Handwerker mit Werkzeuggürtel legt einen Messwinkel an eine Fensterleibung an
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MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 29.08.2018 | 20:45 Uhr Handwerker gesucht!

Egal ob Maurer, Tischler, Klempner, Elektriker oder Fleischer - klassische Berufe, die es so seit Jahrhunderten gibt - für junge Menschen scheinen sie ihren Reiz verloren zu haben. Geht da eine Tradition verloren? Was tun gegen diese Entwicklung? Gibt es Alternativen?

Handwerker mit Werkzeuggürtel legt einen Messwinkel an eine Fensterleibung an
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Handwerker in Deutschland haben volle Auftragsbücher. Über einen Mangel an Arbeit kann keiner klagen. Aber viele Betriebe können die Aufträge nicht mehr erfüllen.

Jährlich fehlen ca. 20.000 Lehrlinge. Wachsende Bürokratie mit immer mehr Vorschriften frisst Zeit und nimmt die Freude an der Arbeit. Die nächste Generation will oft den elterlichen Handwerksbetrieb nicht übernehmen. Rund 200.000 Betriebe stehen in den kommenden Jahren vor einem Generationswechsel.

Jugend entscheidet sich dagegen

Maurermeister Queck aus Stützengrün hatte in diesem Jahr nicht einen Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Der Sohn von Fleischermeisterin Susann Bergmann aus Freiberg geht lieber zu einem großen Autobauer in die Lehre, weil er erlebt hat, wie seine Mutter Tag für Tag kämpfen muss, um den kleinen Betrieb am Laufen zu halten.

Meine Mutti hatte nie Zeit für mich. Das ist alles ein wenig stressig gewesen. Die hat einen 15 Stunden Arbeitstag. [...] Wäre nichts für mich. [...] Das ist ein bissel sehr viel Arbeit, die dahintersteckt. Bissel sehr anstrengend.

Tom Bergmann

Und bei den Elektrikern aus dem Erzgebirge klappte zwar die Unternehmensnachfolge, doch sie finden einfach keine Lehrlinge, die für den Beruf eines Elektrikers geeignet wären. Die schulischen Leistungen in Mathematik und Physik sind zu schlecht.

Man pflückt keine Elektriker vom Baum.

Jörg Hausmann, Elektrikermeister

Die Tischlermeister aus Crottendorf haben zwar genug Nachwuchs, aber sie verzweifeln an der Bürokratie. Jedes unternehmerische Vorhaben und jede Baustelle werde damit zu einer juristischen Schlacht der Formalitäten.

Das reicht von Datenschutzvorschriften und Arbeitsschutz über Steuergesetze bis hin zur neuen Gewerbeabfall-verordnung.

Präsident der Dresdner Handwerkskammer und Dachdeckermeister, Jörg Dittrich

Es wird und muss sich vieles ändern: Die Politik muss handeln, die Handwerksmeister müssen umdenken.

