exakt | 06.02.2019 Kein Taxi für Seniorin: Wenn der Weg zum Arzt unmöglich wird

Um zu einem Spezialarzt zu gelangen, ist Elke Seifert auf ein Taxi angewiesen. Doch obwohl die Seniorin gehbehindert ist, will ihre Krankenkasse die Fahrtkosten nicht tragen.

Eine Seniorin mit einem Rollator 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Elke Seifert aus dem sächsischen Glauchau ist verzweifelt. Eine schwere Wirbelsäulenkrümmung, ausgelöst durch ihre Parkinsonerkrankung, bereitet der 70-Jährigen beim Gehen große Schwierigkeiten. Sie ist auf ihren Rollator angewiesen. Jeder Schritt ist schmerzhaft, Bordsteine sind für sie kaum überwindbar, Bus- und Bahnfahren ausgeschlossen, was auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung bestätigt.

Taxi am Straßenrand
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Die einzige Möglichkeit zu einem ärztlichen Orthopädie-Spezialisten in Dresden zu gelangen, der sie zweimal im Jahr ambulant behandelt, wäre mit dem Taxi. Doch die Kosten von knapp 300 Euro kann sie sich nicht leisten und ihre Krankenkasse weigert sich, diese zu übernehmen – trotz ärztlicher Verordnungen. Gezahlt würden die Gebühren, so teilt ihre Versicherung mit, nur in Ausnahmefällen oder bei einer Einzelfallentscheidung.

Medizinische Voraussetzungen nicht erfüllt

Dr. Stefan Zwingenberger würde Frau Seifert gerne zweimal im Jahr sehen und behandeln.
Dr. Stefan Zwingenberger würde Frau Seifert gerne zweimal im Jahr sehen und behandeln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dafür müsste sie zum Beispiel als „außergewöhnlich gehbehindert“ – kurz aG – eingestuft werden. Doch für dieses begehrte Kürzel, das beispielsweise Querschnittsgelähmte oder Doppeloberschenkelamputierte erhalten, sind die Regularien äußerst streng. Nur jeder vierte Antrag wurde in Sachsen im vergangenen Jahr genehmigt. Auch ihr Bescheid fiel negativ aus, da sie nicht der gewöhnliche Einzelfall sei.

Ein zweiter Weg, um die Fahrtkosten erstattet zu bekommen, wäre eine Höherstufung ihres Pfleggrades. Doch für den Pflegegrad 3 sei sie wiederum zu selbstständig, heißt es. Abermals fällt Elke Seifert durchs Raster. „Da kommt man sich verloren vor und wie ein Bettler“, sagt sie. „Im Grunde genommen fällt mir alles schwer, wenn ich ehrlich bin. Aber ich will mir ja nicht mit allen helfen lassen, das wird manchmal falsch verstanden, aber der Selbsterhaltungstrieb ist ja auch da.“

Nachdem „MDR exakt“ bei ihrer Kasse nachgefragt hat, schickte diese einen neuen Antrag an Frau Seifert, um den Fall noch einmal zu prüfen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 06. Februar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2019, 18:40 Uhr

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6 Kommentare

15.02.2019 09:22 Reinhard Leopold 6

Tragische Geschichte + nicht nachvollziehbare Enntscheidungen der KK ... Dennoch gibt es einnen anderen Lösungsansatz:

Der Arzt in der Klinik in Dresden könnte eine VO für den Krankentransport zur Untersuchung ausstellen und damit begründen, dass sie aufgrund ihrer Behinderung das braucht. Dann würde vermutlich die KK das bewilligen.

In einem ähnlichen Fall habe ich das für eine pflegebedürftige Person in Niedersachsen so erreicht. Die Kosten für Taxifahrten (hin + zurück) wurden von der KK nach Vorlage der Quittungen und der VO anstandslos erstattet.

14.02.2019 21:00 Amira Copperfield 5

Ein unmenschliches Gesundheitssystem, menschenverachtend und asozial. Das ist unsere Politik. Sie schützt Verbrecher und lässt alte und kranke erbarmungslos fallen. Wer keine Leistung mehr bringt ist nichts wert. Danke, wenn ich sowas sehe tut mir jeder Cent Steuer weh den ich je bezahlt habe. Mich widert diese ganze Sippschaft in der Politik nur noch an.

08.02.2019 13:56 Eva- Maria Steinkuhl 4

Diese Frau hat ihr ganzes Arbeitsleben lang als Krankenschwester gearbeitet, hat liebevoll ihre Patienten versorgt, bis sie selbst auf Hilfe angewiesen war. Es ist eine Schande!!

07.02.2019 08:45 Mikro 3

Ich hoffe der Frau wird geholfen.Ein ganzes Leben gearbeitet und nun krank und allein gelassen.Es gab vor einiger Zeit im MDR einen Bericht über Taxifahrten unserer willkommenen Neubürger.Die wurden mit dem Taxi von Leipzig glaub ich nach Chemnitz gefahren.Taxifahrer wartete dann ging’s zurück.Waren glaub ich ein paar hundert Euro.Vieleicht ist von dem großen Topf noch was über.Bestimmt hat die Dame ordentlich mit eingezahlt.MdR bitte dranbleiben.Mich würde schon interessieren,ob hier bestimmte Leute besser versorgt werden als Einheimische schon immer hier Lebende.

07.02.2019 06:49 Praxis 2

Da habe ich einfach keine Worte. Wenn man Menschen in Raster presst,dann kommt es zu solchen unwürdigen Entscheidungen.Gesunder Menschenverstand würde helfen,Ausnahmeregelungen möglich zu machen.Da aber alles nur ums Geld geht,sich alles rechnen muss,kann es nicht funktionieren.

06.02.2019 22:05 malü 1

irgendwie beschleicht einem bei solchen Meldungen ein Gefühl gepaart aus Wut und Unverstädnis gegenüber politischen Entscheidungen. Bei intensiver Betrachtung aller Nachrichten bekommt man langsam einen dicken Hals . Es gibt mittlerweile eine Tendenz wo viele Leute auf eine Wende der grünen sozialparanoiden pseudoumweltgetreuen Politik hoffen. Und bei der aktuellen Politik wird der Osten bei den nächsten Landtagswahlen wieder eine Wende einleiten. Schade dass es zu wenigen Meuthen gibt,,