FAKT | 05.03.2019 Der Blutdoper

Der Thüringer Arzt Mark Schmidt soll Spitzensportler im großen Stil gedopt haben: mit ihrem eigenen Blut.

Doping-Opfer 6 min
Bildrechte: MDR im Ersten

Ende Februar 2019 heben deutsche und österreichische Ermittlungsbehörden während der Ski-Weltmeistermeisterschaft im österreichischen Seefeld einen internationalen Dopingring aus den Angeln. Im Zentrum der Ermittlungen steht Mark Schmidt aus Erfurt. Der Vorwurf gegen den 40-Jährigen: Organisiertes Blutdoping von Spitzensportlern.

Hans-Michael Holczer kennt Mark Schmidt aus dessen Anfangsjahren. Der Teamchef des später skandalgebeutelten Gerolsteiner Radrennstalls verhalf dem jungen Arzt zu seinem ersten Job im Spitzensport. 2005 holte er den damals Mitte-20-Jährigen ins Team. „Für mich war es eine Gelegenheit, einen jungen, unbelasteten Arzt mit meinen Zielen vertraut zu machen und zu schauen, dass er unseren Zielen im Team dann wirklich auch folgt“, sagt Holczer. 

Doch die Fassade des jungen, sauberen Arztes hält nicht lange. Zwei prominente Radsportler des Gerolsteiner-Teams werden des Dopings überführt. Einer von Ihnen: Stefan Schumacher. Der wird wegen Betruges vor dem Landgericht Stuttgart angeklagt und später freigesprochen. Das Gericht stellt fest: Mark Schmidt kann nur von dem Doping gewusst haben.

Die Königsdisziplin des Dopens

Die Doping-Methode damals wie heute: Eigenblutdoping. Experten wie der Molekularbiologe Werner Franke sprechen von der saubersten Art des dreckigen Geschäfts.

Älterer Mann
Werner Franke Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es wird Blut genommen von dem Sportler und dann gespeichert. Wenn es dann wieder zurückgegeben wird, hat derjenige aber deutlich mehr rote Blutkörperchen, kann deutlich mehr Sauerstoff speichern und das ist die Basis für die Ausdauerleistung.

Molekularbiologe Werner Franke

Blutdoping lässt sich schwer, manchmal sogar gar nicht mehr nachweisen. Es ist die Königsdisziplin des Dopens.

Blutbeutel
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Mark Schmidt kann es sich im Radsport aus nächster Nähe anschauen. Später wechselt Schmidt in die Praxis seiner Mutter in Erfurt. Beim Landessportbund Thüringen wird diese Praxis bis letzte Woche als „lizensierte Untersuchungsstelle“ geführt. Nachwuchssportler wie der Erfurter Kanuslalom-Athlet Felix Hinkfuß werden dort behandelt und untersucht. Die Empörung ist groß.

Junger Mann
Felix Hinkfuß Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Man hat ihm ja auch vertraut. Wenn jemand, der einen jahrelang untersucht hat, sowas macht, dann ist es schwierig - auch anderen Ärzten, vor allem Sportärzten, die speziell auf sowas gucken, zu vertrauen.

Felix Hinkfuß, Kanuslalom-Ahtlet

Dabei konnte sich Schmidt lange Zeit in seinem Umfeld sicher fühlen. Auch sein Vater engagierte sich im Thüringer Sport. Der Rechtsanwalt war lange Jahre Vorstandsmitglied der Thüringer Sporthilfe, Rechtswart im Thüringer Skiverband sowie Vorsitzender des Schiedsgerichts des Landessportbundes Thüringen. Der überlegt angesichts der aktuellen Vorwürfe, ihm umgehend eine Ehrung des LSB Thüringen aus dem Jahr 2009 abzuerkennen. Außerdem war der angesehene Jurist bis Mitte vergangenen Jahres  Partner der Erfurter Kanzlei Spilker und Collegen. Namensgeber ist der verurteilte Doping-Trainer Heinz-Jochen Spilker.

Mark Schmidt dagegen schaffte seinen eigenen Einstieg in das Doping-Geschäft offenbar mithilfe eines bereits überführten Blutdopers. Der einstige Sportmanager Stefan Matschiner organisierte selbst Blutdoping und gab sein Doping-Equipment, das er vor zehn Jahren selbst bei seinen Athleten benutzte, an Mark Schmidt weiter.

