exakt | 15.08.2018 Imker – ein bedrohter Beruf?

Das Insektensterben ist nicht nur für die Natur eine Katastrophe, es bedroht auch einen ganzen Berufszweig. In Deutschland gibt es nur noch wenige hauptberufliche Imker. Deren Arbeit wird immer schwieriger.

Zwei Mann in einem Bienenstock 10 min
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"Wenn etwas fehlt in der Nahrungskette, das können wir nicht wieder ersetzen. Das geht nicht", sagt Dieter Kremerskothen. Er ist einer von wenigen Hundert hauptberuflichen Imkern. Das Insektensterben ist nicht nur für die Natur eine Katastrophe – es bedroht auch einen ganzen Berufszweig.

Seit 2001 verdient der gelernte Maurer mit der Imkerei sein Geld. Etwa fünf Tonnen Honig produziert er pro Jahr. Die Imker müssten im Vergleich zu früher die dreifache Arbeit leisten, um das Gleiche zu erwirtschaften, sagt er. Das Einkommen von Kremerskothen liegt im Schnitt dennoch nur knapp über Mindestlohn

Über den Blütenstaub ins Bienenvolk

Imker Dieter Kremerskothen
Dieter Kremerskothen ist einer der wenigen hauptberuflichen Imker in Deutschland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Grund: Die Pestizide. Die spielen bei seiner Arbeit eine große Rolle. Über den Blütenstaub gelangen sie ins Bienenvolk. "Die kleinen Bienen werden mit diesem vergifteten Pollen gefüttert. Und dadurch wird das ganze Bienenvolk krank und von der Immunabwehr geschwächt und geht dann an Krankheiten zu Grunde", sagt der Mann aus dem thüringischen Caaschwitz.

Es ist ein Thema, das Kremerskothen aufregt. "Wir können doch nicht sagen, wir haben überall Artensterben und tun nichts", sagt er. Hinter seinem Bienenwagen ist große Wiese, die in voller Blütenpracht steht. Ein Paradies für Bienen und ein Traum für jeden Imker. Doch so bunte Wiesen sind immer seltener zu finden. Das Problem:

Wir mähen zu oft. Das geht über die Kommune, den privaten Bürger bis hin zum Landwirt.

Dieter Kremerskothen

Dieses Bild bestätigt sich: Rund um Caaschwitz gibt es riesige Felder, doch von blühenden Grünflächen – kaum eine Spur. Die Region lebt von der Landwirtschaft. Ist dort überhaupt eine Koexistenz mit Bienen möglich? Olaf Herrling und Sohn Max verdienen in einem Nachbarort mit Viehhaltung und Ackerbau ihr Geld. Die kilometerlangen Wege zwischen ihren Feldern mähen sie regelmäßig. Anders ginge es gar nicht. "Weil ich dann den Unkrautdruck in meinen Feldern hätte", sagt Olaf Herrling.

Die Zwickmühle für den Landwirt

Bienen am Einflugloch eines Stockes.
Bis zu 400.000 Bienen sterben dem Imker pro Jahr durch Eingriffe des Menschen in die Natur. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch gegen manche Schädlinge helfe nur die chemische Keule. Auch seinen Raps, der unmittelbar vor der Ernte steht, hat er kurz nach der Aussaat mit Pestiziden behandelt. Unter den von ihm eingesetzten Mitteln ist auch das Pestizid "Biscaya". Neueste Studien belegen, dass dessen Wirkstoff Bienen vergiften und unter anderem deren Orientierungssinn stören könne.

Das weiß auch Olaf Herrling. Für ihn ist es eine Zwickmühle: "Für Tiere habe ich schon viel übrig. Aber ich muss ja auch sehen, dass ich leben kann und muss bestimmte Feinde auch bekämpfen, sonst kann ich wieder nicht leben."

Auch bei den Imkern geht es um die Existenz. Durch Eingriffe in die Natur gehen bei ihm pro Saison bis zu 400.000 Tiere ein, die er nachzüchten muss, sagt Kremerskothen. Finanziell sei das ein Verlust von rund 10.000 Euro - jährlich.  Geld, das ihm auch fehlt, um etwa einen Auszubildenden einzustellen. Dennoch macht der Thüringer seinen Beruf gern. "Meine Kinder haben etwas anzuziehen, wir haben etwas zu essen. Gut, ich fahre jetzt nicht fünfmal im Jahr in den Urlaub. Vielleicht nur einmal im Jahr eine Woche. Das reicht doch."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 15. August 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2018, 18:15 Uhr

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2 Kommentare

15.08.2018 12:59 Hans Georg Oswald 2

Seit ca. zwei Wochen stelle ich bei meinen Bienenvölkern eine Gewichtsabnahme von ca. 2kg pro Woche fest, und dies wärend der schönsten Zeit des Jahres . Andererseits dürften auch die Zwischenfrüchte bald aufgehen. Aber wegen der Trockenheit hat das Landwirtschaftsministerium den Bewirtschaftern der Äcker erlaubt, dass Sie alle Zwischenfrüchte und Ökologische Vorrangflächen abmähen dürfen für Futterzwecke, auch für Kollegen und Verkauf. Das Mähen dieser in voller Blüte stehenden Blühflächen wird wieder Millionen von Honigbienen das Leben kosten, durch schnell rotierende oder schneidende Mähmesser. Die Imker und Bienen zahlen also wieder mal die wahre Zeche für die Trockenheitshilfe. Darauf möchte ich mit diesem Kommentar aufmerksam machen. Imkerei Oswald [Verweis auf eine Internetseite wegen Verstoß gegen die Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) entfernt. Die MDR.de-Redaktion]

15.08.2018 09:25 annerose will 1

ein wichtiger Grund für Nahrungsknappheit bei den Bienen sind die riesigen Monokulturfelder der Energiepflanzen. Jeder Kennt die massenhaften Km² gelber Rapsfelder. Die blühenden Pflanzen fehlen. Ein Ergebnis kopfloser Grüner "Umweltpolitik". Grundsätzlich ist es richtig sinnvoll grüne Energiequellen zu nutzen. Unserer Gesellschaft ist Dank unserer Grünen Partei jedoch die Vernunft und das Augenmaß dabei abhanden gekommen. Letztlich wird dies mehr zerstören als bewahren. Das gleiche spielt sich gerade bei den E-Autos ab, bei denen die Gesamtökobilanz völlig aus dem Blickfeld ist.