MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 16.05.2018 | 20:45 Uhr 1.000 Euro für jeden monatlich - machbar oder utopisch?

1.000 Euro jeden Monat und das, ohne etwas dafür tun zu müssen. Klingt das nicht wunderbar? Doch ist das überhaupt finanzierbar? "Exakt - die Story" begleitet BGE-Gewinner, spricht mit Befürwortern sowie Gegnern und zeigt die Diskussion über die Notwendigkeit und Machbarkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Ein Jahr lang jeden Monat 1.000 Euro direkt auf's Konto - einfach so, als bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Was würde man damit machen? Eine Weiterbildung beginnen, auf Reisen gehen, anderen etwas schenken, gesünder leben, ein neues Auto, Zeit für die Familie, beruflich kürzer treten oder vielleicht etwas ganz Neues anfangen?

Bedingungsloses Grundeinkommen schafft Freiraum

Für 168 Menschen in Deutschland ist das heute schon Realität. So kann sich eine Lehrerin endlich ihren Herzenswunsch erfüllen und macht eine Ausbildung zur Trauerrednerin. Eine Grafikerin schafft sich ein zweites Standbein als Gesundheitsberaterin und schreibt ein Buch. Ein Gärtner traut sich jetzt an alternative Anbaumethoden, die nicht sofort gewinnbringend sein müssen. Und ein 9-Jähriger teilt die 1.000 Euro mit seiner Familie und schenkt sich selbst regelmäßigen Gitarrenunterricht.

Eine Frau an einer Eistheke hält einen Löffel und ein Glas mit Eis in den Händen.
Bildrechte: Studio Klarheit

Judith Menzl aus Rostock schafft es, die Winterflaute in ihrem neueröffneten Eiscafé ganz locker zu überstehen. "Dass ich mich jetzt nicht mehr um mein eigenes Einkommen sorgen muss, verschafft mir irgendwie Leichtigkeit. Und meinem jungen Unternehmen ordentlich Luft" freut sie sich, als sie so ein bedingungsloses Grundeinkommen gewinnt.

1.000 Euro zusätzlich jeden Monat. Möglich macht das die Initiative "Mein Grundeinkommen" aus Berlin. Das Geld wird verlost und kommt aus einem Spendenfonds.

Mit einem BGE hätten wir alle ein ganz neues Lebensgefühl. Jeder könnte dann sein Potential entfalten, frei von Angst und Geldsorgen.

Michael Bohmeyer, Initiator der Initiative

Was bringt ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Dass ein BGE kommen muss, davon ist auch Deutschlands bekanntester Philosoph Richard David Precht überzeugt. Er prophezeit wegen der Digitalisierung einen extremen Wegfall von Arbeitsplätzen:

Wir müssen unsere Gesellschaft unbedingt mit dem BGE absichern, sonst explodiert sie.

Richard David Precht, Befürworter des BGE

Doch der Kölner Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge hält dagegen. Das BGE verschärfe die Ausbeutung und Armut. Außerdem gehe vielleicht der Anreiz zum Arbeiten verloren. Er beharrt auf dem Ausbau des bisherigen Sozialsystems.

Ein Mann vor einem Bücheregal gestikuliert mit seinen Händen.
Prof. Christoph Butterwegge Bildrechte: Studio Klarheit

Die Gefahr, dass das BGE als Stilllegungsprämie missbraucht wird, besteht [...]. Zumindest dann, wenn tatsächlich die Digitalisierung dazu führt, dass viele Arbeitsplätze entfallen und nicht klar ist, wie die Menschen, die nicht mehr in Lohn und Brot sind, unterhalten werden sollen.

Prof. Christoph Butterwegge, Kritiker des BGE

Der Künstler und Aktivist für das bedingungslose Grundeinkommen Enno Schmidt stellt sich dieser Auffassung entgegen. Das bisherige Sozialsystems sei vollkommen veraltet und mache uns nur zu Bittstellern. Mit seinen spektakulären Kunstaktionen rund um das bedingungslose Grundeinkommen ist er in der ganzen Welt unterwegs. Er ist überzeugt: In zehn Jahren haben wir das BGE!

Exakt - Die Story | 16.05.2018 Für und Wider das bedingungslose Grundeinkommen

Ein Mann steht vor eine Stadtkulisse und schaut in die Kamera.
Michael Bohmeyer ist Initiator des Vereins "Mein Grundeinkommen". Er hat ihn vor vier Jahren gegründet und bisher 168 Grundeinkommen verlost. Das BGE zeige die gute Seite des Menschen: "Mich hat am meisten überrascht, dass so viele Menschen für andere Geld geben. Also wir haben 50.000 Menschen, die im Durchschnitt monatlich vier Euro spenden und es damit quasi auch dem Zufall überlassen, wer es dann kriegt. Und ich finde, das ist das, worum's beim Grundeinkommen geht."