Schmidt will seinem Anwalt zufolge im anstehenden Prozess vollumfänglich aussagen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 05. März 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 16:36 Uhr

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7 Kommentare

08.03.2019 15:31 Konrad 7

Der neue Präsident des LSB tut mir leid. Er muss den Doping-Sumpf, den andere im LSB zu verantworten haben, der Öffentlichkeit erklären. Doch bei der doping- und stasibelasteten Geschäftsführung des LSB und den "Pöstchen", die der verhaftete Vater des Arztes und dessen Anwaltskollege im LSB innehatten, wundert micht ehrlich gesagt nichts mehr. Der LSB konnte schon immer wichtige "Sympathiesanten" um sich scharen. Erst kürzlich haben die Abgeordneten der Koalitionsfraktionen im Landtag das neue Sportfördergesetz "aus der Feder des LSB" verabschiedet. Kritische Stimmen hierzu wurden - dem LSB wohlwollend - "unter den Tisch gekehrt". Vielleicht rüttelt der aktuelle Skandal auch die Politiker unseres Landes, egal welcher Partei diese angehören, endlich wach und der "Lobgesang auf den LSB" hat ein Ende.

07.03.2019 19:41 Ernst 6

Sehr geehrte Damen und Herren von "Fakt",
heute kann ich ihnen berichten, dass die Jagd auf die Praxis Schmidt, samt aller dort arbeitenden Personen, eröffnet ist! Fahrzeuge, auch mit ausländischen Kennzeichen, umlagern das Umfeld der Praxis und halten ihre Beobachtungen per Foto od. Video fest. Selbst vor Eintritt in die Praxis wird kein Halt gemacht und somit das Praxispersonal und Patienten verunsichert u. verschreckt. Jegliche Tabus werden gebrochen. Menschen, die hier wohnen oder sich in der Nähe befinden werden belästigt oder gefilmt.
Eine unzumutbare Situation!
Was denken sie zu tun, damit diesem Treiben ein Ende gesetzt wird?
Es besteht dringender Handlungsbedarf!

06.03.2019 21:38 Ernst 5

Ist ihnen überhaupt bewusst, was sie mit ihrer Sendung losgetreten haben? Ich rede hier nicht über den Arzt, sondern vielmehr über die Menschen in seiner Umgebung. Mit der Angabe von Namen, Adresse und Telefonnummer haben sie massiv gegen das Datenschutzgrundgesetz verstoßen und verletzen somit die Persönlichkeitsrechte anderer, nicht beteiligter, Menschen. Ich denke an die Schwestern, die in der Praxis arbeiten, an die junge Ärztin im Praktikum, an die Mutter von Mark S. und an die Familie mit Kindern, die eine Wohnung über der Praxis hat. Sie werden in Zukunft keine Ruhe finden, Telefonterror u. anonyme Post werden an der Tagesordnung stehen. Skandalös!
Ich kann auch nicht gut heißen, was dieser Arzt getan hat, aber niemand hat das Recht, diesen Mann wie einen Schwerverbrecher zu behandeln.
Mit der Beschaulichkeit u. Ruhe in unserer kleinen Wohnsiedlung ist es nun vorbei! Das ist fakt!!!

06.03.2019 19:27 Martha 4

Die Würde des Menschen ist unantastbar!
Das scheinen sie in ihrer Dokumentation vergessen zu haben! Wie hier der Arzt M. S. bloßgestellt wird ist widerlich! Ein Mörder wird in den Medien mehr geschützt und sein Gesicht wird unkenntlich gemacht.
Sie zeigen die vollständige Adresse mit Telefonnummer der Arztpraxis, sogar den Namen seiner Mutter, die überhaupt nicht involviert ist und nebenbei noch die angrenzenden Wohnhäuser!
Unfassbar!!! Sie verstoßen in umfangreichem Maß gegen die Datenschutzgrundverordnung!
Diese beiden Ärzte sind, Dank ihrer Sendung, 'zum
Abschuss freigegeben'! Ganz nebenbei möchte ich noch bemerken, dass dieser Arzt, der jetzt am Pranger steht, bereits vielen Menschen geholfen hat.
Schuld ist doch der Leistungssport selbst, immer schneller, immer besser... Leistungen werden gefordert, die ein normaler Sportler nie bringen kann! Vielleicht denken sie mal allgemein über den Krebsschaden im deutschen Sport nach!

06.03.2019 16:40 Maxmoritz 3

Bis vor einigen Tagen wurde uns von Herrn Seppelt ständig erzählt, dass Russland Zentrum des Doping sei. Ich vermisse Berichte über die gedopten russischen Sportler und deren Funktionären und Ärzten!

06.03.2019 16:27 Thüringer 2

Die einzig richtige Konsequenz aus diesem Doping-Skandal: Sofortige und komplette Zerschlagung des LSB Thüringen und Konfiszierung des gesamten Vermögens zugunsten des Vereins Doping-Opfer-Hilfe e. V.!

06.03.2019 11:04 Thomas 1

Man fragt sich wieso verurteilte Dopingtäter im Vorstand des LSB sitzen. Neben Spilker und Schmidt auch Herr Beilschmidt. Einfach ein unglaublich dreckiger Sumpf

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