Praktikum Fahrradkurier
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt aktuell | 12.12.2018 Fahrrad-Lieferanten kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen

Die Leipziger Foodora-Fahrradkuriere fordern mit einer Petition von ihrem Arbeitgeber, der Foodora GmbH, bessere Arbeitsbedingungen. Dabei geht es um mehr Geld, aber auch um Nebenkosten für die privaten Fahrräder, die Einteilung der Schichten und um die Gestaltung der Arbeitsverträge. Am Donnerstag wird die Petition an der Konzernzentrale in Berlin übergeben.

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Die Leipziger Foodora-Fahrradkuriere fordern mit einer Petition von ihrem Arbeitgeber bessere Arbeitsbedingungen. 60 Prozent der Leipziger Foodora-Kuriere haben unterschrieben. Darunter seien auch alle sogenannten Rider-Captains, also die Vorarbeiter, die selbst im Sattel sitzen, so die Deliver Union. Deliver Union ist eine Interessenvertretung der Fahrradkuriere.

Mehr Geld

Bis jetzt bekommen die Fahrer neun Euro pro Stunde. Dafür sitzen sie bei Hitze und Glatteis, bei Sturm und Regen auf dem Fahrrad. Hinzu kommt, dass sie permanent hochkonzentriert auf den Straßenverkehr achten müssen, und immer unter Zeitdruck stehen. Deshalb fordern die Kuriere mindestens einen Euro mehr pro Stunde.

Bessere Arbeitsbedingungen

Die Kuriere werden oft nur für zwei oder drei Stunden eingeteilt. Dann, so die Unterzeichner der Petition, lohne sich der Aufwand fürs Umziehen, Vorbereiten und so weiter fast gar nicht. Ein weiterer Kritikpunkt ist die quasi "Zwangszuteilung" von Schichten, die nicht besetzt werden können. Bei Ablehnung dieser Schichten drohen Abmahnungen und Kündigung.

Höhere Beteiligung an Nebenkosten

Ein Fahrradkurier sieht auf ihr Smartphone
Fahrradkuriere sind immer unter Zeitdruck. Bildrechte: dpa

Alle Fahrer nutzen ihre privaten Fahrräder. Bis jetzt zahlt Foodora eine Verschleißpauschale von 25 Cent pro gefahrener Stunde Die Kuriere fordern eine Pauschale für alle gefahrenen Kilometer und eine Erhöhung auf 39 Cent. Für Reparaturen bietet Foodora bereits eine Kooperation mit einem mobilen Fahrradservice an. Der operiert aber zum Beispiel nur in Hamburg, München, Frankfurt am Main, Essen und Berlin – aber etwa in Leipzig nicht. Der Service sei oft nicht nutzbar, das würde Lohnausfall für die Kuriere bedeuten.

Auch scheint Foodora bei der auffälligen pink-farbenen Kleidung mehr auf Farbe als auf Qualität zu achten. Die Fahrerinnen und Fahrer müssten oft auf eigene Kosten Funktionskleidung mitbringen, um trocken und warm zu bleiben.

Arbeiten als Foodora-Kurier

Der Lieferdienst Foodora ist Teil der milliardenschweren Delivery Hero Aktiengesellschaft. Das Prinzip ist simpel: Läden ohne eigenen Lieferdienst schließen mit Foodora einen Vertrag ab – weltweit sind das etwa 10.000. Etwa genauso viele Fahrer transportieren die Bestellungen dann nach Hause. Von den Einnahmen jeder Bestellung gehen 30 Prozent an Foodora.

In Leipzig decken rund 75 Fahrer ein rund 24 Quadratkilometer großes Liefergebiet ab. Dafür erhalten sie neun Euro pro Stunde. Die Aufträge kommen per App auf das Smartphone. Dort müssen sie angenommen und, nach erfolgreicher Lieferung, auch abgeschlossen werden. Sehr umständlich, so die Einschätzung unseres Reporters, der bei Foodora als Praktikant anheuerte. Für Smartphone und Internetgebühren müssen die Fahrer selbst aufkommen.

Die Fahrer stehen permanent unter Druck: Nur wer viele Wochenend-Schichten fährt, nie ausfällt und mindestens zwei Aufträge pro Stunde schafft, dessen Stundenlohn erhöht sich um einen Euro. Bei Verkehrsbehinderungen oder sonstigen Verzögerungen ist dies allerdings kaum machbar.

Zusätzlich müssen alle Fahrer pro Woche vertraglich geforderte Mindeststunden ableisten. Wenn ein Fahrer es nicht schafft, seine Mindeststunden zu erfüllen, bekommt er Stunden zugewiesen. Sollte er diese dann nicht ableisten und sein Versäumnis nicht plausibel rechtfertigen, droht nach drei Abmahnungen die Kündigung.

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018, 10:58 Uhr