Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit Programme des Bundes erreichen nur wenige Betroffene

Die von der schwarz-roten Bundesregierung vor rund vier Jahren ins Leben gerufenen Programme gegen Langzeitarbeitslosigkeit haben nach Recherchen des ARD-Magazins "Fakt" nur wenige Betroffene erreicht. Gründe dafür sind die in den Programmen formulierten Bedingungen, die von einer großen Zahl der potenziellen Zielgruppe nicht erreicht wurden. So mussten Teilnehmer, deren Integration in den Arbeitsmarkt finanziell gefördert wird, älter als 35 Jahre und mindestens seit zwei Jahren arbeitslos sein. Außerdem dürfen sie keinen Berufsabschluss und keine Aussicht auf eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt haben. Die Programme sehen vor, dass der ESF zwei bis drei Jahre lang einen Großteil der Lohnkosten übernimmt, wenn ein Langzeitarbeitsloser von einem Unternehmen eingestellt wird. Zunächst erhält der Arbeitgeber 75 Prozent des Lohns erstattet, schrittweise sinkt diese Förderung dann auf Null.

Mit den beiden Programmen zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit hätten maximal 53.000 Menschen bei der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben unterstützt werden können. Ein erstes Programm richtete sich an insgesamt 20.000 mögliche Empfänger, das zweite an 33.000. Nach einer im Juni 2017 vorgelegten Zwischenauswertung der bis 2020 laufenden Programme verlief der Beginn zunächst schleppend. Im zweiten Programm waren bis September 2016 rund 11.000 "Programmeintritte" zu verzeichnen. Als Reaktion erweiterte das Bundesarbeitsministerium den Teilnehmerkreis und lockerte die Bedingungen für die Teilnahme. Die Programme sehen neben der Lohnkosten-Förderung eine intensive Betreuung der Langzeitarbeitslosen bei der Suche nach einer Arbeitsstelle und der Eingliederung in den Betrieb vor.

Doch selbst wenn die Programme die volle Teilnehmerzahl erreichen, sind sie nach Einschätzung des Arbeitsmarktexperten Prof. Stephan Sell von der Hochschule Koblenz nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Denn laut offizieller Statistik gelten derzeit rund 900.000 Menschen in Deutschland als langzeitarbeitslos, haben also seit mehr als einem Jahr keine Arbeit.

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2018, 14:30 Uhr

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