Umstrittenes Pflanzengift Glyphosat Glyphosat-Hersteller nahm offenbar Einfluss auf wissenschaftliche Studien

Ist das Pflanzengift Glyphosat krebserregend und gefährlich für den Menschen? Darüber wird seit Jahren gestritten. Hersteller Monsanto hat laut FAKT-Recherchen massiv in die Debatte eingegriffen und Studien beeinflusst.

Glyphosat 5 min
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Der Hersteller des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat, Monsanto, hat offenbar Einfluss auf als unabhängig geltende wissenschaftliche Studien zu dem Mittel genommen. Diese untersuchten mögliche gesundheitsschädigende Wirkungen von Glyphosat. Das haben Recherchen des ARD-Magazins FAKT ergeben. So geht aus internen E-Mails von Monsanto hervor, dass ein Mitarbeiter des Konzerns relevant an einer einflussreichen Veröffentlichung der Wissenschaftler Larry Kier und David Kirkland aus dem Jahr 2013 beteiligt war.

Der britische Wissenschaftler David Kirkland.
Der britische Wissenschaftler David Kirkland Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In einer dieser Mails schrieb Kier an seinen Kollegen Kirkland, dass der Monsanto-Angestellte David S. "wesentlich zum Manuskript" der Studie beigetragen habe. Deshalb wollte S. auch als Co-Autor der Studie genannt werden - was Kirkland jedoch ablehnte. In einer internen E-Mail schrieb Kirkland, dass er zwar die Leistung des Monsanto-Mannes anerkenne, dessen Nennung jedoch ablehne. Begründung: "Abgesehen von allem anderen bedeutet es, dass die Autoren nicht länger ‚unabhängig‘ wären."

Auf Anfrage von FAKT teilte Kirkland mit, der Monsanto-Angestellte habe auf die Schlussfolgerungen in der Studie keinen Einfluss gehabt. Ergebnis der Studie war, dass von dem Pflanzengift kein relevantes gesundheitliches Risiko für den Menschen ausgehe.

Der Einsatz von Glyphosat ist umstritten, weil Wissenschaftler die Gefährlichkeit des Mittels für den Menschen unterschiedlich beurteilen. So steht die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), IARC auf dem Standpunkt, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend" ist - und zwar genotoxisch. Was bedeutet, dass es keine als unbedenklich geltende Dosis gibt.

Das Pflanzengift Glyphosat wird auf einem Feld versprüht.
Glyphosat wird auf einem Feld versprüht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Glyphosat wird weltweit in der Landwirtschaft als Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. Über Nutzpflanzen kann es direkt in den menschlichen Körper gelangen, wenn diese als Nahrungsmittel aufgenommen werden.

Dass Monsanto auf wissenschaftliche Studien zu Glyphosat direkt Einfluss genommen hat, zeigen weitere interne Dokumente. So heißt es in einer internen Mail zwischen Monsanto-Managern aus dem Jahr 2015, man könne Kosten niedrig halten, wenn man bestimmte Studien selber schreibe und Wissenschaftler diese nur redigieren und ihre Namen darunter setzen ließe. Kirkland und andere Wissenschaftler werden in dieser Mail namentlich genannt. Weiter heißt es, genau so sei schon mit einer Studie im Jahr 2000 verfahren worden. Diese Veröffentlichung wiederum ist in einem wichtigen Kapitel eines behördlichen Bewertungsberichts zu Glyphosat 29 Mal zitiert worden.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner nennt diese Einflussnahme von Monsanto auf Studien "Betrug gegenüber der Menschheit". Die Öffentlichkeit habe ein Anrecht darauf, "dass die Stoffe, die hier auf den Markt kommen, unabhängig geprüft werden können", sagte er FAKT. Vermeintlich unabhängige wissenschaftliche Studien, die jedoch von der Industrie lanciert würden, seien "Fake-Studien".

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 15. Januar 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 13:28 Uhr