exakt | 23.01.2019 Wie der Staat Geld von Kriminellen zurückholt

Gewerbsmäßig handelnde Verbrecher häufen durch ihre Straftaten oft ein enormes Vermögen an. Ihnen dieses wieder abzunehmen, ist Aufgabe von Finanzermittlern.

Bei Ermittlungen zu Straftaten, bei denen finanzieller Schaden angerichtet wurde und die Täter sich bereichert haben, treten sie in Erscheinung: die Finanzermittler. Ihre Aufgabe ist es, das Vermögen der Verbrecher zu durchleuchten. Ist es auf kriminelle Art und Weise zusammengekommen? Dann muss es einbehalten werden – denn Verbrechen dürfen sich für die Kriminellen nicht lohnen.

Als Vermögen gilt dabei nicht nur Bargeld. Die Finanzermittler nehmen alles mit, was wertvoll ist. Eine der spektakulärsten Ermittlungen drehte sich um den Finanzdienstleister Infinus. Den Angeklagten wurde Anlagenbetrug in Millionenhöhe vorgeworfen.

Da spielte alles eine Rolle – angefangen vom Bargeld, das man aufgefunden hat, über Goldbarren, die im Schlafzimmerschrank versteckt waren, hochwertige Fahrzeuge, Yachten, die in Berliner Gewässern lagen bis hin zu exorbitant hoch wertvollen Bildern an den Wänden. Das war eine Bandbreite die wir wirklich ganz selten haben.

Maik Vogt Leiter des Dezernats für Finanzermittlung im Landeskriminalamt Sachsen

Insgesamt sicherten die Finanzermittler in diesem Fall ein Vermögen im Wert von etwa 150 Millionen Euro.

Geld für Geschädigte und den Staat

Schwierig wird es für die Beamten, wenn die Verbrecher durch Tricks versuchen, ihr Vermögen zu retten. Manche lassen ein Luxusauto zum Beispiel auf ihre Freundin oder Großmutter zu.

Maik Vogt ist der Leiter des Dezernats für Finanzermittlung im LKA Sachsen.
Maik Vogt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn wir dann zum Beispiel bei der Großmutter nachweisen können, dass die mit ihrem Einkommen gar nicht diese Möglichkeiten hat, stellen wir natürlich Fragen. Wo kommt denn dann tatsächlich das Geld her? Möglicherweise kriegen wir dann beim Autohaus raus, dass die Überweisung doch von unserem Straftäter kam, es nur auf die Oma zugelassen ist. Dann ist das ein Fahrzeug, das wir natürlich sofort wegnehmen.

Maik Vogt Leiter des Dezernats für Finanzermittlung im LKA Sachsen

Falls die Angeklagten freigesprochen werden, erhalten sie ihre Besitztümer zurück. Anderenfalls werden die sichergestellten Wertgegenstände versteigert. Wer die Erlöse bekommt, ist per Gesetz festgelegt. Einfach gesagt: Falls es Geschädigte gibt, geht das Geld an sie. Falls nicht, kommt es dem Staat zu. Im Jahr 2016 hat Sachsen so über zwei Millionen Euro eingenommen, Thüringen fast 450.000 und Sachsen-Anhalt rund 190.000 Euro.

Finanzermittler haben einen Karton voller Bargeld gesichert.
Finanzermittler haben einen Karton voller Bargeld gesichert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 23. Januar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2019, 19:12 Uhr