Außenansicht eines Hauses hinter Tannen.
In diesem Heim lebt der Sohn von Andreas O. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kampf ums Kind

Ein Kind lebt bei seiner Mutter. Als sich diese nicht mehr um ihren Sohn kümmern kann, will ihn der Vater zu sich holen. Doch das Jugendamt greift ein und bringt ihn ins Heim.

Außenansicht eines Hauses hinter Tannen.
In diesem Heim lebt der Sohn von Andreas O. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einmal in der Woche, immer Donnerstag abends, darf Andreas O. seinen Sohn anrufen. Der 10-Jährige lebt schon seit mehr als anderthalb Jahren im Kinderheim. Tatsächlich sehen können sie sich aber noch viel seltener: nur jedes dritte Wochenende. Für Vater und Kind ist das eine belastende Situation. Immer wenn die gemeinsame Zeit zu Ende geht, werde der Junge traurig und in sich gekehrt, sagt der Vater. „Er fragt dann regelmäßig, wie viele Stunden wir noch haben, wann wir wieder los müssen?"

Ein blonder Mann mit brauner Weste im Interview.
Andreas O. kämpft darum, seinen Sohn betreuen zu dürfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Andreas O. kämpft darum, dass sein Kind bei ihm wohnen darf. Er versteht nicht, warum das nicht geht. Vor Jahren trennten sich die Eltern, das Kind blieb zunächst bei der Mutter. Doch sie ist -  je älter der Junge wird - zunehmend überfordert.  Das Jugendamt schaltet sich ein. Das Gericht bestellt einen Vormund. Der macht sich ein Bild vom Vater, besucht ihn zu Hause, schaut sich das Kinderzimmer an. „Er sagte, es ist ja super hier, hat alles gelobt und gesagt, dass kindgerechtes Heranwachsen gut möglich sei“, erinnert sich Andreas O..

Bedenken von Seiten Behörden kommen zunächst keine: ein eigenes Haus, viel Platz zum Spielen, ein gesichertes Einkommen, sogar die Großeltern im Nachbarort. Die Zeichen stehen gut. Andreas O. freute sich auf seinen Sohn. Der Bundesbeamte beim Zoll bekommt sogar einen Tag Homeoffice pro Woche genehmigt.

Ein kleiner Junge hält stolz eine große Plüsch-Eule in die Kamera. Neben ihm kniet ein Mann und hinter ihm steht ein älteres Pärchen und lächelt in die Kamera.
Ein Bild aus glücklichen Tagen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch dann die überraschende Wendung: Das Kind darf plötzlich doch nicht zu seinem Vater und landet wenig später im Heim. Für den Vater unerklärlich: "Ich habe mehrfach den Vormund befragt, aber ich habe nie eine wirkliche Antwort bekommen, dass mich irgendetwas disqualifiziert hätte in der Sache", sagt er.

Der Vater hat das Sorgerecht, darf sich aber nicht kümmern

Jugendamt und Gericht  berufen sich bis heute auf ein familienpsychologisches Gutachten von 2015. In dem steht, dass der Lebensmittelpunkt des Kindes bei der Mutter bleiben sollte. Der Umgang zwischen Vater und Sohn aber sollte ebenfalls bestehen bleiben. Warum der Vater aber als nächster Angehöriger nicht automatisch das Kind in Obhut nimmt, erklärt sich in keiner Weise.

Denn als die Mutter dann nicht mehr in der Lage ist, für das Kind zu sorgen, entscheidet der Vormund, den Jungen ins Heim zu geben. Der Vater, obwohl sorgeberechtigt, hat nichts zu sagen, da er nicht das so genannte Aufenthaltsbestimmungsrecht hat. Ein Skandal, finden Experten.

Ein Herr mit grauen Haaren und grauem Bart im Interview vor einem Regal voller Akten.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich kann dem Gutachten nicht entnehmen, wo Defizite, die letztendlich es rechtfertigen, den Vater oder die Lebenswelt des Vaters einschließlich Großeltern, so auszublenden, gerechtfertigt wären.

