exakt | 18.07.2018 Wie DDR-Wohnblöcke auf dem Land verfallen

In vielen Dörfern prägen die typischen Plattenbauten das Bild. Einst waren die Wohnungen begehrt, doch inzwischen stehen immer mehr davon leer. Die DDR-Häuser verfallen, und es leben nur noch wenige Mieter hier.

"Ich zieh jetzt nicht mehr raus hier. Da müssen sie mich raustragen", sagt Hans Malyska. Er wohnt in einem alten DDR-Block – mitten auf dem Land. Die grauen Wohnblöcke prägen das Bild vieler Dörfer. Einst waren die Häuser voller Leben. Doch inzwischen ist hinter vielen Fenstern nur noch stilles Schwarz zu sehen.

Hans Malyska und seine Frau gehören zu den letzten Bewohnern des Blocks am Rand von Tundersleben, das zwischen Magdeburg und Helmstedt liegt. "Ist auch klein die Küche, aber es reicht. Waschmaschine, Mikrowelle, Elektroherd, ist alles drin. Kühlschrank. Was wollen wir mehr?", sagt Karin Malyska. Es ist ein Wohnkomfort, den die Weltkriegsflüchtlinge bis heute zu schätzen wissen.

Die Kinder von damals sind längst groß

Mann mit Hund vor Wohnhaus
Hans Malyska ist einer der letzten Bewohner des alten DDR-Blockes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als der Neubau hochgezogen wurde, waren die Wohnungen sofort vergeben, berichtet das Rentnerpaar. Sie gehörten zu den ersten Mietern. "25 Kinder waren hier bestimmt." Die Kinder von damals sind längst groß geworden und fast alle fortgezogen. Nun ist der Block fast leer. In drei Aufgängen ist nur noch je eine Wohnung vermietet.

Im Zuge der Industrialisierung der DDR-Landwirtschaft sollte damals das klassische Dorf dem Neuen weichen: Fernbeheizte Neubauwohnungen und bequeme Einkaufsmöglichkeiten. Die dörflichen Plattenbauten in Ostdeutschland entstanden überwiegend in den Sechziger Jahren. Damals wurde die Landwirtschaft umgestaltet und industrialisiert. Die Lebensverhältnisse auf dem Lande sollten denen in der Stadt angeglichen werden.

Es sollten Industriedörfer entstehen

"Dahinter steckt natürlich ein Bedarf an Wohnungen,  aber auch eine gesellschaftliche Utopie", sagt der emeritierte Professor, Thomas Topfstädt. Statt herkömmlicher Dörfer sollten Industriedörfer entstehen, sagt der Kunsthistoriker, der zur Geschichte des Wohnens geforscht hat. Doch das erwies sich als nicht umsetzbar.

abc 1 min
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Wie viele Plattenwohnungen gab es eigentlich zu DDR-Zeiten? Und wo in Ostdeutschland stehen heute noch die meisten von ihnen? Hier die interessantesten Fakten.

MDR FERNSEHEN Do 13.10.2011 19:44Uhr 01:24 min

https://www.mdr.de/damals/archiv/video18682.html

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Video

Wenn wie heutzutage Jobs und Infrastruktur fehlen, dann entvölkern sich die Dörfer. Zuerst gehen die, die keine Häuser besitzen: Die Mieter. Wohnblöcke, wie der in Tundersleben, verfallen. "Bei meinem Block hat es mit der Sanierung nicht geklappt, weil die Banken und Sparkassen keinen Kredit vergeben haben", teilt der Eigentümer schriftlich mit. Die Mieteinnahmen würden gerade einmal für die laufenden Kosten und kleine Reparaturen reichen.

Auch dadurch stehen immer mehr Blöcke auf dem Land leer. Wer es sich leisten kann, baut oder kauft ein Eigenheim, viele ziehen in die Stadt, der Arbeit hinterher. Zurück bleiben oft sozial schwächere Menschen und Alte.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 18. Juli 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2018, 19:56 Uhr

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20 Kommentare

18.07.2018 18:05 W. Merseburger 20

An @11, Sonnenallee....,
Auch sie wollen mein Anliegen nicht verstehen. Das mit dem täglichen Bericht aus einer vergangenen Zeit ist eben politisches Kalkül und hat uns täglich an "etwas" zu erinnern. Übrigens heute, schauen sie sich das Video über die Frauen der DDR an, die zur See zusammen mit den Matrosen gefahren sind. Ich möchte den Bericht nicht negativ besetzen, aber the show must go on!

