Friedliche Revolution in der DDR Jahn: Revolution von 1989 nicht nur "vom Finale her denken"

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat an die Anfänge der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 in der DDR erinnert. "Wir betrachten heute '89 immer nur vom Finale her", sagte Jahn dem ARD-Magazin FAKT. "Aber es war ein langer Weg dorthin und die Demonstrationen in Dresden, gerade auch am Jahrestag der Bombardierung Dresdens, das waren Vorläufer."

Roland Jahn
Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn Bildrechte: imago/Horst Galuschka

Am 13. Februar 1989 hatten Mitglieder der Opposition in der DDR anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 eine illegale Demonstration für Frieden und Menschenrechte organisiert. Mehrere Tausend Menschen strömten am Abend des 13. Februar 1989 in die Dresdner Kirchen. Darunter waren auch die Leipziger Bürgerrechtler Gesine Oltmanns und Rainer Müller. Oltmanns erinnert sich: "Die Hofkirche, als wir da reinkamen, war rappelvoll." Müller: "Nach dem Gottesdienst in der Kirche gingen alle raus und es war klar, wir werden gehen gemeinsam zur Frauenkirche, zur Ruine der Frauenkirche."

Für Oltmanns und Müller war die Teilnahme an dieser Demonstration ein großes Risiko. Sie waren erst zwei Wochen zuvor aus der U-Haft der Staatssicherheit entlassen worden. Eine allgemeine Angst sei immer bei den Demonstrationen in Leipzig dabei gewesen, erinnern sie sich. "Aber am 13. Februar hofften wir, dass die staatlichen Organe, dass sich die Sicherheitskräfte etwas zurückhalten werden."

Gesine Oltmanns und Rainer Müller
Gesine Oltmanns und Rainer Müller Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Staatsmacht hatte sich damals ebenfalls auf die erwartete Demonstration vorbereitet. 350 hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi waren im Einsatz, außerdem Hunderte Polizisten und Angehörige der Kampfgruppen. Am Rande der Demonstrationen kommt es zu übergriffen, Stasi-Männer versuchen, ein Plakat zu zerstören, das Oltmanns und Müller trugen. Auf dem Plakat forderten sie die Einhaltung der Menschenrechte in der DDR. "Es war unser Thema zu zeigen, es geht nicht nur um Friedenspolitik, sondern es geht um Menschenrechte", so Oltmanns.

Der Stasi gelang es lediglich, das Plakat halb zu zerstören. Doch Oltmanns entging einer Festnahme nur durch das mutige Eingreifen von Freunden, die die Sicherheitskräfte davon abhalten konnten.

Roland Jahn sieht in den Demonstrationen der Opposition Anfang 1989 Anfänge die zeigten, "es ist eine Generation da, die sich nicht mehr unterordnen will, die aufbegehrt, die deutlich macht, es geht um Frieden und Menschenrechte und es geht um die Veränderung der Gesellschaft".

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 12. Februar 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2019, 10:18 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

14.02.2019 22:42 DDR Geschädigte 5

Viele DDR Geschädigte erlebten Diskriminierungen /wie in der DDR nach 03.10.1990 bis heute. Es ist an der Zeit eine Aufarbeitung der angeblichen Aufarbeitung - auch in den alten Bundesländern voranzutreiben. Menschenrechtsverletzungen gibt es auch heute in Deutschland - wie der heutigen Debatte im Bundestag zu entnehmen war. Wir haben Verantwortung für unsere Kinder und Enkelkinder. Nur mit der Annäherung an die Wahrheit wird es ein besseres Deutschland/Europa geben.

13.02.2019 13:48 Micha 4

@Harzer (2): Von welchem "System mit Linken und Grünen" reden Sie? An der Bundesregierung sind derzeit weder Linke noch Grüne beteiligt. Also, was soll der Quatsch. Und wenn Sie DDR-Verhältnisse zurück haben möchten, so haben Sie die freie Wahl z.B. nach Nordkorea oder Venezuela auszuwandern. Bei Ihnen und den Kommentatoren 1 und 3 hat die Verklärung der Vergangenheit ganz schön zugeschlagen. Ich bin weit davon entfernt, die heutige politsche Lage perfekt zu finden, aber die DDR-Zeit wünsche ich mir dennoch nicht zurück. Und ja, ich kenne diese Zeit aus eigener Erfahrung!

13.02.2019 11:24 Sonja 3

der jahn soll gefälligst nach 30 Jahren ruhig sein will wo seinen gut bezahlten Posten behalten ?? es hat keiner mehr groß interesse um die Aufarbeitung, man sollte sich jetzt diesen sehr feinen Staat ansehen da war die Stasi dagegen ein weißen Knabe im gegensatz zu heute , jedenfalls hatten wir nicht soviele Morde, Überfälle, Diebstähle und vieles noch mehr , wir hatten Arbeit , Sicherheit, Anstand, Ordnung was heute für uns einfache Bürger die sich nichts zu schulden haben kommen lassen alles hinnüber ist !!!!!!!!!!!!!!!!!! man sollte mal vergleichen zwischen heute und damals aber nur älter Journalisten kein jünges Gemüse die damals noch Kinder waren oder noch nicht geboren sind.

13.02.2019 11:22 Harzer 2

von Regen in Traufe gekommen! Dieses System mit den Linken und Grünen wollten wir nicht!
MDR ; tun Sie Ihre Pflicht und streichen Sie bitte die Wahrheit, wie die meisten denken. In meinen Bekanntenkreis denkt jeder so.

13.02.2019 10:30 Atheist aus Mangel an Beweisen 1

Damals wie heute, es hat sich nix geändert.
Die ganze Wende für die Katz.
Die Zeit der zwei Meinungen ist wieder da.
Staatsbedienstete werden überprüft, die Opposition angegriffen... alles wie gehabt.
Wenn es noch mal 89 wäre ich würde nicht mal den Fußnägel vor die Tür setzen.
Steigende Mieten, unsicher Städte und Dörfer, Frauenhäuser, Tafeln... dafür sind wir nicht auf die Straße und mussten unser ganzes Leben umkrempeln.