Professor Werner Leitner, Psychologe

Als Andreas O. erfährt, dass er als geeigneter Erzieher ausgeschlossen ist, reicht er im Januar 2018 vor dem Amtsgericht in Pirna Klage ein. Er will endlich seinen Sohn aus dem Heim holen. Doch die Verhandlung läuft ganz anders, als er es erwartet hatte. Der Jugendamtsmitarbeiter sagte aus, dass der Vater gegen deutsches Recht verstoßen würde, dass er Waffen besitzen würde. Andreas O. glaubt seinen Ohren nicht zu trauen.  Zudem soll er der Heimunterbringung stillschweigend zugestimmt haben. Was er ebenfalls widerlegen kann.

Der Vater zeigt den Jugendamtsmitarbeiter wegen Verleumdung an. Zudem kommt nach MDR exakt-Recherchen heraus, dass der Jugendamtsmitarbeiterim Internet mit Jagdwaffen posiert. Jugendamt und Amtsgericht geben dazu keine Auskunft. Nachdem bekannt wurde, dass ein Filmteam außerhalb des Kinderheims drehte, legte das Jugendamt ein neu angedachtes Hilfeplangespräch sofort auf Eis. Eine Einigung ist bisher nicht in Sicht.

Andreas O. ist ratlos. Sein Sohn ist immer noch im Kinderheim. Seit nunmehr 18 Monaten. Er wird weiter um ihn kämpfen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 02. Mai 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 17:39 Uhr

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9 Kommentare

03.05.2018 22:57 Andre 9

Wie in den ("guten") alten DDR-Zeiten,

der Jugendamtsmitarbeiter behauptet irgendetwas, man kann nachweisen, dass es nicht stimmt - aber diese Entdeckung von Lügen hat keine praktische Folge.
Man beruft sich auf nicht-zu-hinterfragende "hochheilige" Gutachten, Theorien und "stets korrekte" Amtsakten - zu denen es heute wie damals kein Auskunftsrecht für die Erziehungsberechtigten gibt.

Es ist erbärmlich, wie sehr das Denken über
M-A-C-H-T über anderer Leute Kinder
teilweise noch in Amtsstuben überlebt hat.

Hoffentlich erstellt der Herr O. eine Onlinepetition.

Weitere Tipps:
* Schmerzensgeld wegen Kindesentzug[implizit § 235 StGB Entziehung Minderjähriger]
(LG München I, 07. 01.2009 - 9 O 20622/06;
LG Mainz, 30.06.2015 - 2 O 223/14)
* sachfremde (=rechtsstaatswidrige) Einweisungsentscheidung bei aufnahmebereitem Vater (KG Berlin, 21.11.2013 - 2 Ws 177/11 REHA, 2 Ws 491/13 REHA; hier DDR-Schweiz); äquivalente DDR-interne Reha-Beschlüsse existieren auch

mfg Andre

03.05.2018 22:06 Brit 8

Schwierig....der Vater hat schon sehr lange gewartet. wenn der Vater das Kind wirklich will - dann Anwalt einschalten (aus einer anderen Stadt), ruhig bleiben und das Kind herausklagen -egal welche Anfeindungen kommen. Hat auch bei Fam. Warnke oder dem Baby aus Solingen sehr gut geklappt. Viel Glück.

03.05.2018 15:35 Wolfgang 7

@Becker
Ich habe schon regelrecht darauf gewartet, dass sich eine Mutter meldet und sofort ruft, schaut her, mir ist es auch passiert. Und gleich noch die Klischeekeule des gewalttätigen Mannes hinterher.

Das Bild, dass wir eine strukturelle Männerdiskriminierung im Familienrecht haben, darf gar nicht erst entstehen. Nur zeigt die Statistik leider ein ganz anderes Bild. Das Narrativ, das Kind gehört zur Mutter und Väter sind nicht in der Lage sich zu kümmern, ist leider tief in der Gesellschaft verwurzelt.

