Digitalisierung Schleppender Internet-Ausbau belastet Mittelstand

Wenn die Internetverbindung schlecht ist, ist das auch schlecht fürs Geschäft. Ein Hotelier aus dem Erzgebirge kann eine Klagelied davon singen. Denn in ländlichen Gebieten hakt es überall mit dem Internet-Ausbau.

Der schleppende Ausbau der Internetversorgung macht Unternehmen in ländlichen Gebieten weiterhin zu schaffen. Eine der davon betroffenen Regionen ist das Erzgebirge in Sachsen. FAKT recherchierte beispielhaft bei einem Hotelier in Waschleithe im Erzgebirgskreis. Dessen Betreiber Heiko Schmidt ist frustriert über die schlechte Internetanbindung. Diese sei für sein Unternehmen ein großes Problem. Gäste erwarteten heute eine einwandfreie Internetverbindung, so der Hotelier. Auch das Buchungssystem seines Hauses funktioniert nur online.

Illustration schnelles Internet.
Schnelles Internet ist in vielen ländlichen Gebieten noch eine Illusion. Bildrechte: Colourbox.de

"Das erzeugt schon Wut, weil man bezahlt ja Steuern", sagt Schmidt. Der Staat müsse sich hier stärker einbringen, um die notwendige Infrastruktur zu schaffen, die dem Mittelstand helfe. "Wenn eine große Firma gebaut wird, da wird sofort Glasfaserkabel gelegt, aber wir kleines Unternehmen werden immer wieder vertröstet", schimpft Schmidt.

Nach Einschätzung des Düsseldorfer Unternehmensberaters für digitale Strategien Thomas Knüwer besteht dringender Handlungsbedarf für eine flächendeckende Internetanbindung. „Wir sind in Deutschland ein digitales Dritte-Welt-Land“, sagte er FAKT. "Wir reden ja hier nicht davon, dass Bürger sich schneller ein Filmchen runterladen können, sondern wir reden einfach von den Nervenbahnen der deutschen Wirtschaft", kritisierte er. Es gebe jetzt schon die Situation, dass Unternehmen sich nicht in ländlichen Gebieten ansiedeln wollten, in denen es keine vernünftige Internetanbindung gebe.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), wollte sich auf FAKT-Anfrage nicht zu dem Thema äußern - aus Zeitgründen, so die Begründung.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 18. September 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2018, 11:11 Uhr

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2 Kommentare

19.09.2018 19:25 Elke Brake 2

Ihr Bericht hat uns sehr aus dem Herzen gesprochen!
Wir betreiben eine Tischlerei in Rhauderfehn im Landkreis Leer (Nds).
Beim Breitbandausbau hat uns die Gemeinde bisher vergessen. (Bei den Gewerbesteuern vergessen die uns leider nicht).
Wir haben ca. 2Mbit Empfang.
Die Telekom stellt jetzt auf IP-Telefonie um. Das geht aber nur, wenn mind. 6 Mbit ankommen.

Folge: die Telefone werden abgestellt. zum Mai 2019 ist es bei uns soweit. Kein Internet und keine Telefonie! ..... es kann dann kein Notruf mehr abgesetzt werden und wir können unseren Betrieb schließen, weil Kunden uns nicht mehr erreichen können!
Wir wissen nicht, wie wir dieses Problem lösen können.....
Wir bemühen uns seit 3 Jahren ... bisher vergeblich!

19.09.2018 09:32 Bernhard Schäfermeier 1

Thema Breitbandausbau
Es geht noch besser. Wir bewirtschaften einen Campingplatz in NRW. Da kein DSL möglich ist (wir verfügen über eine analoge Leitung ) und wir in einem Funkloch liegen, haben wir uns für eine Versorgung via Satellit entschieden.( 20 mb Download für 120 Euro im Monat aber leider Witterungsabhängig). Jetzt wird das Nachbardorf mit Glasfaser angeschlossen. Obwohl wir in 200 m an der Trasse liegen, und wir in Eigenleistung die Verbindung bis dorthin übernehmen, ist es aus Ausschreibungsgründen wohl nicht möglich uns anzuschließen.
So kann man Betriebe auch kaputt machen.