Eine Gruppe von Männern steht in einem Raum und jubeln, während jeder einen Zettel in der Hand hält.
Firass Watfa hatte in Damaskus Mathematik studiert und 13 Jahre lang unterrichtet. 2015 floh er aus seiner Heimat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 18.04.2018 Sachsen tut sich schwer, geflüchtete Lehrer einzustellen

Für das kommende Jahr werden in Sachsen rund 2.000 Lehrer gesucht. Dabei gibt es viele geflüchtete Pädagogen, die gern unterrichten wollen. Aufgrund fehlender Qualifikationen aber bleibt ihnen der sächsische Schuldienst verwehrt.

Eine Gruppe von Männern steht in einem Raum und jubeln, während jeder einen Zettel in der Hand hält.
Firass Watfa hatte in Damaskus Mathematik studiert und 13 Jahre lang unterrichtet. 2015 floh er aus seiner Heimat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Noch bis vor kurzem arbeitete Firass Watfa in der Wilhelm-Busch-Grundschule in Leipzig-Reudnitz. "Ich habe die Lehrer unterstützt und auch den Kindern geholfen, in dem ich bestimmte mathematische Begriffe erklärt habe," erinnert sich der syrische Mathe-Lehrer.

Ein Mann steht auf dem Flur einer Schule und unterhält sich mit einer weiteren Person.
Der syrische Mathe-Lehrer Firass Watfa war im Bundesfreiwilligendienst an der Wilhelm-Busch-Grundschule in Leipzig-Reudnitz beschäftigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für 21 Stunden pro Woche war Watfa an der Schule im Bundesfreiwilligendienst beschäftigt. Doch damit ist es nun vorbei. Einen Job als Lehrer in Sachsen bekommt der Syrer nach Beendigung des Bundesfreiwilligendienstes nicht. Denn er hat in Syrien nur ein Fach studiert, der Freistaat aber verlangt zwei Fächer. In Damaskus hatte Watfa Mathematik studiert und 13 Jahre lang unterrichtet. 2015 floh er aus seiner Heimat.

Dabei würden gerade hier an der Grundschule Kollegen mit Migrationshintergrund und Arabisch-Kenntnissen gut gebraucht. "Da hat das wirklich super geholfen, dass er den Kindern die Aufgabe in ihrer Muttersprache erklärt hat", sagt Lehrerin Karin Rink.

Anders als in Sachsen kümmert man sich in Brandenburg zum Beispiel aktiv um die Integration von geflüchteten Lehrkräften. Die Syrerin Alesar Saed hatte in ihrer Heimat Mathematik studiert und sechs Jahre als Lehrerin gearbeitet. Jetzt ist sie beim Land Brandenburg befristet als Assistenz-Lehrkraft angestellt.

Brandenburg baut eine Brücke

Eine Frau im Interview
Die Syrerin Alesar Saed hatte in ihrer Heimat Mathematik studiert und sechs Jahre als Lehrerin gearbeitet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dabei gilt auch in Brandenburg die Zwei-Fächer-Regel. Aber hier geht das Kultusministerium einen Zwischenweg: Geflüchtete Lehrer, die nur ein Fach studiert haben, können an der Universität Potsdam einen 18-monatigen Spezialkurs absolvieren und dann im Schuldienst arbeiten. In dem Programm, das 2016 entwickelt wurde, wird Deutsch, Pädagogik und Fachdidaktik unterrichtet. Anna Aleksandra Wojciechowicz vom "Refugee Teachers Program" weiß um die Berufserfahrung, die die Geflüchteten mitbringen. "Der Lehrberuf ist sehr anspruchsvoll in Deutschland und wir versuchen dafür eine Brücke zu schaffen", sagt sie.

Drei Semester lernte Saed an der Uni und absolvierte ein Praktikum an der Schule, an der sie jetzt arbeitet. Für die junge Frau ein Segen. "Ich kann jetzt wieder in meinen geliebten Beruf arbeiten", sagt sie. Berufsbegleitend könnte Saed später ein zweites Fach studieren und wäre dann nicht mehr Assistenz-, sondern vollwertige Lehrerin. Die Grundschule will ihren Vertrag verlängern, denn auch hier herrscht Lehrermangel. Zwölf geflüchtete Lehrer arbeiten inzwischen regulär an brandenburgischen Schulen.

Ein Klassenzimmer mit Lehrerin und Schülern.
„Ich kann jetzt wieder in meinen geliebten Beruf arbeiten“, sagt Saed. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sachsen aber tut sich hier schwerer. Ursula-Marlen Kruse, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft kämpft seit Jahren dafür. "Die Schulen werden bunter. Da wäre es auch vernünftig, wenn die Lehrerkollegien bunter werden", sagt sie. Derzeit aber passiere gar nichts. Das sächsische Kultusministerium erklärt die Lage unterdessen mit den fehlenden Qualifikationen, eben dem fehlenden zweiten Unterrichtsfach.

Firass Watfa absolviert nun einen speziellen Deutschkurs und möchte parallel seinen Mathematik-Abschluss anerkennen lassen. Wenn er beide Hürden schafft, könnte er sich für einen Platz in einem Seiteneinsteiger-Programm für Lehrer bewerben. Ein Umweg. Andere Chancen, in Sachsen als Lehrer zu arbeiten, hat der Syrer nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 18. April 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2018, 22:02 Uhr

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3 Kommentare

18.04.2018 00:11 Heinrich Martin 3

Meine Tochter kam als "Flüchtige" aus Thüringen.
Dort hatte sie "nur" Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch, Mathematik (+Mathematik vertieft bis Klasse 10), Sachunterricht und Schulgarten studiert. Das war für eine Referendariatsstelle in Sachsen zu wenig. Schulgarten sei in Sachsen kein Fach. "Nur" drei Fächer: Nicht gut!!! Da wird es auch nichts mit einer späteren Anstellung, wurde ihr lapidar mitgeteilt.
Ein Schelm der Böses dabei denkt, dass man hier nun aktuell wieder von zwei Fächern spricht, meiner Tochter aber mit ihrer Fachkombination von nur drei traditionellen Fächern den Zugang zum sächsischen Arbeitsmarkt verweigerte. Dafür gibt es ANDERE, die hoffen dürfen mit nur einem Fach den Fuß in den säggsschen Arbeitsmarkt zu bekommen:
Zu gut Deutsch: "Thüringer Würstchen" mit einer deutschen Ausbildung mit nur drei Fächern braucht man in Sachsen nicht. Ja sucht man dort überhaupt Lehrer??? Augenscheinenlich nicht, jedenfalls hat das mit WILLKOMMENSKULTUR nischt zu tun!!!

18.04.2018 23:18 Rasselbock 2

Sachsen, altmodisch konservativ, wie immer.

18.04.2018 22:40 Montana 1

Die deutsche Sprache ist das wichtigste. Wer dieser nicht mächtig ist hat überhaupt keine Chancen auf irgend einen Job. Punkt.