Pflege Immer mehr Hausverbote gegen Angehörige von Pflegeheim-Bewohnern

Britta Otzen 7 min
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Der BIVA-Pflegeschutzbund beklagt eine wachsende Zahl von Hausverboten gegen Angehörige von Pflegebedürftigen. Verbandsjuristin Ulrike Kempchen sprach beim ARD-Magazin FAKT von einer steigenden Zahl von Fällen, die der Verband bearbeite. "Es scheint eine häufige Reaktion darauf zu sein, wenn Angehörige tatsächlich die Pflege bemängeln", sagte sie. Häufig werde von den Einrichtungen die Begründung genannt, dass die betreffenden Angehörigen die erforderlichen medizinischen und pflegerischen Maßnahmen erschwerten oder unmöglich machten.

Ulrike Kempchen
Ulrike Kempchen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kempchen verwies darauf, dass für ein Hausverbot schwerwiegende Gründe vorliegen müssen. Denn der Heimbewohner habe Hausrecht in seinem Zimmer, und dieses könne "nicht so einfach aufgehoben werden".

Nach Angaben des Pflegeschutzbundes, er ist nach eigenen Angaben die größte Interessenvertretung für alte und pflegebedürftige Menschen in Deutschland, wurden im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Hausverbotsfälle pro Monat gemeldet. Einer davon ist der Fall von Britta Otzen. Diese hatte sich, so berichtete sie FAKT, mehrfach kritisch über die Betreuung ihre Mutter in einem Heim geäußert. Nachdem ihre Mutter sich bei einem Sturz eine Beckenfraktur zugezogen hatte, verlangte Otzen mehrfach Einsicht in die Pflegedokumentation. Diese erhielt sie nicht, sondern stattdessen ein Hausverbot.

Otzen ging gegen das Hausverbot vor Gericht und erreichte dessen Rücknahme. Daraufhin sprach das Heim ein zweites Hausverbot aus, diesmal ein zeitlich befristetes.

Das Heim teilte FAKT auf Anfrage schriftlich mit, Britta Otzen verkenne nach Auffassung der betreuenden Ärzte und Fachkräfte "die gesundheitliche Realität" ihrer an Demenz erkrankten Mutter und erschwere die erforderlichen Maßnahmen. Otzen weist diese Behauptung zurück.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 15. Mai 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 23:22 Uhr

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16 Kommentare

17.05.2018 17:26 Petra Seidler 16

Wenn ich manche Kommentare lese, schwillt mir der Kamm. Viele Angehörige erschweren unsere Arbeit, weil sie alles Besser zu wissen meinen und mitunter selbst vor einer Bevormundung ihrer alten Leutchen nicht zurückschrecken. Und lieber MDR: manchmal ist eine bessere oder tiefgründigere Recherche schon angebracht.

17.05.2018 17:13 Elke S. 15

Für mich erscheint dieser Bericht sehr einseitig und im beleuchteten Fall schlecht recherchiert, warum sind die anderen Beteiligten nicht zu Wort gekommen? Um die Problematik etwaiger Hausverbote in Pflegeheimen darzustellen ( darum sollte es wohl gehen), sollte ein gut recherchierter Fall zugrunde liegen! Ich habe in genau diesem Heim auch eine Angehörige und konnte derlei Umgang durch die Heimleitung bisher glücklicherweise überhaupt nicht feststellen- ich bedaure sehr, wenn durch ungeklärte Sachverhalte die bestimmt nicht einfache Arbeit und tägliche Leistung aller Mitarbeitenden im Pflege-Team in so ein schlechtes Licht gestellt wird. Ich wünsche mir von einer Sendung wie Fakt mehr Glaubwürdigkeit und sorgfältige Recherche.

17.05.2018 12:12 Helga Liebeskind 14

Solche und ähnliche Berichte über "Pflege"praktiken machen mir Angst, da ich auf mich selbst gestellt bin, nicht erwarten kann, daß jemand für mich kämpft und jegliche Willkür gegen mich im Alter strikt ablehne. Wann endlich können wir von unserer unsäglichen Eutanasie-Vergangenheit Abschied nehmen und ein aktiv begleitetes Sterben in Würde auf Patientenwunsch (Patientenverfügung) zulassen?! JETZT bleibt nur der RECHTZEITIGE Suizid. Das ist aber eigentlich schade um die nicht mehr genossene Lebenszeit, die man ausreizen könnte, solange das Leben für den Betroffenen noch lebenswert erscheint. Aber dann muß auf eigenen Wunsch auch Schluß sein dürfen!

17.05.2018 09:45 Renate Z. 13

Mir wird schlecht und Angst und Bange wenn ich das sehe und höre. Das könnte mir auch passieren und ist einer von vielen Gründen, dass ich das Risiko gar nicht erst eingehe und seit 10 Jahren meine Mutter zuhause pflege. Der Preis dafür ist hoch, ich zahle mit einem Teil meines Lebens und vorraussichtlicher Altersarmut, aber ich habe schon zu viel erlebt im eigenen Umfeld was diesen Bericht leider glaubwürdig macht. Auch wenn die Betreuung und Schwester und das Heim im Bericht keine Stellung bezogen haben (wollten sie nicht oder wurden nicht gefragt?) ist der Fall doch eindeutig eine schwere Menschenrechtsverletzung. Einfach ein Albtraum.