03.05.2018 14:10 Juri Frido Pohlmeier 6

Hallo Andreas O.,
ich kann dir anfühlen, wie das ist, wenn man als Vater sein Kind nicht sehen darf bzw. weggenommen wurde. Denn ich bin selber in dieser Notlage. Mein noch 10-jähriger Sohn leidet sehr unter der amtlich organisierten gewaltsamen Trennung, die man Obhutsnahme nennt zum Kindeswohl. Dabei wird das Kindeswohl nicht bedacht und seiner Angehörigen. Nur das Wohl der Mitarbeiter des Jugendamtes und des Heimes. Da werden gewaltige Steuergelder verbrasst für Gefährdung unserer Zukunft, als für unsere Kinder. Denn unsere Kinder sind unsere Zukunft. Und der Staat schaut nur zu. Löscht auch nicht die §§ 1666 und 1666 a des BGB. Was die Jugendämter für ihren Terror gegen unsere Kinder und deren Angehörigen nutzen. Wir müssen an unsere Kinder denken zum Wohle unserer Kinder und alle die unsere Kinder lieben. Denn in den Heim geht es sehr eigenartig um. Auch Medikamenteneinsatz gehört dazu. Dies beweisen auch Statistiken. Auf das unsere Kinder nicht mehr leiden müssen.

03.05.2018 12:46 Andre 5

Wie in den ("guten") alten DDR-Zeiten,

der Jugendamtsmitarbeiter behauptet irgendetwas, man kann nachweisen, dass es nicht stimmt - aber diese Entdeckung von Lügen hat keine praktische Folge.
Man beruft sich auf nicht-zu-hinterfragende "hochheilige" Gutachten, Theorien und "stets korrekte" Amtsakten - zu denen es heute wie damals kein Auskunftsrecht für die Erziehungsberechtigten gibt.

Es ist erbärmlich, wie sehr das Denken über
M-A-C-H-T über anderer Leute Kinder
teilweise noch in Amtsstuben überlebt hat.

Hoffentlich erstellt der Herr O. eine Onlinepetition.

Weitere Tipps:
* Schmerzensgeld wegen Kindesentzug[implizit § 235 StGB Entziehung Minderjähriger]
(LG München I, 07. 01.2009 - 9 O 20622/06;
LG Mainz, 30.06.2015 - 2 O 223/14)
* sachfremde (=rechtsstaatswidrige) Einweisungsentscheidung bei aufnahmebereitem Vater (KG Berlin, 21.11.2013 - 2 Ws 177/11 REHA, 2 Ws 491/13 REHA; hier DDR-Schweiz); äquivalente DDR-interne Reha-Beschlüsse existieren auch

mfg Andre

03.05.2018 09:46 Thomas Penttilä 4

Das hier ist ein ganz typischer Fall. Das Kind wird bei Trennung der Mutter zugesprochen obwohl ersichtlich ist, dass sie (etwa aufgrund einer psychischen Erkrankung) nicht in der Lage ist, das Kind zu betreuen.

Als die Betreuung dann wirklich durch die Mutter nicht mehr erfolgen kann, kommt das Kind ins Heim statt zum Vater. Dies wird mit einem Falschgutachten und Falschaussagen vom Jugendamt begründet. Laut ständige Rechtsprechung haben die Jugendämter das Sonderrecht vor Familiengericht zu lügen.

Jährlich kommen ca. 200.000 Trennungskinder hinzu, davon werden ca. 14.000 Trennungskinder beim Vater untergebracht. In Obhut genommen werden aber ca. 29.000. Das Risiko ins Kinderheim zu kommen ist doppelt höher als die Chance, zum Vater zu kommen.

03.05.2018 00:39 Kristina Becker 3

Das kommt mir nur zu bekannt vor. Bei uns lief es ähnlich, allerdings wurde mir als Mutter zunächst grundlos und ohne das Vorliegen einer Kindeswohlgefährdung zuerst das Sorgerecht und später meine Tochter weggenommen. Sie wurde in ein Kinderheim gesteckt und musste nach 15 Monaten gegen ihren Willen zu ihrem Vater. Der war überfordert, schlug sie und brachte sie dann wieder in ein anderes Kinderheim.
Jetzt musste sie wieder zu ihm zurück.

02.05.2018 23:25 part 2

Keine Mafia ohne Staat und manch privater Heimbetreiber provitierte bisher von diesem Prinzip oder der laschen Führungsaufsicht durch staatliche Stellen. Es ist schließlich allerhand Geld zu verdienen über längere Zeit an Kindern, die den Eltern genommen werden dürfen. Manche Fälle landeten sogar schon vor dem Europäischen Gerichtshof und wurden zu Gunsten der Eltern entschieden.

02.05.2018 22:32 klaus pfister 1

Ganz einfach dieses Verbrechen auszugleichen, ein Besuch mit Wather PPK und der Junge wird vom "Heim" befreit!