnen und die Heimleitung war es ein Schock, als Anfang Februar zwei Polizisten 22:00 Uhr klingelten und Silvana Bulla nach ihrer Spätschicht abholen und in die Abschiebehaft bringen wollten. Nur ein Nervenzusammenbruch und ein damit verbundener Krankenhausaufenthalt bewahrte sie vorerst vor der Abschiebung. Heimleitern Susi Hartmann fiel aus allen Wolken, als sie erfuhr, dass die Polizei abends im Haus stand.

In dem Leipziger Heim werden 159 Menschen betreut. Unter den Pflegern sind auch Syrer, Marokkaner und Pakistaner. Denn der Bedarf an Pflegekräften ist groß und gutes Personal rar. Sollte Silvana Bulla abgeschoben werden, wäre das für die Chefin Susi Hartmann ein harter Schlag, denn es fällt schwer neue Mitarbeiter oder Auszubildende für den Pflegeberuf zu finden.

Bewährten Pflegekräften droht Abschiebung

Auch in einer Bitterfelder Senioreneinrichtung fehlen Arbeitskräfte. In der Flüchtlingswelle hatte Heimleiterin Cornelia Heidrich deswegen große Hoffnungen gesetzt. Sie hat positive Erfahrungen mit Samuel, einem Flüchtling aus Burkina Faso gemacht. Doch leider konnte Samuel nicht bleiben, ihm fehlte die Aufenthaltsgenehmigung. Jetzt versucht die Einrichtung ihren Personalmangel mit Indonesiern zu lösen, die über einen Vermittler nach Deutschland geholt werden. Pflegeeinrichtungen werben Pflegekräfte aus dem Ausland an, während gleichzeitig bereits angelerntes und erprobtes Personal abgeschoben wird. - Ein schwer nachvollziehbares Vorgehen.

Härtefallkommission könnte Abschiebung verhindern

Silvana Bulla aus Leipzig wird mittlerweile vom sächsischen Flüchtlingsrat unterstützt. Mark Gärtner und seine Kollegen kennen solche Fälle zur Genüge. Immer wieder werden abgelehnte Asylbewerber abgeschoben, die in Berufen arbeiten, für die es in Deutschland kaum Personal gibt. Es sei durchaus so, dass Leute abgeschoben werden, die qualifiziert sind bzw. hier gute Chancen haben auch eine berufliche Qualifikation zu erwerben und das sei keine Seltenheit, so Mark Gärtner. Letztendlich komme aber für Silvana Bulla nur noch die Hilfe der Härtefallkommission als Schutz vor einer Abschiebung in Frage, sagt Gärtner.

Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Petra Zais wirft der sächsischen Landesregierung vor, bundesweit die härteste Abschiebepraxis zu verfolgen. Einer der Gründe sei die Angst vor der AfD – deshalb würde auch gegen die Interessen der sächsischen Wirtschaft gehandelt.

Dahinter steckt wenn man die politischen Motive untersucht tatsächlich nach meiner Auffassung ein Kotau vor den Rechtspopulisten die ja um jeden Preis eine weitere Zuwanderung und eine weitere Aufnahme von geflüchteten Menschen über das Asylrecht über die Genfer Flüchtlingskonvention verhindern wollen.

Petra Zais, MdB, B90/Die Grünen

Sollte die Härtefallregelung bei Silvana Bulla nicht greifen, droht die sofortige Abschiebung. Ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft könnte sie dann nicht antreten. Mit der Abschiebung verbunden ist ein Einreiseverbot nach Deutschland von 30 Monaten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 14. März 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2018, 14:58 Uhr

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10 Kommentare

15.03.2018 13:55 Na so was 10

Kleiner Nachtrag: Gerade im MDR-Videotext gelesen: In Deutschland fehlen 17 000 Pflegekräfte, jetzt sind es schon 17 001.

15.03.2018 13:50 Na so was 9

14. / 15. 03. 2018 : In einem Dresdner Pflegeheim ersticht ein 59 -jähriger Pfleger eine 37-jährige Frau, die dort jemanden besuchen war, mit einem Messer. Die Frau stirbt im Krankenhaus. Der Pfleger stürtzt sich aus dem Fenster, und verletzt sich dabei tödlich. Vielleicht auch besser für ihn. Nützt aber weder der nun toten Frau noch ihren Angehörigen etwas. Ein ganz fader Beigeschmack bleibt: war der Pfleger staatenlos ? oder war ein Deutscher ? oder war ein Asylbewerber ? Warum läßt man Raum für die übelsten Gerüchte ? Wie sagte doch der sächs. Ministerpräsident, Herr Kretschmer (CDU), vor kurzen, wir müssen lernen, wieder miteinander zu reden. Na dann, fangen wir jetzt mal an. Bitte die Wahrheit auf den Tisch.

