Passanten gedenken am 23.07.2016 nahe dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München, einen Tag nach einer Schießerei mit Toten und Verletzten, den Opfern.
Gedenken an die Toten und Verletzten des Münchner Attentats am 22. Juli 2016. Bildrechte: dpa

FAKT exklusiv | 15.05.2018 OEZ-Attentäter von München hatte Kontakt zu späterem US-Amokläufer

Ein Vertrauter des Münchner Attentäters vom Olympiaeinkaufszentrum (OEZ) verübte im Dezember 2017 eine Bluttat mit drei Toten an der Aztec High School in den USA. Deutsche Behörden hatten den Täter schon Monate zuvor im Umfeld des OEZ-Attentäters identifiziert, gaben entscheidende Informationen jedoch nicht weiter.

Passanten gedenken am 23.07.2016 nahe dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München, einen Tag nach einer Schießerei mit Toten und Verletzten, den Opfern.
Gedenken an die Toten und Verletzten des Münchner Attentats am 22. Juli 2016. Bildrechte: dpa

Ein Online-Chatpartner des Münchner Attentäters vom Olympiaeinkaufszentrum (OEZ) verübte im Dezember 2017 eine Bluttat mit drei Toten an der Aztec High School in den USA. Deutsche Behörden hatten ihn schon Monate zuvor im Umfeld des OEZ-Attentäters identifiziert. Sie gaben wichtige Informationen jedoch nicht an US-Behörden weiter. Das ergaben Recherchen des ARD-Magazins "FAKT".

Am 22. Juli 2016 tötete David Sonboly am OEZ in München neun Menschen. Sonboly stand zuvor im engen Kontakt mit dem späteren Schulattentäter aus Aztec, New Mexico: William Atchinson.

Kurz nach dem Münchner Attentat gab ein Zeuge der deutschen Polizei konkrete Hinweise auf Chatgruppen, in denen sich Sonboly mit anderen potentiellen Attentätern ausgetauscht hatte und von denen noch immer eine potentielle Gefahr ausging. Die Polizei verhaftete deswegen zwei Jugendliche aus Baden-Württemberg. Bei Durchsuchungen wurden Schusswaffen und Sprengstoff gefunden. Beide Jugendliche verfolgten offensichtlich konkrete Anschlagspläne.

Täter auf Spieleplattform radikalisiert

Ein weiteres aktives Mitglied in diesen Chatgruppen war der spätere Attentäter von New Mexico, William Atchinson. Einer der beiden Jugendlichen sagte nach seiner Verhaftung gegenüber der Polizei, er sei erst durch den US-Amerikaner Atchinson mit Sonboly in Kontakt gekommen.

Wie Recherchen des ARD-Magazins "FAKT" belegen, lagen der Polizei zu Atchinson laut Ermittlungsakten noch weitere Hinweise vor. So wandte sich Atchinson kurz nach dem Münchner Anschlag auf dem Benutzerprofil von Sonboly bei der Internet Spieleplattform "Steam" sogar direkt an die deutsche Polizei und schrieb, er habe mit Sonboly doch nur Computer gespielt. Atchinson verfasste im Internet mehrere glorifizierende Nachrufe auf David Sonboly.

Mit diesen Erkenntnissen müsse der Anschlag in München entscheidend neu bewertet werden, sagt Florian Hartleb, der Gutachter der Stadt München für den Anschlag am Olympiaeinkaufszentrum: "Wir müssen den Fall von David Sonboly als internationales Phänomen betrachten und wir müssen nun schauen, ob es sich hier nicht um ein virtuelles Netzwerk potentieller Massenmörder handelt."

Weder die Staatsanwaltschaft München noch die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatten die Erkenntnisse der deutschen Ermittler an US-Behörden weitergegeben. Das wurde dem ARD-Magazin auf Nachfrage bestätigt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 15. Mai 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2018, 18:03 Uhr

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3 Kommentare

16.05.2018 18:25 Heimatliebe 3

Es hieß Ali-Davoid! NICHT David!
Investigativer Jounalismus geht anders!

15.05.2018 22:00 Max W. 2

(Weder die Staatsanwaltschaft München noch die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatten die Erkenntnisse der deutschen Ermittler an US-Behörden weitergegeben. Das wurde dem ARD-Magazin auf Nachfrage bestätigt.)

Nicht zu fassen. Mir wird nur noch schlecht bei diesem Laienschauspiel, in das zunächst die Schröderlinge und dann Genossin Kasner, verh. Merkel dieses Land verwandelt haben. Ganz gleich, wo man hingreift: Anschliessend desinfiziert man besser die Hände. Wahrscheinlich drohten dem Beschuldigten "Nachteile".

15.05.2018 17:43 Amt zur Überwachung humanitärer Hilfe 1

natürlich konnten sie ihre Erkenntnisse nicht weitergeben, weil nicht klar ist, ob dem Beschuldigten die Todesstrafe gedroht hätte.