exakt | 06.03.2019 "Topf Secret": Restaurant-Hygieneberichte für jedermann abrufbar

Hygienemängel in Restaurants bleiben dem Kunden in der Regel verborgen. Doch nun können Interessierte über ein neues Web-Portal die behördlichen Hygieneberichte anfragen. Gastronomen sind alles andere als begeistert.

Schmutzige Lebensmittelbehälter, offene Stellen in den Wänden, ungekühltes Hackfleisch - Sibylle Bießmann ist Lebensmittelkontrolleurin und hat täglich mit solchen Verstößen gegen Hygienevorschriften zu tun. Sie kann Geldstrafen gegen Gastronomiebetriebe verhängen und die Betriebe im schlimmsten Fall auch dicht machen. Die Ergebnisse ihrer Inspektionen hält sie in Berichten fest, die bisher für die Öffentlichkeit kaum zugänglich waren. Doch das will der gemeinnützige Verein Foodwatch gemeinsam mit der Initiative FragDenStaat nun ändern.

"Topf Secret"

Das neue Online-Portal "Topf Secret" hilft Privatleuten, sich zum Beispiel über die Hygienebedingungen im Lieblingsrestaurant zu informieren. Man kann auf der Seite eine Anfrage stellen, die von dem Portal an die Behörden weitergeleitet wird.

Dario Sarmadi, Foodwatch
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Topf Secret ist eigentlich eine Notwehrmaßnahme, weil die Diskussion nicht vorankommt. Wir wollen mit dem Portal zum einen Licht ins Dunkel bringen bei den Lebensmittelkontrollen. Wir wollen aber auch Druck ausüben auf die Politik, dass sich etwas ändert.

Dario Sarmadi Foodwatch

Tatsächlich sind die Restaurant-Hygienebedingungen in Deutschland intransparent. Dennoch sind Branchenvertreter und auch Lebensmittelkontrolleurin Bießmann nicht begeistert von dem neuen Portal.

Sibylle Bießmann, Lebensmittelkontrolleurin
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich habe Bedenken einer Fehlinterpretation durch Verbraucher, wenn die so einen Kontrollbericht sehen. Die können Dinge überbewerten, die können das gar nicht genau einschätzen, weil Ihnen die Fachkompetenz fehlt.

Sibylle Bießmann Lebensmittelkontrolleurin

Smiley-System könnte Verbesserung bringen

Christian Reuter vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband kritisiert die Plattform als Internetpranger. Problematisch sei außerdem die Aktualität: Ein normalerweise sauber Betrieb könnte durch eine einzige, schlechte Kontrolle als Schmuddelbetrieb in Verruf geraten.

Bießmann und auch Foodwatch hätten am liebsten ein Smiley-System. So würde direkt an der Tür der Betriebe durch ein einfaches Symbol sofort Auskunft über die Hygienezustände gegeben. In Dänemark funktioniert dieses System bereits gut. Seit Einführung im Jahr 2002 hat sich die Zahl der sauberen Betriebe deutlich erhöht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 06. März 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2019, 16:21 Uhr