16.05.2018 23:21 Mico 12

Betreuungsrecht wurde von Frau Honecker eingeführt und zum 01. 01. 1992 von H. Dr. Helmut Kohl übernommen:
Umsiedlungspolitik DDR = heute Aufenthaltsbest.recht
Zwangsenteigung der DDR = heute Vermögenssorge usw.
Ist Vermögen vorhanden werden Berufsbetreuer eingesetzt. Gerichte und Betreuungsbehörden richten sich nach deren Wünschen.
Klagt in dem Fall die Berufsbetreuerin darf sie die Gerichts- und Anwaltskosten mit dem Geld der Mutter bezahlen. Schade dass das im Beitrag fehlte.

16.05.2018 23:02 Peter 11

So was gibt es nicht nur im Bereich der Pflege. Auch wenn man, wie in unserem Fall, eine andere Meinung wie die Leitung eines integrativen! Kindergartens hat, kann man ganz schnell die fristlose Kündigung erhalten. Dann einen neuen Kindergartenplatz für ein behindertes Kind zu finden ist schier unmöglich! Wir sind allerdings beide berufstätig und auf Betreuung angewiesen!

16.05.2018 18:19 Dr. Christa Kessler 10

Nicht nur die privatenTräger setzen die Verwandten mit alle Mitteln unter Druck, auch kirchliche Einrichtungen (hier Diakonie) arbeiten mit Ärzten zusammen und geben hilflosen dementen Personen Psychopharmaka ohne Kenntnis und Einwilligung des Betreuers, obwohl nur ein körperliches Leiden im Falle meiner Mutter vorlag.
Wer sich als betreuender Verwandeter wehrt wird mit verleumderischen Schreiben der Heimleitung
und des betreuenden Neurologen beim Amtsgericht
angezeigt, ohne dass man als Betreuer davon in Kenntnis geseztzt wird. Nur durch Zufall konnte ich die Betreuung behalten wegen des Verständnis des Amtsrichters.
Wer nicht bei den mit den Heimen kooperierenden
Apotheken die Medikamente bestellt wird auch gleich mit Anzeige beim Betreuungsgericht bedroht
bzw. wenn das Heim bereits unter Druck vom Gesundheitsamt steht, wird man als betreuender Angehöriger schnell angezeigt. Alles kann durch schriftliche Dokumente belegt werden.

16.05.2018 14:51 Lukas 9

Dieser Bericht zeigt leider nur eine Seite des Ganzen. Warum kommt die Schwester nicht zu Wort? Warum nicht die Betreuerin?
Warum nimmt das Gericht nicht Konkret Stellung zu dem Fall warum der Dame Britta Otzen die Betreuung entzogen wurde? Gibt es ein ärztliches Gutachten, seitens der Dame, was die Ausführung des Heims und der Richterin widerspricht? Anscheinend nicht, zumindest habe ich in den 6 1/2 Minuten nichts davon gesehn.
Für mich ist das wieder nur eine auf Mitleid getrimmte, nicht komplett durchleuchtete Story, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erhaschen.

16.05.2018 14:32 Heinz 8

Wie ist es möglich, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen den Kindern den Kontakt zu den Eltern verbieten kann. Konnte man den Vertrag mit dem Heim nicht kündigen können und die Mutter in ein anderes Heim umziehen? Hier kann man wieder mal an dem sognannten Rechtsstaat zweifeln. Das steht Stasi-Methoden in nichts nach.

16.05.2018 12:26 Irmtraut Best 7

Seid September 2017 wurde meine Mutter hinter meinem Rücken von meinem Bruder gebracht ins Pflegeheim gebracht.Mein Bruder hat die Hauptbetreuung und keine Ahnung von der Pflege.Er hat das Pflegeheim angewiesen, dass ich meiner Mutter nicht beim Essen und trinken helfen darf.Nicht mit ihr spazieren fahren darf und mit ihr aufs Zimmer .Ohne Richterlichen Beschluss,nach Angabe meines Anwalts.Die Pflgediendtleitung geht konform mit meinem Bruder,da er behauptet,die würden alles gut machen.Leider sehe ich jeden 2.Tag ganz viele Dinge,wie z.B.verklebte Augen und schmutzige lange Fingernägel.Daher bin ich ein rotes Tuch für das Heim,wenn ich darum bitte dieses zu beseitigen.Wie ist es möglich ,dass in unserem Rechtsstaat, ein Betreuer und auch ein Heim soviel Macht besitzen?Möchte im Namen aller Angehörigen die auch auf ähnlicher Weise behandelt werden und wurden,eine Petition ins Leben rufen um solche Missstände zu beseitigen.Es ist eine Schande für die Menschen,die sich wirklich einsetzen