Bei einer Kundgebung für die Opfer von Zwangsadoptionen der DDR hält ein Mann vor dem Brandenburger Tor in Berlin ein Plakat mit der Aufschrift "Wo sind unsere Kinder?" hoch.
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MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 06.02.2019 | 20:45 Uhr Wo ist mein Kind? - Zwangsadoptionen in der DDR

Eltern suchen ihre Kinder, Schwestern und Brüder ihre Geschwister. Es liegt ein grausiger Verdacht in der Luft: Hat die DDR Kinder zur Adoption freigegeben - ohne die Einwilligung der Eltern? Die Reportage zeigt Menschen, die sich nach Jahrzehnten wieder in den Armen liegen, aber auch Mütter, die heute noch verzweifelt ihre Kinder suchen.

Bei einer Kundgebung für die Opfer von Zwangsadoptionen der DDR hält ein Mann vor dem Brandenburger Tor in Berlin ein Plakat mit der Aufschrift "Wo sind unsere Kinder?" hoch.
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Heidi schließt ihre Tochter Maria in die Arme. 37 Jahre lang konnte sie das nicht, ja sie wusste noch nicht einmal, dass Maria lebt. Sie dachte, ihr Kind sei wenige Tage nach der Geburt gestorben. So wurde es 1981 ihr gesagt.

Auch Andreas Laake hat seinen Sohn wiedergefunden - 29 Jahre nachdem ein DDR-Gericht festgelegt hatte, dass sein Neugeborener zur Adoption freigegeben werden darf. Andreas Laake hatte kein Recht auf Widerspruch, denn er saß wegen Republikflucht im Gefängnis.

Der Leipziger Andreas Laake steht vor dem ehemaligen DDR-Gefängnis Zuchthaus Cottbus in Cottbus (Brandenburg).
Der Leipziger Andreas Laake Bildrechte: dpa

Da war jemand am Telefon, und ich hab ihn nur atmen gehört. Da hab ich gefragt: 'Bist du Marko?' - 'Ja' - Und ich hab weiter gefragt: 'mein Marko?' Und danach haben wir eine halbe Ewigkeit nicht weitersprechen können.

Andreas Laake

Zwei Beispiele von vielen. Manche rechnen mit einigen Hundert Fällen, andere sprechen von 8.000 bis 10.000 Kindern, die zu DDR-Zeiten ihren Eltern weggenommen und an andere, oft linientreue Ehepaare weitergegeben wurden. Die DDR stellte sich damals gern als Vorzeigestaat bei der Kinder- und Familienpolitik dar.

Lang andauernder Kampf um "gestohlene" Kinder

Die Interessengemeinschaft "Gestohlene Kinder der DDR" verlangt jetzt in einer Petition an den Bundestag, die Aufklärung solcher Fälle zu erleichtern. Hat es das wirklich gegeben? Warum wurden Eltern ihre Kinder weggenommen? Wer hat sie bekommen? Ist es denkbar, dass die DDR Kinder in den Westen "verkauft" hat?  Und warum haben es Betroffene heute so schwer, ihre Angehörigen wiederzufinden?

"Exakt - Die Story" versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Da viele Fristen nach 30 Jahren ablaufen, ist es jetzt, fast 30 Jahre nach der Wende, höchste Zeit, die Aufarbeitung zu intensivieren.

Exakt - die Story | 06.02.2019 "Wo sind unsere Kinder?" - Bilder von Suchenden

Eine Frau zeigt einen roten Pullover mit Aufdrucken und Fotos darauf.
Anett Hiermeier aus Leipzig sucht ihre Schwester Claudia - geboren im Januar 1988. Sie wurde ihrer Mutter ohne deren Zustimmung als Neugeborenes weggenommen und zur Adoption freigegeben. Bildrechte: MDR SACHSEN
Eine Frau zeigt einen roten Pullover mit Aufdrucken und Fotos darauf.
Anett Hiermeier aus Leipzig sucht ihre Schwester Claudia - geboren im Januar 1988. Sie wurde ihrer Mutter ohne deren Zustimmung als Neugeborenes weggenommen und zur Adoption freigegeben. Bildrechte: MDR SACHSEN
Eine Frau in grauer Jacke steckt ihre Hände in die Jackentaschen und läuft eine Straße entlang.
Petra Wehnert aus Dresden vermisst ihren Sohn Frank. Er wäre heute 30 Jahre alt. Als er ein halbes Jahr alt war, wurde er in eine Klinik gebracht und soll dort am plötzlichen Kindstod gestorben sein. Bildrechte: MDR SACHSEN
Ein Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt ein Baby.
Das ist, was ihr geblieben ist: ein Foto von Frank als Baby.

Mittlerweile hat Petra Wehnert das Grab öffnen lassen, in dem ihr Sohn liegen soll. Keine Spur von Frank. Also sucht sie weiter. Für sie wäre es so wichtig, dass ihre Akten nicht jetzt, nach 30 Jahren, vernichtet werden dürfen. In diesem Jahr läuft die Frist ab.
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Blick in einen Saal mit roten Stühlen. Auf mehreren sitzt eine Gruppe von traurig schauenden Frauen.
Rund 150 Betroffene tauschten sich im Februar 2018 in der Dresdener Dreikönigskirche aus. Sie alle suchen Kinder oder Geschwister, die unter ungeklärten Umständen in der DDR gestorben sind oder zur Adoption freigegeben wurden. Bildrechte: MDR SACHSEN
Der Leipziger Andreas Laake steht vor dem ehemaligen DDR-Gefängnis Zuchthaus Cottbus in Cottbus (Brandenburg).
"Im Einigungsvertrag ist das Thema Zwangsadoption übersehen worden, das heißt die Adoptionen in der DDR sind denen der Bundesrepublik gleichgestellt worden und somit legal. Man hat gar keine Handhabe, irgendwas zu machen", sagt Andreas Laake. Bildrechte: dpa
Eine Frau mit Brille und blonder Kurzhaarfrisur schaut nachdenklich.
Heidrun Budde beschäftigt sich aus wissenschaftlicher Sicht mit der Aufarbeitung von Zwangsadoptionen in der DDR.

"Was ich aus meinen Recherchen herausnehme ist die Tatsache, dass es Ungereimtheiten gibt und eine ganze Reihe Indizien, dass hier nicht bürokratisch, wie es bei uns auch üblich war, eine Sterbeanzeige ausgefertigt wurde. Und die Frage, warum das so war, können eigentlich nur die Akteure beantworten, die das gemacht haben, aber diese Akteure werden den Mund halten."
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt - die Story | 06. Februar 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 16:42 Uhr