Feuerwehrleute auf der Drehleiter
Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

exakt | 14.03.2018 Fehlende Absicherung für Feuerwehrleute

Sie gehen mitunter ein hohes Risiko ein, um anderen zu helfen. Doch verletzen sich die Kameraden von Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz, sind sie selbst teilweise nur unzureichend abgesichert. Einige von ihnen müssen sich lange um ihre Ansprüche aus der Unfallkasse kämpfen.

Feuerwehrleute auf der Drehleiter
Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

Ronny Gebhardt ist Feuerwehrmann. Im Juli 2013 werden er und die anderen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Brotterode zu einem brennenden Haus gerufen. Die Nachbarn sind in Aufregung, weil sich darin noch ein kleines Mädchen befindet. Die Feuerwehrleute wollen das Kind rausholen.

Als Ronny Gebhardt in das brennende Haus einsteigt, entfesselt sich die Flammenwut ganz plötzlich. Ein sogenannter Flashover entsteht. Nachdem sich die Raumtemperatur stetig erhöht hat, entzünden sich plötzlich alle brennbaren Materialien. Ronny Gebhardt kommt der Stichflamme sehr nahe. Er wird von einem Kollegen nach draußen gezogen und kommt mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus. Das Mädchen können sie nicht retten.

Ronny Gebhardt lebt seitdem mit Hauttransplantaten am ganzen Körper, täglich muss er sie einreiben. Auch fünf Jahre nach dem Unfall muss er noch zur Narbenmassage. Hinzu kommen psychische Probleme. Eine Psychologin attestiert ihm eine posttraumatische Belastungsstörung.

Ronny Gebhardt versucht, bei der Feuerwehr-Unfallkasse seine Folgeschäden anerkennen zu lassen. Doch die lehnt seinen Antrag auf eine Unfallrente und die Anerkennung der psychischen Folgen als Arbeitsunfall ab. Für den Feuerwehrmann unerklärlich.

Da sind ja ganz andere Sachen, die jetzt dazu gekommen sind, wo ich vorher gar nicht mit belastet wurde. Weil einen Flashover überlebt man ja eigentlich ganz selten. Das ist ja eine Sache, wo ich eigentlich sage, ich hätte ja auch dabei draufgehen können. Und dass man da keine psychischen Schäden davon wegträgt, das kann mir keiner erzählen.

Ronny Gebhardt

Sein Kamerad Reiner Lesser zog sich bei dem Einsatz eine schwere Verletzung zu, als er mit Kameraden eine 200 Kilogramm schwere Pumpe tragen musste.

Wir sind gelaufen. Und der eine Kamerad ist gestürzt über den Bordstein. Und da ist die TS bei ihm quasi aus der Hand geglitten und er ist nach vorne links abgesackt. Und hab die rechts quasi hier so hochgerissen und dabei ist mir der Muskel abgerissen.

Reiner Lesser

Auch ihm wurden die Folgeschäden nicht anerkannt. Die Unfallkasse zahlte ihm sechs Wochen die Behandlung einer Schulterprellung. Doch der Abriss des Muskels wurde nicht als Folge des Unfalls betrachtet, sondern als Resultat einer Vorschädigung. Lesser klagte erfolglos vor Gericht.

Das Problem: Vorschäden werden immer erst dann geprüft, wenn sich ein Feuerwehrmann im Einsatz verletzt hat. Der Deutsche Feuerwehrverband geht davon aus, dass jährlich 400 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr mit ähnlichen Problemen zu tun haben. Der Präsident des Verbandes Hartmut Ziebs sieht das hohe Risiko, dass die Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen eingehen, „ohne jegliche Entschädigung, ohne jegliche Geldleistung“. In seinen Augen „kann man zumindest erwarten, dass die Feuerwehrleute sehr gut im Falle eines Unfalls abgesichert sind und auch die Hinterbliebenen im schlimmsten Fall optimal abgesichert sind“.

Der Einsatz 2013 in Brotterode war für viele Kameraden ein Weckruf, der ins Bewusstsein gebracht hat, was alles passieren kann. Ein Gefühl der Unsicherheit bleibt. Dass die Feuerwehrleute zum Teil unzureichend abgesichert sind, macht die eh schon schwierige Suche nach Nachwuchs nicht. leichter. In Brotterode hofft man deshalb, dass die Politik endlich eine Lösung findet.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 14. März 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2018, 18:55 Uhr

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1 Kommentar

14.03.2018 20:25 S 1

Sehr schade , dass die Feuerwehrleute in ihrer Sendung nicht völlig abgesichert sind. In Hessen gibt es bei der Unfallkasse eine Satzung, welche Feuerwehrleute im Einsatz immer absichert auch bei Vorschäden :)