exakt | 05.12.2018 Wie weiter nach dem Brand?

Es waren dramatische Szenen, die sich Ende November nachts in einem Leipziger Mehrfamilienhaus abspielten. Das Treppenhaus stand in Flammen, einige der Bewohner  konnten sich nur durch einen Sprung aus dem Fenster retten. Manche kamen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Zu den Brandopfern gehören das Ehepaar Seifert, Heike Wesnigk und Raschid aus Syrien. Drei Tage nach dem Brand gehen Heike Wesnigk und Claudia Seifert zur Tafel um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Im Moment haben sie nicht einmal Geld für die Straßenbahn. Viele Dinge der Wohnungseinrichtung sind unbrauchbar, die Versicherungen haben noch nicht gezahlt.

Wohnen in der Notunterkunft

Raschid wohnt jetzt bei einem Freund. Heike Wesnigk und Claudia Seifert sind vorerst in einem Flüchtlingsheim untergekommen. Hier hält die Stadt Leipzig Familienzimmer für Notfälle vor. Aber die Hilfe in der Not lässt sich die Stadt bezahlen, zu einem Preis, der deutlich höher ist als die bisherige Miete der Seiferts: Knapp 15 Euro pro Person und Tag kostet die Notunterkunft. Das sind für die Seiferts knapp 900 Euro im Monat. Die Seiferts mussten sich erst einmal Urlaub nehmen um ihren Alltag neu zu organisieren. Sie verbrachten einen ganzen Tag auf Ämtern. Geld von Versicherungen haben sie noch immer nicht.

In Leipzig ist Tom Hübner vom Sozialamt für Brandopfer zuständig. Er versichert, bei Bedarf werde schnell geholfen - auch wenn es nicht ohne Bürokratie geht.

Alle Personen, die mittellos sind, wenn sie abgebrannt sind, oder das Geld, das auf dem Konto ist, ist nicht verfügbar, können beim Jobcenter vorsprechen, wenn sie erwerbstätig sind bzw. erwerbsfähig sind. Menschen die nicht mehr erwerbsfähig sind, also weil sie zum Beispiel im Rentenalter sind, sprechen bei uns im Sozialamt vor, können Leistungen beantragen und kriegen dann im Rahmen der Nothilfe einen kleinen Vorschuss.

Tom Hübner, Sozialamt Leipzig

Inzwischen steht fest, dass es Brandstiftung war. Täter unbekannt. Vor einem Jahr wurde im Haus schon einmal Feuer gelegt, der Fall ist noch nicht aufgeklärt.

Retten was noch zu retten ist

Inzwischen hat der Eigentümer des Hauses ein Notgerüst aufstellen lassen, damit die Mieter Sachen aus ihren Wohnungen holen können. Wichtige Gegenstände und die überlebenden Haustiere werden aus dem Haus gebracht. Raschid sucht unter all dem Ruß, was noch brauchbar ist. Er hofft, dass nichts geklaut wird.

Tatsächlich ist am Wochenende in das Haus eingebrochen worden. Raschid bringt seinen Koffer zu einem Freund - für die Seiferts geht's wieder ins Asylbewerberheim. Immerhin haben sie schon einen Wohnungsbesichtigungstermin.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 05. Dezember 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 21:37 Uhr

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