"Hinterhofbetriebe machen die Drecksarbeit" Kleine Schlachtbetriebe verdienen an kranken Tieren

Der Fall eines vor einigen Tagen im Kreis Stendal geschlossenen Schlachthofs wirft ein Licht auf eine bislang kaum bekannte Nische in der Lebensmittelindustrie. Wie Recherchen des ARD-Magazins FAKT zeigen, spezialisieren sich kleine Schlachtbetriebe darauf, verletzte Tiere zu verarbeiten, die von großen Schlachthöfen nicht mehr angenommen werden.

Laut Schilderung eines ehemaligen Mitarbeiters eines solchen Betriebes nehmen diese Schlachthöfe für wenig Geld verletzte Tiere von Bauern ab und verarbeiten diese. "Eine gesunde Kuh wäre 1.000 Euro wert", erläuterte er. Der Schlachter nehme ein verletztes oder krankes Tier für 50 bis 150 Euro ab und verdiene damit viel Geld. Von diesem System profitierten alle Beteiligten: der Bauer, der das kranke Tier aus dem Stall bekomme, der Transporteur, der es zum Schlachthof bringe und der Schlachter selbst.

Kritik an mangelhafter Kontrolle

Friedrich Mülln von der Organisation "Soko Tierschutz" sagte FAKT, große Schlachthöfe seien mittlerweile sehr vorsichtig geworden und nähme beispielsweise Tiere mit gebrochen Beinen "nicht mehr gerne an". Deswegen hätten sich kleine Spezialisten gefunden, die die "Drecksarbeit" machten - speziell für die Milchindustrie, die "am laufenden Band" Tiere mit gebrochenen Gliedmaßen oder anderen Verletzungen produziere. "Die landen jetzt bei solchen Hinterhofbetrieben und werden zu Fleisch gemacht."

Ein Rind liegt in einem Tiertransporter
Anlieferung kranker Tiere in dem geschlossenen Schlachthof Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mülln kritisierte eine mangelhafte Kontrolle im Fall des geschlossenen Schlachthofs in Sachsen-Anhalt. Es sei zu fragen, ob sich das zuständige Veterinäramt über die Zustände dort informiert habe. "Was ist mit dem Hoftierarzt, was ist mit dem Tiertransporter?"

Der Rinder-Schlachthof im Kreis Stendal war nach Hinweisen der Organisation "Soko Tierschutz" von den zuständigen Behörden einstweilig geschlossen worden. Als Begründung wurden Verstöße gegen den Tierschutz und mangelhafte Lebensmittel-Hygiene genannt. Der Tierschutzbeauftragte im sachsen-anhaltinischen Agrarministerium, Marco König, sagte FAKT, es habe "erhebliche hygienische Beanstandungen" gegeben.

Der Besitzer des Schlachthofes war für FAKT nicht erreichbar. Er sei ins Ausland verreist, hieß es in dem Unternehmen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 09. Oktober 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2018, 23:11 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

6 Kommentare

11.10.2018 13:23 Friedhelm Thüring 6

Es ist eine große Gemeinheit, was wir Menschen mit unseren Tieren machen. Wer hat eigentlich diese Menschen, wenn man diese Kreaturen noch als Menschen bezeichnen kann angezeigt,
Was passiert mit solchen Unmenschen.
Wer ist eigentlich Bereit hier eine Anzeige zu machen.
Bitte zeigt diesen Beitrag so oft wie möglich im Fernsehen.
Bitte helft den gequälten Tieren und macht eine Anzeige.
Für mich ist Milch und Fleisch ab sofort gestrichen

10.10.2018 15:11 Basil Disco 5

Man hört ja von unserer Weinkönigin Frau Klöckner gar nichts zu dem Thema.

10.10.2018 14:41 Karin Mayer 4

Dieser Beitrag sollte um 20h15 ausgestrahlt werden. Menschen die so brutal die Würde der Kreatur (Tier) missachten
haben auch keine Achtung vor Menschen. Vom Tierarzt über den Bundesverb. der beamteten Tierärzte e.V. Veterinärbehörde,
den Lkw Fahrer, die Mitarbeiter, den Betreiber und dem Milchbauern sollte der Stall geschlossen werden. Tiere dürfen nicht mehr als Sache
gelten und Strafen für Tierquälerei sollten viel höher ausfallen. Ich kann gar nicht aufhören zu heulen.
Ich bin gespannt ob der Fall vor Gericht kommt.

10.10.2018 13:42 Rumsdibums 3

Gut zu wissen..

Ab jetzt ist auch mit Milch bei mir Schluß.

Ich möchte betonen das ich es sehr gut finde, dass der MDR über diese Themen berichtet.
Die gesammte Problematik muss in das Bewußtsein der "Verbraucher".

10.10.2018 12:08 Brennabor 2

Die Massen-Tierhaltung sollte unbedingt verboten
werden, schon aus Gründen des Klimaschutzes.
Leider sehen unsere Politiker keinen Handlungsbedarf und auf die normalen Leute
hört keiner.

10.10.2018 11:54 Gisela Ritzke 1

Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für den wirklich traurigen Bericht.
Es ist mir unverständlich wie Menschen Tieren gegenüber so grausam sein können.
Bitte berichten sie auch weiterhin über tierquälerischen Machenschaften. Schade nur, dass ihre Sendung so spät ausgestrahlt wird.
Mit freundlichen Grüßen und immer noch geschockt
Gisela Ritzke