exakt | 17.10.2018 Angst vor dem Wolf

Seit etwa zehn Jahren leben wieder Wölfe in Sachsen-Anhalt, mittlerweile etwa 70 Tiere. Die wachsenden Rudel lösen auch hier heftige Diskussionen aus. Naturschützer freut es, dass die einst ausgerottete Art zurück ist. Andere haben Angst vor dem Raubtier, so auch in Krina in der Dübener Heide.

Etwa 700 Menschen leben hier. Direkt am Waldrand wohnt Familie Sedlmayer. Anja Sedlmayer ist dem Wolf gegenüber sehr skeptisch.

Das Gefühl, dass wir vergessen werden. Vergessen werden, weil wir wahrscheinlich die Minderheit sind. Wenn man dann liest und hört in Zeitungen oder Nachrichten „Es ist schön, dass der Wolf zurück ist“… Das ist mit Sicherheit schön, hier wieder so ein Wildtier zu haben. Wenn der Wolf auch wüsste, dass er wild ist. Wenn er im Wald bleibt, ist das gar kein Problem.

Anja Sedlmayer

Zur Angst kommt der wirtschaftliche Schaden. Die Familie hat einen Forstbetrieb. Seitdem die Wölfe in der Region leben, gibt es regelmäßig Probleme, sagt Sedlmayer.

Anscheinend ist hier ein Rudel Rotwild reingerumpelt, vielleicht sind die sogar noch drin. […] Wir hatten das früher nicht. Da konnte schön außen rum gegangen werden. Das Problem ist eben jetzt, dass die durch die Wölfe so häufig in Panik versetzt werden.

Benedikt Sedlmayer, Forstwirt

Kaputte Zäune und angefressene Bäume. Sedlmayer sagt: Im Jahr hat er so 30.000 bis 40.000 Euro Mehrkosten. Noch schlimmer: Er hat das Gefühl, die Verantwortlichen stellen die Menschen vom Dorf als dumm dar, wenn die ihre Angst äußern.

Das Wolfskompetenzzentrum Iden beobachtet die Wiederansiedlung des Wolfes in Sachsen-Anhalt und betreibt Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Wolf. Es geht um Aufklärung.

Meistens ist es ja so, dass die Leute sagen entweder Wolf ja oder Wolf nein. Es gibt aber auch ganz viel dazwischen, es gibt auch ganz viel: "Wolf - Ja, aber…" oder auch "Wolf eher nein, aber …" und das möchten wir einfach zeigen und vermitteln, weil Extreme sind nie gut.

Julia Kamp, Wolfskompetenzzentrum Iden

Wissen über den Wolf wird bereits an Schüler vermittelt. Sie lernen beispielsweise, wie man Herden vor dem Wolf schützen kann und wie man sich verhält, wenn man einem Wolf begegnet. Für Julia Kamp vom Wolfskompetenzzentrum ist das Wissen über den Wolf entscheidend. Sie sagt: "… man muss nicht die Tiere managen, sondern man muss mit den Menschen reden. Weil nichts ist schlimmer als die Unwissenheit, weil daraus entsteht Angst."

Forstwirt Benedikt Sedlmayer hält dagegen: "Wir sind ja nicht ungelernt. Also wir sind ja eigentlich im Vergleich zu den meisten Naturschützern, sag ich mal, die haben irgendwas anderes gelernt, aber die haben nichts mit der Natur gelernt. Wir sind ausgebildete Förster."

Fakt ist: Ausgebildet in Sachen Natur sind in diesem Beitrag beide Seiten. Doch es sieht so aus, als ob die Diskussion noch eine Weile bei den Extrempositionen bleibt: "Wolf ja" oder "Wolf nein".

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 17. Oktober 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2018, 21:49 Uhr

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