Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess Beate Zschäpe neben ihrem Anwalt Mathias Grasel
Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, sitzt an einem Prozesstag neben ihrem Anwalt Mathias Grasel. Bildrechte: imago/Sebastian Widmann

Doku | Das Erste | 10.07.2018 Das Terrornetz: Zschäpes Helfer vor Gericht

Nach mehr als fünf Jahren geht einer der aufwändigsten Prozesse der deutschen Rechtsgeschichte zu Ende - das NSU-Verfahren. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht dabei nicht nur Beate Zschäpe, sondern auch die Rolle der vier Mitangeklagten. Ohne sie hätte es die Morde wohl nie gegeben. Der Film zeigt die Strukturen hinter dem Terror-Trio.

Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess Beate Zschäpe neben ihrem Anwalt Mathias Grasel
Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, sitzt an einem Prozesstag neben ihrem Anwalt Mathias Grasel. Bildrechte: imago/Sebastian Widmann

Nach mehr als fünf Jahren und 437 Verhandlungstagen geht der aufwendigste Strafprozess der deutschen Rechtsgeschichte zu Ende – das NSU-Verfahren. Im Fokus der Aufmerksamkeit stand stets Beate Zschäpe. Die Dokumentation "Das Terrornetz – Zschäpes Helfer vor Gericht" richtet den Blick auf die vier Mitangeklagten und damit das Netzwerk hinter dem Terror-Trio um Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Zschäpe.  Ohne die Hilfe dieser Männer hätten die Drei nicht 14 Jahre  lang morden, rauben und bomben können. Sie beschafften Wohnungen, Waffen, falsche Identitäten.

Der Film geht den Tatbeiträgen der vier Angeklagten akribisch nach und fördert dabei Erstaunliches zutage: André Eminger etwa war von der ersten Tat des Trios bis zum letzten Tag des NSU  einer der wichtigsten Unterstützer. Er selbst war Chef der ultra-rassistischen Vereinigung "Weiße Bruderschaft Erzgebirge" und deswegen im Visier der Sicherheitsbehörden.

Fast täglicher Kontakt zu Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe

Recherchen zu diesem Film zeigen nun erstmals, dass es in Emingers engsten Umfeld zwei V-Leute des Verfassungsschutzes gab - und das zu einer Zeit, in der er beinahe täglich Kontakt zu Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe hatte. Die Autoren konnten einen der V-Männer aufspüren und erhielten aufschlussreiche Einsichten in das Leben und Denken André Emingers als selbsternannter Rassekämpfer. Eminger - das macht der Film deutlich - ist bis heute ein überzeugter Neo-Nazi.

Der Angeklagte Ralf Wohlleben sitzt hinter der Angeklagten Beate Zschaepe am Dienstag (28.06.2016) im Landgericht in Muenchen beim 291. Verhandlungstag im NSU-Prozess.
Der Angeklagte Ralf Wohlleben im NSU-Prozess. Bildrechte: IMAGO

Auch Ralf Wohlleben gibt sich vor Gericht ideologisch gefestigt, stellt sich dennoch als eine Art "nationalen Pazifisten" dar. Der Film blickt auch hier hinter die Fassade. Prozessbeobachter, Nebenklagevertreter, Sicherheitsexperten und ein forensischer Psychiater analysieren Prozessauftritte, Tatbeiträge und Motive der Angeklagten und zeichnen so ein umfassendes Bild der vier Männer im Schatten von Beate Zschäpe.

Die Dokumentation "Das Terrornetz – Zschäpes Helfer vor Gericht" ist die vierte Kooperation der ARD-Politikmagazine "FAKT", "REPORT MAINZ" und "report münchen" zum NSU und macht die tiefe Verwurzelung des Terror-Trios in der Neonazi-Szene deutlich. Außerdem geht sie der umstrittenen Rolle der Sicherheitsbehörden nach.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | 10. Juli 2018 | 23:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2018, 09:53 Uhr