exakt | 13.06.2018 Gewalt gegen geflüchtete Frauen

Für geflüchtete Frauen, die von ihren Ehemännern geschlagen und misshandelt werden, ist die Trennung oft eine große Hürde. Viele der betroffenen Frauen fühlen sich hilflos. Scham und Angst vor Gerede und weiteren Übergriffen hemmen sie, ihre Rechte einzufordern.

Manar zeigt Handyfotos, die ihre Misshandlungen dokumentieren: Hals, Arme, Teile des Gesichts - blutig geschlagen, mit Blutergüssen übersäht. Das Martyrium begann schon vor der Flucht, erzählt die 35-Jährige, die mittlerweile in Sachsen lebt: "Das erste Mal, dass wir uns gestritten haben und er mich schlug, war einen Monat nach der Hochzeit." Nach der Heirat habe er sich vollkommen verändert, es habe einfach keinen Spielraum mehr für Diskussionen gegeben.

Die Schläge wurden für Manar zur Normalität. Selbst nach banalen Streitigkeiten prügelte er auf sie ein, mit Gürteln, Holzstücken und anderen Gegenständen. Eines Abends riefen die Nachbarn aufgrund des Lärms Polizei und Krankenwagen. "Das war das erste Mal, dass ich um Hilfe gebeten habe", sagt Manar. Sie entschloss sich zur Flucht in ein Frauenhaus.

Dabei hatte die Mutter zweier Söhne lange versucht, die Gewalttätigkeit ihres Mannes geheim zu halten. In der arabischen Welt aber hat der gute Ruf einer Familie einen besonders hohen Stellenwert. Konflikte sollen nicht nach außen dringen. 

Der soziale Druck ist groß

Kerstin Kupfer, Wegweiser e.V.
Kerstin Kupfer von der Interventionsstelle Wegweiser. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kerstin Kupfer von der Interventionsstelle Wegweiser e.V. kennt diese Ohnmacht von Frauen wie Manar. In den Beratungsgesprächen treffe sie oft Frauen, die trotz der Gewalt Angst davor haben, aus dem familiären System ausgeschlossen zu werden oder im Fall einer Trennung oder einer Offenlegung der Gewalt Druck aus der eigenen Familie fürchten.

Manar will nicht erkannt werden aus Angst, dass ihr Mann sie ausfindig macht. In den meisten muslimischen Herkunftsländern wird den Vätern im Falle einer Trennung das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder zugesprochen. Frauenhäuser bieten deshalb erstmal einen gesetzlichen Schutzraum. Inzwischen gibt es in Sachsen ein Schutzhaus speziell für geflüchtete Frauen.

Hilfsangebote aber wie etwa die Finanzierung von Dolmetschern oder die Kinderbetreuung, werden in jedem Bundesland anders gehandhabt. Sachsens Ministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping (SPD) wünscht sich da mehr Einheitlichkeit.

Petra Köpping
Petra Köpping (SPD), sächsische Ministerin für Gleichstellung und Integration. Bildrechte: dpa

Wir sind jetzt den Schritt gegangen, dass wir Investitionen fördern und dass wir eine bestimmte Betreuung, wie die Kinderbetreuung, mitfinanzieren. Das haben nicht alle Bundesländer.

Manar hat ihren Mann angezeigt, will sich scheiden lassen. Sie ist als Bürgerkriegsflüchtling anerkannt und besucht derzeit einen Deutschkurs. Danach will sie sich Arbeit suchen. Andere Frauen - aus dem Libanon zum Beispiel – haben es noch schwerer. Wird ihr Asylanatrag abgelehnt, droht die Abschiebung ins Heimatland. Und dort wiederum die Rache des Ehemanns, der Familie - und sogar die Wegnahme der Kinder.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 13. Juni 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 10:45 Uhr

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1 Kommentar

14.06.2018 06:36 Sachse43 1

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