Wohnungsmarkt Mieterbund warnt vor drastischen Mietsteigerungen

Ein Mietshaus in Leipzig. Die Bewohner klagen seit längerem über unzumutbare Zustände im Haus und in ihren Wohnungen. Der Vermieter lässt sich bei der Behebung der Mängel viel Zeit. Seine Mieter vermuten, dass er das Haus leerziehen will, um von neuen Mietern höhere Mieten verlangen zu können.

Seit Jahren kann Nico Langer das Bad in seiner Wohnung praktisch nicht mehr nutzen. Nachdem Bodenfliesen und dann auch noch die Badewanne abgesackt waren, ging er der Sache auf den Grund und stellte fest: Die Balken im Boden waren durch Feuchtigkeit durchgeschimmelt. Das Bad ist nicht mehr benutzbar, die Bewohner der Wohnung gehen bei den Nachbarn auf die Toilette.

Ein aufgerissener Boden in einer Wohnung.
Der aufgerissene Boden im Bad Bildrechte: MDR/FAKT

Der Eigentümer habe ihn wegen der Reparatur der Schäden immer wieder vertröstet, klagt Langer. Immerhin kamen vor kurzem endlich Handwerker - drei Jahre, nachdem Langer die Hausverwaltung auf die Schäden aufmerksam gemacht hatte.

Andere Mieter in dem Haus haben ähnliche Probleme. Das Trinkwasser fließt durch Bleirohre, doch selbst von einem gerichtlichen Gutachten über den gesundheitsgefährdend hohen Bleigehalt des Wassers lasse sich der Eigentümer nicht beeindrucken, klagen sie. In einer Wohnung musste die Gastherme stillgelegt werden, weil zu viel gesundheitsschädigendes Kohlenmonoxid austritt. Seitdem gibt es kein warmes Wasser.

Der Hauseigentümer gibt sich gegenüber FAKT wortkarg. Er wirft seinen Mietern vor, keine Miete zu zahlen und "nur Zirkus" zu machen.

Rechtsanwalt Steve Laurenz, der Mieter vertritt, weist das zurück. Die Mieter machten von ihrem Recht auf Mietkürzung wegen nachweislicher Schäden in ihren Wohnungen Gebrauch - sie zahlten aber Miete und auch Betriebskosten.

Der Fall in Leipzig wirft ein Licht auf eine besorgniserregende Situation in manchen Regionen, vor allem in Großstädten, wo die Nachfrage nach Wohnraum groß ist. In Berlin, Hamburg und München haben in den vergangenen Wochen Tausende Menschen für bezahlbaren Wohnraum demonstriert und gegen gesetzeswidrige Entmietungen und Luxussanierungen protestiert.

Rotes Aushängeschild "Wohnung zu vermieten" vor einem Mietshaus.
Der Mieterbund beklagt immer schneller steigende Wohnungsmieten. Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Beim Deutschen Mieterbund heißt es, die Situation auf den Wohnungsmärkten habe sich immens verschärft. "Ganz große Sorge macht uns die Preisentwicklung in den bestehenden Mietverhältnissen", sagt Sprecher Ulrich Ropertz. Da gingen die Mieten immer schneller in die Höhe. Die vom Bundesjustizministerium vorgesehene Kappung bei Mieterhöhungen nach Modernisierungen - maximal drei Euro pro Quadratmeter in den ersten sechs Jahren - ist nach Ansicht des Mieterbundes immer noch zu hoch. Denn das würde bei einer 80 Quadratmeter großen Wohnung dazu führen, dass die Miete um 240 Euro monatlichen steigen würde. Dies werde zu Mieterhöhungen führen, die viele Mieter nicht mehr zahlen könnten, kritisiert Ropertz.

Im Justizministerium heißt es, sicherlich könne man die drei Euro kritisieren. "Aber erst mal ist überhaupt eine Kappungsgrenze eingezogen worden", sagte ein Sprecher.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 09. Oktober 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2018, 23:03 Uhr

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