exakt | 24.01.2018 Die AfD auf der "Meile der Demokratie"

Die AfD mit einem Zelt auf der Meile der Demokratie in Magdeburg.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei der "Meile der Demokratie" in Magdeburg demonstrieren jedes Jahr Tausende für eine tolerante, weltoffene Stadt. Vor zehn Jahren fand die Veranstaltung das erste Mal statt, aus Protest gegen die alljährlichen Aufmärsche von Neonazis, die mit sogenannten Trauermärschen die Bombardierung Magdeburgs am 16. Januar 1945 für ihre Zwecke vereinnahmen wollten. Die Meile steht für Erinnerungskultur und gegen Extremismus. In diesem Jahr gibt es ein Novum, erstmals ist die AfD auf der Meile vertreten. Bei vielen Vereinen und Gruppen, die sich vor allem gegen Rechtsextremisten engagieren, stößt das auf Widerstand.

Pascal Begrich ist Geschäftsführer des Vereins Miteinander e.V., der Opfer von rechtsextremer Gewalt betreut. In diesem Jahr nimmt der Verein nicht an der Meile teil. Stattdessen protestieren Miteinander e.V. und andere auf einer eigenen Kundgebung auf dem Domplatz gegen die AfD. Für ihn als "Mitbegründer und Initiator der Meile der Demokratie ist die Meile nicht ohne die 20-jährige Geschichte der Proteste gegen den Naziaufmarsch in Magdeburg zu denken. Mit der AfD stehen die Erben dieses Naziaufmarsches auf der Meile, die in vielen Teilen ganz ähnliche Positionen vertreten", so Pascal Begrich.

"exakt" liegen Fotos vor, die belegen, dass heutige AfD-Mitglieder und Mitarbeiter der Partei bis vor wenigen Jahren in rechtsextremen Kreisen aktiv waren. So lief Steven H. 2014 als Transparentträger bei ebenjenem Neonazi-Aufmarsch in Magdeburg mit, gegen den sich die Meile der Demokratie richtet. Auch Sebastian K., ein Kreisvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, zeigte sich noch im Jahr 2016 auf einer Veranstaltung der rechtsextremen Partei "Die Rechte". Der persönliche Referent des Fraktionsvorsitzenden André Poggenburg war Funktionär bei der mittlerweile verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ).

Demonstranten tragen Transparant mit Aufschrift "Ehrenhaftes Gedenken"
Ehemalige Rechtsradikale sind jetzt Mitglied in der AfD. Bildrechte: monitorex/MDR

Vier Vereine haben wegen der Präsenz der AfD ihre Teilnahme an der Meile der Demokratie abgesagt. Begründung: Die AfD sei homophob und rassistisch. André Poggenburg, der AfD-Landesvorsitzende Sachsen-Anhalts, versteht hingegen nicht, wieso der Auftritt seiner Partei ein Problem darstellen soll. Für ihn stehen alle Teilnehmer "gegen Extremismus, rechts, links, religiös. Und alle sollten ganz klar für Demokratie stehen. Wenn man sich an diesen zwei Punkten orientiert, kann man auch gemeinsam an dieser Meile teilnehmen", so Poggenburg.

Nicht nur auf der Meile der Demokratie zeigt die AfD jetzt Präsenz. Sie drängt auch in Bereiche, in denen man die Rechtspopulisten nicht vermuten würde. Beispielsweise beim Holocaust-Mahnmal in Berlin. Die Partei möchte jetzt einen Vertreter in das Kuratorium der Stiftung entsenden, obwohl Thüringens AfD-Chef Björn Höcke sich im letzten Jahr herabsetzend über das Mahnmal geäußert hat. Als "Denkmal der Schande" hatte er es bezeichnet.

Lea Rosh, eine der Initiatorinnen des Holocaust-Mahnmal, empfindet das Bestreben der AfD als "unverfroren". Für sie ist es ein Skandal, dass ausgerechnet eine Partei jemanden ins Kuratorium entsenden will, deren Vorsitzender Alexander Gauland in ihren Augen die Kriegsvergangenheit relativiert, mit seiner Aussage, man solle wieder stolz sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.

Viele auf der Meile in Magdeburg nehmen auch deshalb der AfD nicht ab, dass es die Partei ernst meint mit dem Bekenntnis zu Demokratie und Erinnerungskultur. Vor Ort kommt es zu Rangeleien. Am Ende drängt die Polizei die Gegendemonstranten vor dem AfD-Stand ab. Die Rechtspopulisten haben eins erreicht: Provokation und Aufmerksamkeit. Im nächsten Jahr wollen sie wiederkommen.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 24.01.2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2018, 18:49 Uhr

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2 Kommentare

25.01.2018 16:19 ralf meier 2

Video Teil 1: Ich empfehle jedem Foristen zur alternativen Meinungsbildung das InvestigativVideo 'Schwieriger Umgang mit der AFD'. Dort meint ein Kommentator einleitend zum Auftritt der AFD: "Die Rechtspopulisten fühlen sich gebauchpinselt". Er meint auch, die AFD Vertreter seien scheinbar nicht darüber betrübt, daß man sie ausgrenze ... damit könnten sie leben, denn das bediene ein Clichee. Diese Meinung läßt sich der Autor sicherheitshalber von einer Expertin bestätigen. Die Professorin für Sozialpsychologie Beate Köpper meint: "die Erzählung vom 'Opfer sein' ist ein Kernelement des Rechtspopulismus". Letzteres irritiert mich. Zeigt doch das Video abseits aller Meinungsbildung, daß diese Ausgrenzung kein klichee sondern Realität ist.

25.01.2018 16:17 ralf meier 1

Video Teil 2: Es folgt ein kurzer Exkurs zum Thema Holocaust Denkmal. Frau Lea Rosh empfindet die Anmerkungen des Herrn Höcke dazu unverfroren. Ich empfinde es als unverfroren, dass sie eine schon oft widerlegte FakeNews verbreitet. Herr Höcke nannte das Holocaustdenkmal NICHT ein Schandmal. Wie im Video dankenswerterweise unmittelbar vorher gezeigt wird , sprach Herr Höcke von einem Denkmal der Schande.
Abschließend wird noch das Ausmaß der Aggression einiger 'Gegendemonstranten' dokumentiert. Sie stören mit lauten Parolen und laden vor dem AFD Stand Fäkalien ab. Ein Demonstrant der gerade einen Fäkalienhaufen direkt vor die Füße des Herrn Poggenburg abgelegt hat, erklärt diesem noch vor laufender Kamera, er wünsche ihm ein schlechtes Leben. Der Kommentator meint danach für mich etwas überraschend: Die Rechtspopulisten haben ihr Ziel erreicht: Provokation und Aufmerksamkeit. Ich meine: Nicht die AFD, der Kommentator hat dieses Ziel erreicht.