exakt | 28.02.2018 Ausgenutzt: Das dubiose Geschäft der Fußballspieler-Vermittler

Vermittler locken Spieler mit großen Versprechen nach Deutschland. Doch wenn die Fußballer bezahlt haben, stehen sie allein da. Im besten Fall landen sie in Amateurligen - im schlimmsten Fall als Illegale auf der Straße.

Ein Leben als Fußballstar: Diesen Traum haben viele junge Männer, ganz besonders viele in Brasilien. Doch das nutzen auch Betrüger aus. Sie locken junge Spieler mit Einladungen nach Deutschland. Sind die Männer bei den Sportclubs angekommen, sitzen sie im besten Fall auf der Bank  - bei einem Amateurverein. Im schlimmsten Fall werden sie obdachlos und landen als illegale Einwanderer auf der Straße.

Ein Spieler steht lächelnd an einer Tür.
Igor wollte als Fußballprofi in Deutschland durchstarten, doch er landete auf der Straße. Inzwischen ist er wieder zu Hause. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Igor hat 5000 brasilianische Reals (etwa 1300 Euro) und das Flugticket gezahlt, um als Fußballprofi in Deutschland durchzustarten. Von einem Vermittler hat er eine Einladung zum Probetraining beim FC Askania Bernburg erhalten. Der Verein aus Sachsen-Anhalt spielt in der fünften Liga.

"Alles wirkte seriös. Wer hätte damals gedacht, dass es ganz anders kommt", sagt Igor. Auch seine Mutter schöpfte keinen Verdacht. Die Einladung für das Probetraining ist auf Deutsch. Die ist von Max-Martin Schulze, dem sportlichen Leiter des FC Askania Bernburg, unterschrieben. Als MDR-exakt ihm das Dokument zeigt, wundert er sich. "Das ist ja... Mein Name! Aber das ist nicht meine Unterschrift. Das ist auf jeden Fall ein falsches Papier."

Erst eine Hilfsorganisation holte ihn von der Straße

Dennoch ist die Masche in der Saalestadt nicht unbekannt. Gerade in den unteren Ligen seien jede Menge Scharlatane unterwegs, heißt es vom FC Askania. Der Verein verweist aber an höhere Stellen: "Da müsste als erstes der DFB, da müssen die ganzen Verbände einen Riegel vorschieben. Wir sind ein ganz kleines Licht."

Rainer Koch
DFB-Vizepräsident Rainer Koch seht den Staat gefordert. Bildrechte: imago/foto2press

Doch auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht sich nicht in der Pflicht. In solchen Fällen befinde sich der "einzelne Akteur außerhalb der verbandsrechtlichen Legalität und, ich vermute, in vielen Fällen auch außerhalb der Legalität der deutschen Rechtsordnung", sagt DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Deshalb sei nicht der Verband, sondern der Staat gefordert. Doch auch das Bundesinnenministerium sei nicht konkret zuständig. Ein Statement gebe es deshalb nicht.

Igor hat nie beim FC Askania Bernburg gespielt. Ein paar Mal trainierte er beim Brandenburger SC Süd 05 mit. Als sein Visum ablief, interessierte das niemanden. Igor landete schließlich als Illegaler auf der Straße. "Da gab es Tage, an denen ich nicht mal etwas zu Essen hatte", sagt er. Es sind Erlebnisse, die er am liebsten vergessen würde.

"Diese Fälle der Spieler, die nach Deutschland gehen, das ist für uns wie Sklavenhandel", sagt Marco Aurelio de Sousa von der Hilfsorganisation Projeto Resgate Brasil. Seit kurzem haben sie es immer wieder mit Spielern wie Igor zu tun. Erst als seine Mutter im brasilianischen Fernsehen um Hilfe für ihren Sohn bat, schaltete sich eine Hilfsorganisation ein. So konnte nach Monaten wenigstens der Flug in die Heimat nach Goiana, einer Stadt 200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Brasilia, finanziert werden.

Igor und seine Mutter haben den dubiosen Vermittler inzwischen angezeigt. Sie wollen ihn so stoppen. "Was ich durchgemacht habe, was meine Mama durchgemacht hat… All ihre Sorgen, das soll keine andere Mama, soll niemand sonst durchmachen müssen", sagt Igor.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 28.02.2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2018, 19:36 Uhr

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