exakt | 24.10.2018 Gewinnbringende Scheinehe

Schleuser verdienen damit ihr Geld, Menschen illegal nach Europa zu bringen. Eine Methode: Scheinehen arrangieren und dafür enorme Summen zu erhalten.

Eine Einraumwohnung in einem heruntergekommenen Mietshaus in Prag. Hier wohnt Magdalena V. mit ihren vier Kindern in einfachen Verhältnissen. Nach Recherchen von MDR-exakt ist sie seit Dezember 2015 mit einem Pakistaner verheiratet, eine Eheurkunde bezeugt das. Eine Liebesheirat sei das gewesen, beteuert die 41-Jährige. "Er hat mir gesagt, dass ich ihm gefalle", sagt Magdalena V . Auch dass sie 12 Jahre älter ist, habe ihm nichts ausgemacht. Er habe ihr sogar mit ihren vier Kindern helfen wollen, erinnert sie sich.

Arrangierte Scheinehen sind eine Methode

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Arrangierte Scheinehen sind eine Schleuser-Methode, erklärt Markus Pfau von der Bundespolizei Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schleuser organisieren für Geflüchtete die Einreise nach Europa. Arrangierte Scheinehen sind dabei eine Methode. Vor allem Inder und Pakistanis seien in diesem Geschäft aktiv, sagt Markus Pfau von der Bundespolizei Halle. Das laufe im Regelfall über Visa für einen Kurzaufenthalt in Europa. "Hier wird dann die Scheinehefrau auch hier vornehmlich aus dem osteuropäischen Ausland zugeführt", so Pfau.

Magdalena V. bestreitet, dass es sich um eine arrangierte Ehe handele. In welcher Sprache sich die Tschechin mit ihrem pakistanischen Mann unterhalten hat, will sie jedoch nicht verraten. Ein Foto ihres Ehemannes besitzt sie ebenfalls nicht. Angeblich habe sie ihn über die Freundin einer Freundin in Deutschland kennengelernt. Geheiratet wurde in Dänemark. Warum ausgerechnet dort, kann oder will sie nicht beantworten.

Nach ihrer Heirat melden sich Magdalena V. und ihr Ehemann bei der Ausländerbehörde in Zittau an. Magdalena V. legt neben einem Mietvertrag für eine Wohnung in Löbau auch einen Arbeitsvertrag mit einer Textilfirma aus der Nähe von Frankfurt am Main vor.

Das Geschäft mit dem Aufenthaltsstatus

Laut Markus Pfau von der Bundespolizei organisieren diese sogenannten Schleuser auch die entsprechende Bescheinigung über Erwerbstätigkeit für die osteuropäische Ehepartnerin: "Das Ganze zum Schein und dann zum Schein eine Anmeldung bei der zuständigen Meldebehörde - beides sind Voraussetzungen hier eine EU-Aufenthaltskarte zu bekommen."

Die EU-Aufenthaltskarte gilt dann auch für die frisch gebackenen Ehemänner aus Indien und Pakistan. Damit können sie völlig legal in Deutschland leben. Die Ehe hat an dieser Stelle für beide Seiten ihren Zweck erfüllt. Von echter Zuneigung ist da keine Spur. Magdalena V. hat schon seit einem Jahr nichts von ihrem Ehemann gehört. "Ich weiß nicht, wo er ist. Also, das war keine Scheinehe oder so. Also vielleicht von seiner Seite aus. Aber für mich klang das so, dass er mich mag."

Mehrere Pizzerien im Visier der Ermittler

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m Visier der Ermittlungen stehen die Inhaber mehrerer Pizzerien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Visier der Schleuser-Ermittlungen stehen in Sachsen die Inhaber mehrerer Pizzerien. Sie sollen Arbeitsverträge für Frauen aus Tschechien und Rumänien bereitgestellt haben, damit sie sich in Deutschland nach der Heirat legal anmelden können. So auch der Inhaber der Bollywood-Pizzeria in Leipzig.

Doch er streitet alle Vorwürfe ab. Zwar hätten zwei Frauen aus Tschechien bei ihm gearbeitet, aber mit Arbeitserlaubnis – daran wäre nichts Verwerfliches. Die Ermittlungen gegen ihn und 33 weitere Personen laufen. Nach Erkenntnissen der Bundespolizei kostet das Arrangieren einer Scheinehe und das Bereitstellen von Arbeits- und Mietverträgen durch den indisch-pakistanischen Schleuserring zwischen 15.000 bis 22.000 Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 24. Oktober 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 20:37 Uhr