exakt aktuell Recycling von Giftstoffen in Leipzig-Plagwitz: Bodenprobe mit Quecksilber belastet

Die Gesellschaft für Metall-Recycling bereitet mitten in Leipzig hochgiftige Quecksilberabfälle auf. Anwohner sind entsetzt – doch die Stadt will die Anlage nicht schließen. Eine für MDR exakt analysierte Bodenprobe weist eine deutlich erhöhte Quecksilberbelastung auf.

Update (06.02.2019):
Nach der Berichterstattung durch MDR exakt am 23.01.2019 hat die GMR mbH in Leipzig-Plagwitz Giftmüll-Fässer offenbar vom Hof räumen lassen.
Außerdem ließ MDR exakt durch einen Umweltingenieur Bodenproben in der Nähe des Betriebszauns entnehmen. Die Analyseergebnisse eines zertifizierten Labors ergaben: Der Boden an der Recyclinganlage war mit 7,1 Milligramm Quecksilber je Kilogramm belastet. 65-fach höher als die sogenannten Nullprobe - einer Probe, die 200 Meter entfernt von der Industrieanlage entnommen wurde. Der Befund liegt damit deutlich über dem Vorsorgewert, bei dem laut Bundes-Bodenschutzgesetz die "Besorgnis einer schädlichen Bodenveränderung" besteht. Der Grenzwert, der sofortiges Handeln erzwingen würde, ist allerdings noch nicht überschritten. Die Laborergebnisse begründen den Verdacht, dass beim Anlagenbetrieb Quecksilber in die Umgebung gelangt ist.

Mitten in Leipzig, im früheren Industrieviertel Plagwitz, arbeitet die Gesellschaft für Metall-Recycling (GMR) Quecksilberabfälle auf. Dabei werden die Abfälle bei bis zu 650 Grad ausgekocht. Das Metall verdampft aus Knopfzellen oder beispielsweise Zahnamalgam, wird aufgefangen und weiterverkauft. Der Jahresumsatz liegt bei drei Millionen Euro. Doch das Verarbeiten des gefährlichen Stoffes beunruhigt Anwohner und Beobachter.

Volkmar Zschocke, Abgeordneter der Grünen im Landtag, befürchtet eine Umweltkatastrophe in Leipzig-Plagwitz.
Volkmar Zschocke, Abgeordneter der Grünen im Landtag, befürchtet eine Umweltkatastrophe in Leipzig-Plagwitz. Bildrechte: MDR/exakt

Wir wissen ja leider, dass es in Recyclinganlagen in Sachsen häufig brennt – ein- bis zweimal im Monat. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passieren würde, wenn so eine Anlage wie diese hier brennt. Hier wird mit entzündlichen Materialien gearbeitet, hier werden Altbatterien verarbeitet. Das ist mitten in der Wohnumgebung. Hier ist ein Amt, wo Kinder und Familien aus- und eingehen. Das ist unvorstellbar, das wäre eine Umweltkatastrophe von besonderem Ausmaß.

Volkmar Zschocke Abgeordneter der Grünen im sächsischen Landtag

Quecksilber-Recycling birgt Risiko

Die Sorge scheint begründet: In einer Quecksilber-Recycling-Anlage im Ruhrgebiet platzte 2016 ein Behälter und setzte 35 Kilo des Giftmetalls frei. Vier Arbeiter wurden verletzt, einer lebensgefährlich. Die Firma GMR will sich zu diesem Risiko nur schriftlich äußern. In einer Mitteilung des Geschäftsführers heißt es, die Anlage würde jährlich begutachtet.

Die Sicherheit und gesundheitliche Unversehrtheit von Mitarbeitern und Anwohnern genießen oberste Priorität.

Schriftliche Stellungnahme von GMR

Die Anwohner beruhigt das nicht. Die Giftstoffe lagern unter freiem Himmel in Fässern, keine 50 Meter von den nächsten Wohnhäusern entfernt. Auch ein Spielplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe.

Schließung der GMR-Anlage nicht in Sicht

Volkmar Zschocke von den sächsischen Grünen plädiert dafür, die Anlage in Leipzig-Plagwitz aufzugeben. Auch die Anwohner würden sich das wünschen. Doch die Stadt befürchtet bei einer Schließung Schadensersatzforderungen.

Angelika von Fritsch ist die Chefin des Umweltamtes der Stadt Leipzig kann die GMR-Anlage in Leipzig-Plagwitz nicht schließen.
Angelika von Fritsch ist die Chefin des Umweltamtes der Stadt Leipzig. Bildrechte: MDR/exakt

Heute würden wir aus stadtplanerischer Sicht und aus Umweltsicht so etwas in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung wohl nicht mehr zulassen, aber das Unternehmen hat eine alte Bestandsanzeige. Sie dürfen dort am Standort bleiben. Ich habe keine Handhabe, es grundsätzlich zu verbieten.

Angelika von Fritsch Chefin des Umweltamts der Stadt Leipzig

Den Anwohnern bleibt so nichts anderes übrig, als sich mit ihrem giftigen Nachbarn zu arrangieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 06. Februar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 22:09 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

07.02.2019 18:02 dienel , frank 1

Die Verarbeitung von Giftstoffen gehört in jetziger Zeit nicht mehr in den Standort von Wohngebieten.
Das Verhalten der Behörde der Stadt Leipzig ist nicht nachvollziehbar. Die Bürger sind es aber gewöhnt , dass beim Vortragen von unangenehmen Tatsachen auf Granit bei den Behörden stoßen. So wird seit Jahren der erhöhte Ausstoß von CO 2 bei Wohnobjekten von Großvermietern geduldet. Grund bei der sogenannten Modernisierung wurden gravierende
Baufehler gemacht. Beim Austausch der Fenster mit einem niedrigen k-Wert jetzt U -Wert wurden die Montagefugen nicht fachgerecht ausgeführt. Man hat die 2. bzw. 3. Wärmeschutzverordnung seitens der WBG Kontakt ignoriert. Ziel war es , mit geringem Aufwand hohen Nutzen zu erreichen . Mieter die das erkannt haben werden ,wenn sich ein Rückstand von 2 Monatsmieten ergibt, fristlos gekündigt. Eine Beseitigung der gravierenden Baumängel erfolgt nicht . Das ist einer der Gründe warum Deutschland die Klimaziele nicht erreicht.
Alle schauen weg .