exakt am 22.08.2018 Eltern, die auf Handys starren

Die Köpfe gesenkt, die Augen auf dem Smartphone: Eltern, die an Spielplätzen sitzen - ein typisches Bild. Doch wer zu oft aufs Handy schaut, der riskiert nicht nur eine negative Entwicklung des Kindes sondern auch eine erhöhte Unfallgefahr.

Die Kinder toben auf dem Spielplatz. Am Rand sitzen die Eltern auf den Bänken, eigentlich, um aufzupassen, dass den Kleinen nichts passiert. Doch viele haben die Köpfe gesenkt – und schauen auf ihre Smartphones. Eine Ablenkung, die Folgen haben kann. Das zeigt nicht nur ein von MDR-exakt durchgeführtes Experiment.

Es reiche ein kleiner Blick auf das Smartphone und dann seien die Kinder schon zwanzig Meter weiter, sagt Grzegorz Jasinowski, der neben einem Spielplatz in Leipzig sitzt. "Wir unterschätzen, wie süchtig uns Smartphones machen", sagt die renommierte Psychologin Catarina Katzer. Sie beschäftigt sich damit, wie Internettechnologien unser Denken und Handeln verändern: "Multitasking ist eine Mär. Wir können uns gar nicht auf viele Dinge gleichzeitig konzentrieren. Das heißt, irgendetwas leidet und unter Umständen eben auch die Kinder."

Geteilte Aufmerksamkeit der Eltern

Julian Schmitz, Professor am Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung
Sind die Eltern einmal abgelenkt, braucht es etwas Zeit, bis das Kind wieder zurück ins Spiel mit der Mutter findet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses "Leiden" zeigt sich auch in einem Experiment. Die dreifache Mutter Luise Hönig hat gemerkt, dass ihre Kinder stark auf ihren Smartphone-Gebrauch reagieren. Sie erklärt sich für einen Versuch bereit. Während sie mit ihrem Kind spielt, wird sie per Anruf auf dem Handy unterbrochen.

Als das passiert, reagiert die zweijährige Tochter von Luise Hönig deutlich – und ist frustriert. "Sie fängt mit der Hupe an, Geräusche zu machen. Das hat sie vorher nicht gemacht. Sie zeigt schon damit, dass sie die Aufmerksamkeit der Mama zurück haben will", sagt Professor Julian Schmitz vom Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung.  Als das Spiel danach wieder aufgenommen werden soll, ist das nicht so einfach. Es braucht etwas Zeit, bis das Kind wieder zurück ins Spiel mit der Mutter findet.

"Wenn Eltern zum Beispiel auf den Blickkontakt ihrer Kinder nicht reagieren, gibt es Forschungsstudien, die zeigen, dass Kinder ganz massiv mit körperlichem, mit hormonellem, Stress reagieren", erklärt Schmitz. Das Eingehen der Eltern auf ihre Kinder sei ganz wichtig. Doch davon lenkt das Handy ab.

Wut und Hyperaktivität bei Kindern

Julian Schmitz, Professor am Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung
Kinder reagieren gestresst, sagt Julian Schmitz, Professor am Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Schnitt werfen wir alle 10 bis 15 Minuten einen Blick auf das Smartphone. Wenn das häufiger passiert, kann das bei Kindern zu Wut und Hyperaktivität führen. Je stärker Eltern sich ablenken lassen, umso heftiger sind die Folgen bei den Kindern. "Es gibt auch eine aktuelle Studie aus den USA, die Daten legen nah, dass elterlicher Gebrauch von Smartphones mit einem zunehmenden Ausmaß an Verhaltensauffälligkeiten zusammenhängt", sagt der Professor.

Nicht nur das: Die Ablenkung geht auch mit einer erhöhten Unfallgefahr einher. Die tippende Mutter bemerkt während des Experiments nicht sofort, dass ihre Tochter zur Schere greift. Eine Situation, die im Alltag gefährlich werden könnte.

Tatsächlich zeigt eine österreichische Studie: Seit 2008 haben sich die Unfälle auf Kinderspielplätzen verdoppelt, bei Kindern unter fünf Jahren sogar verdreifacht. Dass der Grund dafür auch die ständig präsenten Smartphones sind, liegt nahe: Denn neun von zehn Aufsichtspersonen sind auf dem Spielplatz abgelenkt. In den meisten Fällen durch Handy-Aktivitäten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 22. August 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2018, 20:08 Uhr

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3 Kommentare

23.08.2018 12:54 frieda 3

Wenn Eltern ihrer Aufsichtspflicht und ihrer Verantwortung ihren Kindern gegenüber nicht nachkommen, dann müsste es mit einem Bussgeld geahndet werden.
Zu dem fällt auf, dass viele Hundebesitzer mehr für Verantwortung zeigen, als manche Eltern.

23.08.2018 10:47 Hedwig 2

Wenn Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen, dann wäre für diese wahrscheinlich eine Pflichtschulung angebracht. Und wenn das nicht hilft, dann Kürzung des Kindergeldes.

23.08.2018 07:02 Artep 1

Der Preis der Freiheit. Im unrechtsstaat wäre der handygebrauch längst eingeschränkt gewesen. Das bedeutet auch eine eingeschränkte Freiheit aber zum Wohle der Kinder.
Freiheit und Vernunft geht nicht zusammen.
Ist doch aber schön dass wir so ein tolles datenschutzgesetz haben.