FAKT | 05.03.2019 "Premiumfleisch": Südamerikanische Rinder werden nicht artgerecht gehalten

Rindfleisch aus Südamerika hat einen guten Ruf. So wirbt Uruguay gerne mit Bildern von frei lebenden Rindern auf grünen Weiden. Doch in der Realität stapfen die Tiere oft in sogenannten Feedlots knöcheltief durch den Dreck und werden mit Kraftfutter gemästet.

Rindfleisch aus südamerikanischen Ländern wie Uruguay gilt als besonders zart und hochwertig. Auch wegen der Fütterung und Haltung der Tiere: Die Werbung zeigt scheinbar endlose, grüne Weidelandschaften, also viel Platz und Bewegung für die Rinder. Die natürliche Ernährung mit Weidegras soll für die Tiere außerdem besonders gesund sein. Doch Bilder der Tierrechtsorganisation Animal Welfare Foundation zeigen eine ganz andere Haltung: Rinder in sogenannten Feedlots, Mastplätzen unter freiem Himmel. Dort stehen sie knöcheltief in Dreck und Exkrementen. Von einer Weidelandschaft keine Spur.

Die Tierquälerei geht bei der Fütterung weiter

In diesen Feedlots verbringen die Rinder in der Regel ihre letzten 100 Tage. Sie werden hier mit Kraftfutter gemästet, damit sie schnell das gewünschte Gewicht erreichen. Doch die Rinder sind Wiederkäuer, die eigentlich auf der Weide Gras fressen sollten. Stattdessen fressen sie in ihren letzten Monaten vor allem Mais, Soja und Getreide. Das begünstigt Krankheiten bei den Tieren. Diese Form der Haltung nehme seit Jahren zu, kritisieren Tierschützer.

York Ditfurth, Animal Welfare Foundation
York Ditfurth Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Man hat internationale Verträge gemacht, die dazu geführt haben, dass dieses Fettmachprinzip profitabel ist. Seither gibt es 200 solche Feedlots (in Uruguay) mit einer Maximalkapazität von bis zu 20.000 Tieren pro Jahr. Die Tiere werden von der Weide runtergeholt, um hier für den europäischen Markt unter unmöglichen Bedingungen gemästet zu werden.

York Ditfurth  Animal Welfare Foundation

Tatsächlich wird die Feedlot-Produktion von der EU politisch gefördert. In einer Durchführungsverordnung der EU aus dem Jahr 2012 ist festgelegt, wann Importe den Status als Qualitätsrindfleisch erhalten. Darin steht: Die Tiere müssen mindestens 100 Tage Kraftfutter bekommen. Unter diesen Voraussetzungen kommt ein Kontingent von 50.000 Tonnen Rindfleisch zollfrei in die EU.

Verkauf als Premiumfleisch - beim Discounter

Angeboten wird das Fleisch dann unter anderem beim Discounter Aldi. Dort käufliche Hüftsteaks aus Uruguay stammen aus Feedlots und tragen den Hinweis "getreidegefüttert". Auf Nachfrage räumt Aldi ein, dass die Tiere 100 Tage in Feedlots gehalten werden. Nur zehn Prozent ihres Lebens verbrächten die Tiere dort und man werde die Verbesserung der Haltungsbedingungen prüfen, schreibt der Discounter.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 05. März 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 22:53 Uhr

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4 Kommentare

07.03.2019 19:17 Kuerzinger 4

Vielen Dank für diesen Bericht, der mich entsetzt, da ich Uruguay gut kenne und bisher nur die vorbildliche Weidehaltung kenne. Ich werde dies an meine KollegInnen von der Inter-institutionellen Arbeitsgruppe on Green and Inclusive Economy dort weiterleiten. Frage: Ist es vielleicht die EU, die diese Art von Feedlots hervorruft durch ihre Anforderungen für importiertes Fleisch und überzogene Tracability? Der Großteil der Viehhaltung und traditionell ist vorbildlich und unserer industrialisierten Tierhaltung um Lichtjahre überlegen. Könnte ich hierzu mit den AutorInnen in Verbindung treten? Mit besten Grüßen Dr. Edith Kürzinger, Beraterin

06.03.2019 22:41 part 3

Die Fleischeslust der modernen Welt ist hauptverantwortlich für weitreichende Zerstörungen der Umwelt, Regenwaldabholzungen unerhörten Ausmaßes, Wasserverschwendung und Tierquälerei ohne Ende. Nahrungsmittelproduktion unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen ist immer geprägt durch weitreichende Umweltzerstörung und Konsumentenbetrug. Jeder sollte für sich selbst überdenken, ob er diesem System nicht durch den Verzicht auf Fleischkonsum eine Abfuhr erteilen möchte, denn Antbiotika verschreibt eigentlich der Hausarzt und Wachstumshormone oder andere Tiermedizin sowie GVO haben in der Nahrungskette nichts zu suchen.

06.03.2019 19:44 Pit 2

Danke für diesen Bericht und den Nachweis der Unfähigkeit unserer Politiker. Wer Tierqual vermeiden möchte ist gut beraten diese Produkte nicht zu kaufen und sich gesund und vegan zu ernähren.

06.03.2019 06:54 Antonietta 1

Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.