Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Landarztpraxis.
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exakt | 25.04.2018 Mangel an Hausärzten: Am Bedarf vorbei geplant?

150 Hausärzte fehlen aktuell in Sachsen-Anhalt. Doch laut Bedarfsplanung gelten Regionen, in denen es an dieser medizinischen Versorgung mangelt, sogar als überversorgt.

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Landarztpraxis.
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Eigentlich gilt Halle als überversorgt, was die Hausärzte anbelangt. Zumindest steht es so auf der Karte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Eigentlich - doch in der Realität sieht das anders aus. Für die Menschen hat das teils schwerwiegende Auswirkungen.

Jürgen Metzner ist Herzpatient und vor kurzem in die Stadt an der Saale gezogen. Auf der Suche nach einem Hausarzt hat der 69-Jährige ein Dutzend Mediziner kontaktiert – ohne Erfolg. Dabei ist er sogar privat versichert. "Ich hab das dann brieflich zusammengefasst, und hab an die Stadt Halle geschrieben, und hab gesagt, dass wäre eigentlich schon wieder ein Grund, wegzuziehen, wenn es so eine schlechte Versorgung ist", sagt er.

Ein Arzt ist für 1.671 Einwohner zuständig

Für die Verteilung der Hausärzte ist die KV zuständig. Auf ihrer Karte steht für Halle: 109 Prozent. "Überversorgt. Theoretisch", sagt Metzner. Erst nach akuten Herzproblemen hat der Neu-Hallenser dann einen Termin bei einem Internisten gefunden. Der Hintergrund für die schwierige Situation: Formell gesehen ist ein Allgemeinmediziner für die Versorgung von 1.671 Einwohnern zuständig, das hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen so festgelegt. Nach diesen Kriterien werden auch die Niederlassungssitze der Ärzte geplant.

"In Halle haben wir natürlich auch Probleme, die Versorgung sicher zu stellen", gibt Burkhard John von der KV in Sachsen-Anhalt zu. Denn es gebe sehr viele alte und chronisch kranke Menschen. Dennoch darf sich in Halle derzeit kein weiterer Hausarzt niederlassen.

In Sachsen-Anhalt fehlen 150 Hausärzte

Die sogenannte Bedarfsplanung der KV bildet die immensen Probleme in Hausärztebereich in Sachsen-Anhalt nur unzureichend ab. Insgesamt fehlen aktuell 150 Allgemeinmediziner, die hauptsächlich für die vielen Kreise gesucht werden. In denen ist die Lage noch kritischer - drohende Unterversorgung heißt das offiziell. Allein in Halle und Umland fehlen 14 Hausärzte. Es könnten nicht alle Sitze besetzt werden, sagt John. "Wir müssen sehen, dass wir in den besonderen Brennpunkten, die Hausärzte hinbekommen, etwa auf ein Dorf, wo gar kein Hausarzt mehr ist."

Doch die Suche nach Nachfolgern ist schwierig. Beispiel Coswig: Dort will Margit Grewling in den verdienten Ruhestand gehen. Um die 8000 Patienten hat sie in der Kartei - sie behandelt zur Not auch nach Feierabend. "Wenn das was Akutes ist: 'Jetzt lass das mal.' Ich könnt es jedenfalls nicht. Ich denke, deswegen ist das nicht so beliebt", sagt die Haus- und Kinderärztin. Nach einem halben Jahr  Suche gibt es immer noch keinen, der ihren Job übernehmen will.

So zieht auch die KV ein bitteres Resümee: "Ich glaube die Situation wird noch eine ganze Weile so bleiben", sagt John. Er sei froh, wenn es nicht schlechter werde. "Unsere Prognose zeigt, dass wir bis zum Jahr 2032 zusätzlich noch mal 236 Hausärzte benötigen, die wir im Moment nicht besetzen können." Diese würde noch zu den 150 hinzukommen. Damit könnte sich die Situation noch verschärfen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 25. April 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2018, 18:17 Uhr

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