exakt | 25.07.2018 Wer nicht zahlt, soll leiden: Strafen für Unterhaltsverweigerer

In Deutschland erhalten über 1,3 Millionen Kinder keinen oder zu wenig Unterhalt - oft, weil ein Elternteil nicht zahlen will. Sanktionen werden hier selten durchgesetzt, andere Länder greifen da zu ganz anderen Mitteln.

Säumigen Zahlern drohen hierzulande Pfändungen, Bußgelder oder sogar Freiheitsstrafen – und seit Sommer 2017 ist sogar der Entzug des Führerscheins möglich. Allerdings: Nur theoretisch. MDR exakt konnte keinen Fall finden, in dem dies tatsächlich umgesetzt wurde. In anderen Ländern wird  beherzt zu unkonventionellen Mitteln gegriffen,  um Nichtzahlern den Spaß am Leben zu vermiesen.

In Großbritannien kümmert sich eine spezielle Agentur erfolgreich um die Eintreibung des Unterhalts. Rund 400.000 Fälle konnten in fünf Jahren gelöst werden  – davon nur ein Prozent  vor Gericht. 30 besonders hartnäckigen Nichtzahlern wurde Ende 2017 zur Strafe der Führerschein entzogen. Auch in  Belgien, Kanada und vielen US-Bundesstaaten können Drückeberger den Führerschein verlieren - in Belgien sogar das Auto.

Mancher landet sogar am Internet-Pranger

In den USA oder Kanada vermiest man säumigen Zahlern auch gerne mal den Spaß am Jagen und Fischen – indem der Angel- oder Jagdschein gesperrt wird. Wenn das alles nichts hilft, stellen die Kanadier oder auch die Esten Nichtzahler an den  öffentlichen Internet Pranger – mit Foto und vollem Namen.

Wenig Spaß am Leben haben auch Unterhaltsschuldner in Australien, Großbritannien und China. Dort kann der Reisepass entzogen werden – nicht zahlende Chinesen bekommen für bestimmte Schnellzüge keine Fahrscheine, dürfen keine Flugtickets buchen. Das scheint zu wirken.

In Deutschland hingegen müssen betroffene Familien, die auf Unterhaltszahlungen vergeblich warten, einen langen Klageweg gehen, um zu ihrem Recht zu kommen. Mit dem neuen Unterhaltsvorschussgesetz bekommen Alleinerziehende, die keinen Unterhalt vom anderen Elternteil bekommen, diesen seit einem Jahr zunächst vom Staat. Doch das geht zu Lasten aller – nur in 16 Prozent der Fälle gelingt es den Behörden, mit den gewöhnlichen Methoden, die tatsächlichen Schuldner zu belangen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 25. Juli 2018 | 20:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 18:54 Uhr

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