14.03.2018 22:42 Norbert Franke 8

Die Albanerin ist nach Deutschland gekommenen um Asyl zu beantragen.Der Asylgrund ist nicht vorhanden und der Antrag wurde abgelehnt und sie zur Ausreise aufgefordert.
Ob und wie sie in Deutschland gearbeitet hat ist in diesem Fall nicht relevant denn es handelt sich um2 verschiedene Sachverhalte.
Die Frau hatte einen Plan welcher Flucht vor der Armut lautete.Ein Asylgrund gab es nie und er wurde vorgeschoben.
Eine Ausweisung ist zwingend notwendig,ansonsten bräuchte es kein Genfer Abkommen !
Sie hat sich diese Situation selbst eingebrockt und muss nun die Konsequenzen tragen !

14.03.2018 22:10 mattotaupa 7

@#4: "Fördert man nicht dadurch weiterhin die " schlechte " Bezahlung." ist nicht nur die bezahlung. hinzu kommmen noch schwere körperliche und seelische arbeit und berufsbedingte schlechte arbeitszeiten ohne feierabend um 1700 oder 1800 und geregelte freie wochenenden. setzt entsprechende bereitschaft voraus und vor allem menschlichen umgang, welcher in deutschland aber gerade weggepöbelt wird. achja, mehr bezahlen für pflegekräfte ist ne nette idee aber wer soll es machen? wer kann sich heute einen pflegeplatz von der eigenen rente ohne zuschüsse leisten? für mehr menschlichkeit und mehr gesellschaftliche solidarität (sprich akzeptanz erhöhter staatlicher beteiligung), sind aber gerade die falschen im politischen aufwind.

14.03.2018 22:05 wange 6

es ist ganz einfach die Merkel und das ganze Gehotsch muß weg,aber es haben ja alle Angst mal auf die Straße zu gehen,die armen Rentner.

14.03.2018 21:06 Sascha 5

Hallo exakt - team,
ich musste in ihrem Beitrag, wie so oft, feststellen, wie sturr, bürokratisch und dumm Deutschland doch ist.
Da möchte eine private Pflegeeinrichtung, eine Mitarbeiterin aus dem Ausland weiterbeschäftigen und ihr eine Aubildung ermöglichen - in einer Branche, die sowieso händeringend Personal sucht wg. schlechter Bezahlung und körperlicher und seelischer Überlastung der heimischen Arbeitskräfte - und darf es nicht, weil irgend ein idiotisches Gesetz dem entgegen steht.
Und wir jammer über Pflegenotstand. Warum muss man immer nach Gesetzteslage entscheiden, obwohl der Fall so grotesk ist und mit Dummhait nicht mehr zu überbieten ist. Vor der Wahl gab es auch zu dieser Thematik Fragen und Antworten, aber nicht hat sich geändert. Warum lernt man nicht daraus. Ich dachte, wir werden von schlauenb Leuten regiert, aber die Einhaltung von Gesetzten ist NATÜRLICH wichtiger als alles andere, auch wenn es SCHWACHSINN und total UNLOGISCH ist.

Sascha Richter

14.03.2018 20:33 Klaus 4

Pflegekräfte sind wichtig, aber wie ist der Verdienst.
Fördert man nicht dadurch weiterhin die " schlechte " Bezahlung. Darüber wurde schon mal berichtet. Sollen jetzt Ausländer die schlechte Bezahlung übernehmen ? nur weil man eigentlich davon nicht leben kann ?

14.03.2018 19:26 S 3

Sollen mal lieber die kriminellen Ausländer abschieben, statt solche integrierten Menschen! Schlimm....

14.03.2018 17:57 Roberto Santana Perez 2

Wir sollten dankbar sein, wenn die junge Frau unseren älteren Mitbürgerinnen zur Seite steht. Wir schaffen es als Bürger, Regierung, Gesellschaft ja offenbar nicht.
Vielen Dank für eine erfolgreiche Integration, Ihre Hilfe Steuern Sozialversicherung und Bereicherung unseres Lebens und schade, dass überhaupt jemand über eine Beendigung dieses Zuatandes nachdenkt.

14.03.2018 16:10 Reiner Scheidt 1

Es ist schon komisch. In vielen Fällen werden Auszubildende oder wie im aktuellen Fall gut in den Arbeitsmarkt integrierte zu potentiellen Abschiebekandidaten. Zufall? Nein, es ist offensichtlich Absicht, um von den tatsächlich nicht Hierseinsberechtigten, wie Kriminellen etc. abzulenken. Droht diesen Leuten die Abschiebung dann verschwinden viele von den Abschiebekandidaten oder werden plötzlich so krank, dass von der Abschiebung vorerst abgesehen wird. Die Herrschaften, die die Abschiebungen bearbeiten, sollten die Kostgänger der Gesllschaft zuerst abschieben und nicht diejenigen die durch Arbeit, ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten wollen, ohne Drogendealen und Leute beklauen.