exakt | 13.03.2019 Die Hooligan-Szene beim Chemnitzer FC

Nach der hochumstrittenen Traueraktion für einen rechtsextremen Hooligan bei einem Spiel des CFC schlagen die Wellen hoch. Wie konnte es zu der Aktion kommen? Wer war der verstorbene Thomas Haller, Gründer der „HooNaRa“?

Im Stadion des Chemnitzer FC wird ein verstorbener Fan geehrt - eine gut vorbereitete Trauerszene. Nach seinem Tor hält der FC-Spieler Daniel Frahn ein T-Shirt zu Ehren des Toten hoch, darauf zu sehen ist die Losung: „Support your local hools“ - „Unterstütz’ deine örtlichen Hooligans!“

Seitdem ist beim Chemnitzer FC nichts mehr wie vorher. Denn der Geehrte war nicht nur ein großer Anhänger des Vereins, sondern auch ein militanter Neonazi: Thomas Haller wurde 54 Jahre alt. Sein Geld verdiente er als Security-Unternehmer. In Chemnitz kennen ihn viele.

Aktive Hooliganszene seit den 1990er Jahren in Chemnitz

Anfang der 90er-Jahre gründete der gelernte Fleischer „HooNaRa“, eine Abkürzung für Hooligans, Nazis und Rassisten. Später brüstete sich Haller in einem Interview, seine Gruppe habe sich in ganz Deutschland und Europa mit anderen Hools zu verabredeten Schlägereien getroffen. Zitat Thomas Haller: „Wo wir hingefahren sind, haben wir alle geschlagen. … Du wirst nirgends eine Aktennotiz finden, in der steht, dass Hoonara einen Unbeteiligten in Mitleidenschaft gezogen hat.“

Übergriffe von HooNaRa-Anhängern auf Punks

Waren bei „HooNaRa“ nur Anhänger der sogenannten dritten Halbzeit? In Hohenstein-Ernstthal erinnert eine Gedenktafel an Patrick Thürmer. Der 17-jährige Punk wurde vor 20 Jahren von drei Rechtsextremisten erschlagen. Einer der Täter war aktives Mitglied von HooNaRa. In der Nacht war auch Thomas Haller vor Ort. Laut Zeugenaussagen soll Haller auch selbst auf Punker eingeschlagen haben.

Die Ermittler taten sich schwer, weil Haller, seine Mitarbeiter und Kameraden mauerten oder schwiegen. Haller, der vor allem betrunken immer wieder gewalttätig geworden sein soll, schadet das Ganze nicht. Er wurde immer wieder als Security Unternehmer engagiert - am Sachsenring, aber vor allem in Chemnitz selbst. Dort sorgte Hallers Firma auch für Sicherheit auf Veranstaltungen der Freien Presse und bei Stadtfesten. Durch diese Aufträge besorgte Haller Jobs für seine Kameraden - aus Sicht des Hooligan-Forschers Robert Claus nicht zu unterschätzen.

Haller hat rechte Hooligans in seinem Sicherheitsdienst angestellt. Das muss man ja auch wissen, dass diese Szenen ihre eigenen Wirtschaftskreisläufe bilden und dafür sind insbesondere Security-Unternehmen in der Region besonders wichtig.

Robert Claus, Hooliganforscher

Ein Freund Hallers berichtet, dieser habe stets gut bezahlt. Der jetzige Wirbel ist für ihn Heuchelei. „Alle in der Stadt kannten seine Vergangenheit. Es wurde immer geduldet, dass er und seine Security-Mitarbeiter überall arbeiten durften.“

Halbherzige Trennung der Zusammenarbeit mit dem Chemnitzer FC

2007 schien es mit Hallers Glückssträhne vorbei zu sein. Der Chemnitzer FC trennte sich von seinem Sicherheitsunternehmen, nachdem er sich in einem Interview als HooNaRa-Gründer geoutet hatte. Doch ganz weg war Haller beim Chemnitzer FC offenbar nicht, berichtet Hanka Kliese, die für die SPD im Sächsischen Landtag sitzt. Insbesondere bei Hallenturnieren habe man Haller Security noch gesehen. Inzwischen sind beim Chemnitzer FC mehrere Verantwortliche zurückgetreten.  Aufgeklärt ist bisher nichts.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 13. März 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 11:45 Uhr

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12 Kommentare

15.03.2019 09:22 Mittelsachse 12

Hallo Morchelchen, in dem Land, in dem wir beide geboren wurden, hießen Hooligans noch "Fußballrowdies". Die hat es in der DDR also auch schon gegeben. Im und ums Stadion ging man Schals bzw. Fahnen "ruppen" oder körperliche Schlagfertigkeiten austauschen. Das war damals auch schon Diebstahl bzw Körperverletzung. "Erlebnisorientierte" Jugendliche bzw. junge Erwachsene hat es in den 80igern bei jedem größeren DDR-Oberligaverein gegeben.
Als eines meiner persönlichen Erlebnisse mit den Haller-Jungs kann ich nur darauf verweisen, dass Sie uns in den 90igern in Chemnitz (2. Liga) bei einem Überfall von Ruhrpott-Hools, ja liebe Foristen - leider sehr viele mit Migrationshintergrund, aus der nicht ganz ungefährlichen Situation befreit hatten. Wenn man einmal derartige Erlebnisse gemacht hat, interessiert einen die politische Ausrichtung seines Helfers nur marginal und behält die Situation dann auch so in Erinnerung.