18.07.2018 15:18 Gert 19

An Nr. 11 Das von Ihnen kann ich nur voll unterstützen. Man sollte auch dazu schreiben, daß das Sendegebiet des MDR 100 % früher DDR-Gebiet war. Kann man das vom Sendegebiet des NDR und RBB schreiben.
Und an Alle, die Flüchtlinge in solchen Häusern sehen wollen. Schaut al nach Tröglitz bei Zeitz.

18.07.2018 07:08 Ulrich Hatek 18

man wird die ,einst begehrten Wohnungen, schon noch brauchen. Wo sollen denn sonst unsere Flüchtlinge wohnen ?

18.07.2018 06:43 pkeszler 17

OHNEWORTE 1: "hier koennen doch Facharbeiter mit Frau und Kinder untergebracht werden,"
Heute wollen eben nicht wie zu DDR-Zeiten Leute nur "untergebracht" werden. Dazu gehören für die Facharbeiter auch die entsprechenden Arbeitsplätze. Und die gibt es nur in den Städten oder in den westdeutschen Bundesländern. Außerdem ist das Wohnungsniveau auch bei uns gestiegen. Ein Häuschen mit Garten war schon damals mein Traum, den ich mir erst nach der Wende erfüllen konnte.

18.07.2018 01:09 MD 16

Ich Wohne mit der Frau auch in der Platte, und wir absolut zufrieden damit.

18.07.2018 00:05 Leser 15

Plattenbauten kann man sich im Westen ansehen im tristen grau und das nicht nur in Korbwerder. Im Osten sind es >Neubauwohnungen.

17.07.2018 22:57 Zoltenwick 14

Den schwarzen Peter kann man aber nicht alleine den Vermietern zuschieben. Es hat ja einen Grund, warum die Leute aus solchen Dörfern wegziehen.
Da fehlen einfach die Arbeitsplätze und eine vernünftige Infrastruktur. Hier ist vor allem die Politik gefordert. Man darf den ländlichen Raum nicht ausbluten lassen.

Das fängt schon mit so banalen Sachen an wie der Verbindung im Bus- und Bahnverkehr. Wenn man da den Rotstift ansetzt, wird die Gegend erst recht unattraktiv. Besonders für Familien mit Kindern.
Wie soll denn bitte ein Kind zur Schule kommen oder ein Rentner ohne Auto - wenn die Bahnstrecke stillgelegt wird oder der Bus nur 2x am Tag fährt?

Es kann doch nicht sein, dass wir ganze Landstriche vernachlässigen und uns dann hinterher wundern, dass da keiner mehr wohnen will. Der Vermieter des DDR-Wohnblocks würde sicherlich gerne die leerstehenden Wohnungen vermieten. Dazu muss der Ort für Mieter aber auch attraktiv bleiben.

17.07.2018 22:49 wwdd 13

Mein Opa sagte immer, in der DDR gab es von 100 Dingen 90 nicht, aber die 10 Wichtigsten.

17.07.2018 22:20 part 12

Die ländlichen Altneubauten gehören bestimmte den Kommunen und nicht irgendwelchen Heuschrecken, die mit Fördermitteln und unsinnigen Modernisierungen die Mietpreisbremse aushebeln dürfen.. Zudem ist der Mietspiegel auf dem Land nicht vorhanden oder sehr gering. Es geht hier schließlich nicht um das Recht auf Wohnen sondern nur um den Profit, der sich damit erziehlen lässt. In der DDR entstanden wenigstens Sozialbauten, heute dagegen bevorzugt Eigentumswohnungen. Der Staat hat sich aus seiner Verantwortung die Wohnbedürfnisse seiner Bevölkerung sicher zu stellen schon seit Jahrzenten zurück gezogen.

17.07.2018 22:14 Die kurze Seite der Sonnenallee 11

@ 2 Merseburger: Wieso soll der MDR nicht mehr über Hinterlassenschaften der DDR berichten? Das fällt doch genau in das Sendegebiet. Und dass die Probleme noch nicht erledigt sind, können Sie daran besichtigen, dass die hässlichen Kästen die Dörfer auch nach 30 Jahren noch verschandeln. Davon, dass Sie vom Erbe der ach so tollen DDR nichts mehr lesen wollen, sind die Probleme nicht behoben. Schauen Sie mal auf's Land. Die schönen Kirschen, Äpfel und Kartoffeln vom Direktvermarkter nehmen alle gerne, gut und preiswert.