exakt | 07.11.2018 Gericht verweigert Großmutter Umgang mit Enkelin

Ramona Blau, erkennt in den Augen ihrer Enkelin ihren toten Sohn wieder. Sascha wurde brutal mit 36 Messerstichen getötet. Doch die Mutter des Opfers darf bis heute ihre Enkelin nicht sehen.

Ramona Blau trauert um ihren einzigen Sohn. Sascha, damals 28, wurde von seiner ehemaligen Lebensgefährtin brutal ermordet. Anderthalb Jahre vor der Tat kam eine gemeinsame Tochter auf die Welt. Die kleine Enkelin Pia ist das einzige, was Ramona Blau von ihrem Sohn geblieben ist. Doch ein Gerichtsbeschluss verbietet ihr, die Enkeltochter zu sehen. Der Umgang mit der Oma wäre zu gefährlich, begründete der Richter seine damalige Entscheidung.

Doch wie konnte es soweit kommen? In einer Grünanlage nicht weit von Ramona Blaus Wohnung treffen sich damals oft Sascha Blau und seine Freundin Adriana M. Ein Paar, das häufig streitet. Beide sind drogenabhängig, nehmen regelmäßig Chrystal Meth. Im Frühjahr 2013 wird die gemeinsame Tochter Pia geboren. Nach der Geburt kümmert sich vorwiegend Ramona um ihre Enkeltochter, fünf Monate lang. Ihre Schwiegertochter zeigte nach der Geburt offenbar wenig Interesse an dem Kind.

Täter werden zu lebenslanger Haft verurteilt

Holzkreuz mit Namen Sascha darauf
Ramona hat an der Stelle des Mordes ein Holzkreuz für ihren Sohn aufgestellt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dann trennt sich Adriana von Ramonas Sohn Sascha. Er will das nicht akzeptieren. Sie bestellt ihren Ex-Freund in den Park. Ein Hinterhalt, plötzlich taucht ihr neuer Freund auf. Beide stechen auf Sascha ein. 36-mal. Er verblutet noch am Tatort. Seine Mutter hat an der Stelle ein Holzkreuz errichtet. Seit dem Verbrechen ist sie schwer traumatisiert. Auch die Erinnerungen an den folgenden Prozess quälen Ramona Blau noch heute. Zeugen belasten Adriana vor Gericht schwer: der Mittäter sei ihr hörig gewesen, die Tat minutiös geplant. Beide werden wegen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt.

Keine gutachterliche Prüfung über das Sorgerecht

Adriana M. sitzt in der JVA Chemnitz. Sie besitzt das Sorgerecht und darf über das Kind ihres Opfers entscheiden. Trotz der Schwere der Tat, trotz der Drogensucht gab es nie eine gutachterliche Prüfung. 

Kissen mit Baby Pia
Ramona kämpft für ein Umgangsrecht mit ihrer Enkelin Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verzweifelt kämpft Ramona Blau nun darum, dass sie ihre Enkelin wenigstens einmal wöchentlich für eine Stunde treffen darf. Der Fall kommt vors Amtsgericht Döbeln. Adriana M. behauptet, die Großmutter sei eine Gefahr für das Kind, weil sie sehbehindert ist. Ein Mitarbeiter des Jugendamtes sagt, es stehe zu befürchten, dass Ramona Blau der Enkelin irgendwann erzähle, wer ihren Vater getötet hat. Und tatsächlich: das Gericht entscheidet gegen die Oma. Im Beschluss heißt es: "die Antragstellerin hat keinen Anspruch auf Umgang mit Pia", weil das nicht "kindeswohldienlich wäre". Zudem bestünden Zweifel, ob Sascha überhaupt der leibliche Vater ist.

Erst im Gerichtsverfahren um das Umgangsrecht bestritt Adriana M. plötzlich, dass Sascha der Vater ist. Obwohl er offiziell als solcher in der Geburtsurkunde eingetragen wurde und obwohl ein anderes Gericht es zuvor sogar abgelehnt hatte, ihn auszutragen. Die kleine Pia lebt jetzt bei den Eltern von Adriana M. Ab und zu besucht sie ihre Mutter in der JVA.

Immerhin hat das Gericht nun in Aussicht gestellt, dass man den Beschluss gegen die Oma von Pia noch einmal prüfen wolle.

Ramona Blau verstarb Anfang November 2018.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 07. November 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 20:49 Uhr