Debatte um Vorschlag für Grundrente DIW-Präsident fordert Diskussion über längere Lebensarbeitszeit

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Professor Marcel Fratzscher, sieht die Finanzierung der geplanten Grundrente aus Steuern kritisch. Diese von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geplante Rente nur über Steuern zu finanzieren, sei nicht tragbar, sagte Fratzscher dem ARD-Magazin FAKT. "Man kann nicht immer stärker die junge Generation belasten. Das würde zu einem wirtschaftlichen Schaden führen", so der Wirtschaftsforscher.

In der gegenwärtigen Diskussion müsse es darum gehen, über das Hauptthema zu sprechen, über das keiner sprechen wolle - eine längere Lebensarbeitszeit: "Wenn die Lebenserwartung immer mehr steigt, dann muss es so sein, dass die Menschen mehr Jahre arbeiten und auch arbeiten können, damit eine langfristige, eine leistungsfähige gesetzliche Rentenversicherung auch tragbar bleibt."

Arbeitsminister Heil will eine sogenannte Grundrente für Menschen einführen, die wegen niedriger Löhne während ihres Arbeitslebens auch nur eine niedrige Rente erhalten. Diese soll nach den Plänen des SPD-Politikers deutlich über der derzeitigen Grundsicherung liege und bei etwa 900 Euro monatlich liegen. Finanziert werden soll sie aus Steuern, notwendig wäre dafür nach Heils Angaben ein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag. Die Grundrente würde nach Berechnungen des Arbeitsministeriums etwa drei bis vier Millionen Menschen zu Gute kommen - darunter auch solche, die bereits jetzt Rente beziehen.

Bei manchen Betroffenen stößt der Vorschlag auf Zustimmung. So sagte die Leipzigerin Regina Richter mit Blick auf Kritiker des Vorschlags, man solle "es nicht schon wieder am Anfang kaputtreden". Ihr gehe es auch um Anerkennung für ihre Lebensleistung.

Wir wollen endlich sagen, wir kriegen was zurück. Ich habe dem Land was gegeben, indem ich 51 Jahre gearbeitet habe. Und jetzt denke ich, ist es nur gerecht, dass ich was zurückbekomme.

Regina Richter, Rentnerin

Richter hat nach eigenen Angaben als Frisörin gearbeitet und erhält derzeit rund 700 Euro Rente pro Monat.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 12. Februar 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 23:14 Uhr