14.03.2019 22:49 Tim 11

@KMStädter&Morchelchen
Das wär mit Sicherheit auch in jeder Wessipampa n Problem gewesen. Sehr billig, die Richtung einzuschlagen.
Und damals inne Oberliga haben die Leute sich auch schon geprügelt wie die Kesselflicker! Gipfelte in der M.Polley Geschichte..
Aber die von drüben sind sicher wieder schuld. Kann ick nich mehr hören!

14.03.2019 22:26 Horst 10

Hmmm. Ja klar ist ein Mensch gestorben. Auf seine Weise war er sicher auch ein local hero und ein CFC-Fan. Fein. Aber sicher ist auch dass Security-Firmen hier wie überall Angst und Terror verbreiten wenn sie gewisse Aufträge nicht erhalten . Aber das sind sicher wieder nur Verschwörungstheorien. Deswegen bin ich lieber ruhig.

14.03.2019 20:25 Stefan 9

@saxon8027 Ist es wirklich egal, für wen in einem Stadion Schweigeminuten abgehalten werden? Adolf Hitler war einer der größten Verbrecher der Menschheit. Na und? Was spricht gegen eine kleine Erinnerungszeremonie an seinem Todestag in einem Stadion, einer Stadthalle oder auf dem Marktplatz? Er war schließlich irgendwie trotzdem ein Mensch. Nur mal vorsichtshalber: Kommen Sie bitte nicht auf die Idee, dass ich so etwas ernsthaft für denkbar halte.

Das ist das Problem in Chemnitz: Rechtsextremismus ist für die einen salonfähig geworden, den anderen ist es egal und diejenigen, denen es nicht egal ist, hört man nicht.

14.03.2019 17:45 saxon8027 8

Ich kann beim Studium der Fakten beim besten Willen nichts Verwerfliches an der Aktion der CFC-Fans finden. Ein Mensch ist gestorben – er fühlte sich dem CFC sehr verbunden – und bekommt seinen eigenen Abschied. Wo ist das Problem? Die Erde hat sich weitergedreht, die Sonne ist auch am nächsten Tag wieder aufgegangen. Daß er ein stadtbekannter Hooligan war – na und? Was hat das mit seinem Ableben zu tun? Darf er darum nun auch keine Beerdigung oder Trauerrede bekommen? Mann Mann Mann

14.03.2019 14:21 Karl-Marx-Städter 7

Wäre dieser Vorfall irgendwo in einer Wessi-Pampa gewesen würde nicht so ein Rummel betrieben werden. Hier wird wieder so getan als wenn die Hooligan-Szene und der Rassismus in Chemnitz erfunden wurde. Die Geschehnisse im August,das passt alles wunderbar zusammen.Wenn ihr alle so schlau seid, forscht doch mal nach wie viele aus Chemnitz wirklich angereist waren. Das war unzensiert um uns Chemniter zu schaden

14.03.2019 13:43 Morchelchen 6

Gab es in der BRD nicht schon immer Hooligans, Grufties und Punks? Also ich kann mich gut daran erinnern, nach der Wende erstmals was von Hooligans gehört zu haben. Während Punks in der DDR im Straßenbild größerer Städte bereits sichtbar waren. Ist aus den ehemaligen Hooligans erst durch die Wende so eine Massenbewegung entstanden, die man uns jetzt offeriert? Oder wird da ebenfalls übertrieben? Man weiß wirklich nicht mehr, was man noch glauben soll oder kann...

14.03.2019 13:00 Hobbykicker 5

Ganz starker Auftritt von Sobotzik in der PK! Er hat die Situation genauestens beschrieben und analysiert. Siemon sollte demnächst nur noch ihn reden lassen und sich nur noch um das geschäftliche kümmern.

14.03.2019 12:41 Versagen der Politik 4

Das sieht doch alles nur nach der Spitze eines Eisbergs aus, unter dessen Wasserlinie noch ganz anderes Gedankengut schlummert.

14.03.2019 12:25 egal 3

ich weis nicht was da für ein aufstand gemacht wird weil einen auch wen er in einer zene ist was nicht allen gefallen tut ich hab mit leuten ausder rechten zene ist auch nicht viel zu tun. aber ich bin der Meinung das jeder das recht hat seine ehre zu bekommen. und etwas zu den spieler der das t Shirt hoch gehalten hat, ich weiß nicht was daran so schlimm ist wen mann ein tor gemacht hat sich freut und im jubel vor Freude daran denkt das er gerade etwas falsch macht. ich gehe mal davon aus das die jenigen die ihn da jetzt einen strick daraus ziehen wollen auch nicht unbedingt andersgehandelt hätten.

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