Das BGE könne enorme Kräfte freisetzen: "Ich glaube, dass ein Grundeinkommen nicht nur in mir, sondern in allen Menschen enorme Kreativität wecken kann. Und dass die Gesellschaft damit auf allen Ebenen einen großen Schritt vorankommen kann. Aber wissen kann ich es natürlich nicht."
Bildrechte: Studio Klarheit
Ein Mann steht vor eine Stadtkulisse und schaut in die Kamera.
Michael Bohmeyer ist Initiator des Vereins "Mein Grundeinkommen". Er hat ihn vor vier Jahren gegründet und bisher 168 Grundeinkommen verlost. Das BGE zeige die gute Seite des Menschen: "Mich hat am meisten überrascht, dass so viele Menschen für andere Geld geben. Also wir haben 50.000 Menschen, die im Durchschnitt monatlich vier Euro spenden und es damit quasi auch dem Zufall überlassen, wer es dann kriegt. Und ich finde, das ist das, worum's beim Grundeinkommen geht."

Das BGE könne enorme Kräfte freisetzen: "Ich glaube, dass ein Grundeinkommen nicht nur in mir, sondern in allen Menschen enorme Kreativität wecken kann. Und dass die Gesellschaft damit auf allen Ebenen einen großen Schritt vorankommen kann. Aber wissen kann ich es natürlich nicht."
Bildrechte: Studio Klarheit
Ein Mann vor einem Bücheregal gestikuliert mit seinen Händen.
Professor Christoph Butterwegge von der Uni Köln ist Politikwissenschaftler und sieht das bedingungslose Grundeinkommen kritisch. Er ist dagegen, dass jeder, egal welches Einkommen er bekommt, das BGE erhalten sollte und sieht die Verteilungsgerechtigkeit in Gefahr: "Deswegen müsste man eben anders vorgehen. Nach dem Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit, demjenigen mehr geben, der viel braucht, weil er wenig hat. Wohingegen der Wohlhabende, der Reiche, der Hyperreiche überhaupt keine Transferleistungen des Staates braucht. Warum soll denn über dem ein Grundeinkommen ausgeschüttet werden? Das vermag ich überhaupt nicht einzusehen." Bildrechte: Studio Klarheit
Eine Frau an einer Eistheke hält einen Löffel und ein Glas mit Eis in den Händen.
Judith Menzel hat 2015 ein BGE gewonnen und damit ihr neueröffnetes Eiscafé über die Winterflaute gebracht. Sie fühlt sich abgesichert: "Gerade ich als Selbständige habe unterschiedliche Einkommen über das Jahr hinweg. Im Winter ist es nicht so viel. Wenn ich Urlaub mache, dann habe ich auch mal gar kein Einkommen. Wenn ich viel arbeite im Sommer, dann habe ich natürlich ein höheres Einkommen. Und das Grundeinkommen gibt einfach eine Sicherheit, die Grundbedürfnisse sind damit abgedeckt." Bildrechte: Studio Klarheit
Ein Mann mit langen Haaren mit Blick zur Kamera.
Philosoph und Publizist Prof. Richard David Precht ist ein großer Befürworter des BGE. Bildrechte: Studio Klarheit
Ein Mann mit Brille und weißen kurzen Haaren in roter Weste spricht in die Kamera.
Markus Schlimbach, DGB-Vorsitzender in Sachsen, ist wie fast alle Gewerkschafter gegen das bedingungslose Grundeinkommen. Skeptisch meint er: "Da ist so ein messianisches Gefühl an Überzeugungen da. Manchmal ist es schön, Menschen so begeistert zu sehen. Aber andererseits habe ich so das Gefühl, die sind ein bisschen wie eine Sekte. Sie glauben daran, dass das wunderbar werden würde und hören gar nicht auf die Befürchtungen, Sorgen." Bildrechte: Studio Klarheit
Ein Mann lächelt in die Kamera.
Sandro Boccoli, Student in Leipzig, gewann das BGE und kann ohne elterliche Unterstützung studieren. Dabei hat er allerdings auch den Neid seiner Kommilitonen kennengelernt. Dankbar sagt er trotzdem: "Dadurch, dass ich es jetzt an meinem eigenen Leib erfahren habe, muss ich sagen, dass ich es natürlich überragend finde. Einfach diese Möglichkeit zu haben, diese finanzielle Stütze zu haben. Ich glaube, dass man das gar nicht so richtig einschätzen kann, wenn man das nicht hat." Bildrechte: Studio Klarheit
Ein Mann und eine Frau mit Mikrofonen in den Händen neben einem "Glücksrad".
Das Bild zeigt eine Verlosung durch den Verein "Mein Grundeinkommen" in Berlin. Bereits 168 Mal wurde das BGE verlost. Bildrechte: Studio Klarheit
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Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 22:54 Uhr