Exakt - Die Story | 29.08.2018 | 20:45 Uhr Handwerk sucht Handwerker

Eine Frau an der Wursttheke.
Susanne Bergmanns Eltern gründeten die Fleischerei in Freiberg 1984. Das größte Problem war damals Fleischmangel. Heute fehlen Artikel nur noch aufgrund der Jahreszeit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau an der Wursttheke.
Susanne Bergmanns Eltern gründeten die Fleischerei in Freiberg 1984. Das größte Problem war damals Fleischmangel. Heute fehlen Artikel nur noch aufgrund der Jahreszeit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau mit roter Schürze mit einem Faden in der Hand, vor ihr liegen Würste im Darm und Fleischstücke.
Susanne Bergmann übernahm das Lebenswerk ihrer Eltern 2011. Im Prinzip besteht ihr Leben nur aus der Fleischerei. Der Tag beginnt früh.
"Gegen 5.00 Uhr beginnen wir. Dann fangen wir an in der Produktion das Fleisch vorzubereiten. Dann kommt die Verkäuferin und die Imbissfrau, die dann die Imbisstheke für's Frühstück auch fertigmacht. Die Verkäuferin räumt die Wursttheke ein. Gegen 9.00 Uhr ist dann meistens Feierabend." - abends natürlich
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Eine Frau steht an der Wursttheke.
12 bis 14 Stunden Arbeit täglich ist der Normalfall für Susanne Bergmann. Wenn die Kunden weg sind, wartet der Schreibtisch mit Abrechnungen, Angeboten und Formularen auf sie. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
zwei Männer stehen  in einem Raum vor einer Mauer aus Ziegelsteinen
1991 baute Elektrikermeister Harald Hausmann seinen Betrieb auf. Begonnen hatte er mit einem Mitarbeiter. Heute sind es 28.
Sohn Jörg war zum Glück handwerklich begabt. Also bildete der Vater ihn aus.
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ein Mann mit einem Hammer in der rechten Hand kniet vor einer Mauer aus Ziegelsteinen
Schon jahrelang hatten die Hausmanns die Unternehmensnachfolge geplant. Der Vater arbeitet noch mit in der Firma. Als Seniorchef sozusagen. Nicht mehr lange und er kann sich zurückziehen. Bildrechte: Thomas Kluge
ein Kopf ist auf eine Ziegelsteinmauer gerichtet, darin befinden sich drei schwarz umhüllte Löcher mit Kabeln darin
"Da gibt es einige, die aufgehört haben, weil sie keinen Nachfolger hatten. Das ist eigentlich jetzt die Folge meiner Altersgruppe, die jetzt in Rente geht. Das waren alles diejenigen, die nach der Wende ihr Geschäft gegründet haben. [...] Und wenn dann die Kinder oder die Mitarbeiter im Betrieb sich nicht bereiterklären und sagen 'ich mach das weiter' - dann kann man nur zumachen", sagt Harald Hausmann. Bildrechte: Thomas Kluge
ein Man mit Mütze schiebt eine Schubkarre mit kleinen Steinen
Maurermeister Thomas Queck hat schon seit ein paar Jahren nicht eine einzige Bewerbung auf dem Tisch. Obwohl die Lehrlingsvergütung im Baugewerbe in den letzten Jahren enorm gestiegen ist. Bildrechte: Thomas Kluge
ein Man mit Mütze kniet auf steinigem Boden und hält ein Stück Holz in den Händen
Über die Zukunft seines Betriebes sagt Thomas Queck: "Ich kann den Betrieb in der Familie nicht übergeben. Zwei Töchter, alle beide in eine andere Richtung. Und es ist ja ein relativ kleiner Betrieb. Ich habe mich da nicht so erweitert und da werde ich wohl eines Tages zu machen. Und das wars." Bildrechte: Thomas Kluge
ein Mann in orange farbenem Shirt hält ein Gerät inder rechten Hand, mit dem er auf einem Stück Holz arbeitet, das er in der linken Hand hält
Die Crottendorfer Tischler sind ein Vorzeigeunternehmen für die Region. 50 Mitarbeiter beschäftigt die Firma. Die Chefs Bernd Frunzke und Kay Viehweg lernten sich 1981 als Tischlerlehrlinge in der Berufsschule kennen.
Nach der Wende trafen sie sich wieder und sagten: Wir müssen was zusammen machen. Dann haben sie die Tischlerei gegründet. 
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ein Mann in orange farbenem Shirt schlägt mit einem Hammer auf einen Meißel
Seit Anbeginn setzen sie auf Mitarbeiter aus der Region. Vom Meister über den Ingenieur bis zum Lehrling. Sie fangen so früh wie möglich an.
Auch Ferienarbeit sei eine gute Einstiegsmöglichkeit.
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ein Mann in orange farbenem Shirt arbeitet an einer Maschine, unter der eine Holzplatte zu sehen ist
"Unser Altersdurchschnitt ist 36 Jahre. Und den größten Teil haben wir uns nachgezogen. Wir bilden jedes Jahr mindestens zwei Lehrlinge aus. Und haben da auch keine Sorgen mit Nachwuchs."

Einzig die Bürokratie wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Neue Verordnungen und Vorschriften machen das Leben schwer.
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